Weiße Lügen, schwarze Wahrheiten

Diskussion entlang des Buches »Erwachsenensprache« von Robert Pfaller.

Dienstag, 24.April um 19.30 Uhr
Mieter-Pavillon, Friedrich-Naumann-Str. 7

Menschen benutzen Sprache, um sich über die Wirklichkeit zu verständigen. Damit wird Sprache zu einem Abbild der menschlichen Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist jedoch nicht immer schön.

Die Mächtigen haben es nicht gern, wenn man die Wahrheit ausspricht. Während sie sich bei der Verschleierung der Wahrheit feiner und beschönigender Begriffe bedienen, erfordert das Aussprechen der Wahrheit häufig die Verwendung unschöner Ausdrucksweisen, um die – ebenfalls unschöne Wahrheit – angemessen wiederzugeben. Genau dies wird nun aber neuerdings massiv sanktioniert: Triggerwarnungen sollen die Zartbesaiteten vor allzu rüden Ausdrucksweisen und deren Auswirkungen auf ihre ebenso zartbesaitete Seele schützen. Problematisiert und sozial abgestraft wird also nicht die brutale Wahrheit, sondern das Aussprechen derselben.

Robert Pfaller kritisiert diese Art der Sprache und der »Political Correctness« in seinem Buch »Erwachsenensprache«. Für ihn ist sie eine hilfreiche Methode, der neoliberalen Ausbeutung und Verarmung ein fortschrittliches Gesicht zu geben. Mit dem Bauchpinseln von Identitäten können sich Parteien modern und weltoffen zeigen während sie gleichzeitig das Rentenalter hochsetzen.

Die Triggerwarnung vor einem ernsthaften Film kommentiert Pfaller folgendermaßen:

»Warum regt mich das so sehr auf? – Ich sage mir: Meine Wut rührt daher, dass mir dieses Zartgefühl von oben nach unten (denn es sind ja die Autoritäten, die hier zartfühlend auf die Untergebenen einzugehen scheinen) verlogen vorkommt. Und warum verlogen? – Nun, weil es in einem auffälligen Gegensatz zu dem steht, was sonst gerade passiert: der eklatanten Brutalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. Hier nehmen scheinbar Leute auf Leute Rücksicht, auf die sie im Übrigen nicht die geringste Rücksicht nehmen. Vielleicht hilft ihnen das Erstere ja auch noch beim Zweiteren.«

Im Alltag begegnen uns immer wieder neue Formen des Sprechens, die wir kritisch hinterfragen wollen:

  • Wenn wir uns im Betrieb alle duzen sollen, um flache Hierarchien zu demonstrieren, während gleichzeitig die Schrauben angezogen werden.

  • In der Sprache ist die Form wichtiger als der Inhalt.

  • Gleichzeitig wird mit Schockbildern auf Tabak und Zigarettenpackungen die Sorge um unsere Gesundheit ausgedrückt, während man uns ein Kohlekraftwerk vor die Tür baut.

  • Individualismus und rebellisches Outfit ersetzen ein kritisches WIR.

  • Die Herkunft und Identität wird immer wichtiger. Das macht es schwerer, das Gemeinsame zu sehen und sich zu solidarisieren.

  • Ständig wird von Nachhaltigkeit geredet, doch die Flut an Wegwerfartikeln war nie so groß wie heute.

Wir wollen verschiedene Facetten dieser Entwicklung beleuchten und darüber diskutieren, wie wir in unserem Alltag damit konfrontiert werden, bspw. in unserem politischen Engagement oder bei der Arbeit.

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