Ist die AfD ein Problem oder nur ein Symptom?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 27.Oktober 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Dieser Frage werden wir in zwei Teilen nachgehen, denn:

  • wenn die AfD das Problem ist, muss man sich damit beschäftigen, wie man dieses angeht, aber
  • wenn sie nur ein Symptom ist, muss man sich weniger mit der AfD beschäftigen, sondern vielmehr mit den Umständen und Bedingungen, die sie hervorgebracht haben.

Die Idee für eine Diskussion über das Phänomen „AfD“ besteht schon länger denn wir wollen verstehen, was da los ist. Die einen sehen die AFD als Wiedergeburt der NSDAP, während sie für – anscheinend immer mehr – andere als einzige Opposition zu den Altparteien gesehen wird. Eine Opposition, die sich hauptsächlich am Ziel festmachen lässt, das Altparteiensystem durch- und abzuschütteln
Mit den Vertretern der „Nie wieder ist jetzt“- und Brandmauerfraktion ist es schwer, eine Diskussion über die realistischerweise zu erwartenden konkreten Auswirkungen eines Erstarkens der AfD zu führen. Umgekehrt ist genauso: Wenn man auf der Straße auf Menschen trifft, die sich der AfD zuordnen, ist es ebenso wenig möglich, darüber zu sprechen, was sie denn realistisch an konkreten Verbesserungen für ihr Leben erwarten.
Die Ausgangsidee war also, nicht so sehr über irgendwen oder irgendetwas zu diskutieren, das für uns von außen nicht einsehbar ist. Im Gegenteil wollten wir uns selber fragen, wie wir auf die Wahlprogrammatik reagieren. Was lässt uns aufhorchen, was schreckt uns ab und wo müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass sie mit dem, was sie problematisiert, zumindest einen richtigen Punkt trifft, ohne dass die jeweils propagierte Lösung unsere wäre.
Vielleicht lässt sich daraus etwas verallgemeinern, weil es möglicherweise vielen so geht.

Teil 1 – Die AFD als das Problem…?
Wir nehmen uns die 10 Punkte des AfD-Wahlprogramms „100 Tage für Sachsen Anhalt. Was wir tun werden“ vor, mit dem sie die Wahl in Sachsen Anhalt gewonnen hat. Dieses Wahlprogramm kann man unter zwei Gesichtspunkten diskutieren:
a) Welche persönlichen Befürchtungen und Ängste haben wir bezüglich einer erstarkenden AfD? Welche Folgen für unser Leben befürchten wir bspw. bei einer Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages?
b) Welche subtile „Anziehungskraft“ haben die Parolen der AfD ungeachtet ihres gesamten Programmes? Wo müssen wir ihr, wie oben bereits gesagt, einen Punkt zugestehen? Wohlgemerkt nicht für die Lösungen, sehr wohl aber für die aufgeworfene Problematik.

Die RGB – Farben…

Das wäre der erste Teil, die Frage nach dem „Problem AfD“. Im
Zweiten Teil
wollen wir versuchen, die AfD als Symptom einer jahrzehntelangen verfehlten linken Politik angesichts einer manifesten Gesellschaftskrise zu begreifen. Wir fragen uns, warum so viele Menschen, gerade aus der Arbeiterklasse, angesichts weitgehender Privatisierungen öffentlicher Infrastruktur und Zerschlagung von Sozialsystemen die AFD wählen oder in anderen Ländern entsprechende Parteien und Präsidenten wie Trump (USA), Bolsonaro (Brasilien) oder Milei (Argentinien). Alles Vertreter eines „Turbo- Kapitalismus“, für den sie die letzten Reste sozialstaatlicher Verfassungen und Institutionen mit der Kettensäge kleinmachen wollen. Wie kann es sein, dass solche Programmatiken auf Widerhall in der Arbeiterklasse stoßen? Gibt es da eine Logik??
Umgekehrt stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass Menschen aus bürgerlich- liberalen Milieus massenhaft einen immer autoritäreren Staat herbeirufen – solange er sich bitteschön gegen „die anderen“ richtet! Protest gegen die konkrete Politik in den letzten Jahren – Militarisierung und Krieg, polizeiliche und geheimdienstliche Aufrüstung, Übergabe von Staatsfunktionen an Privatunternehmen (und private Stiftungen und NGO’s), Etablierung sozialer Ächtung, Förderung des Denunziantentums u.v.m. – gibt es dagegen aus diesen Kreisen nicht oder kaum. Eine „Brandmauer“ gegen die Vertreter dieser offensiv unsozialen und gesellschaftszerstörenden Politik fehlt. Das zu verstehen, ist auch eine ziemliche Knacknuss …

Geht es bei der Auseinandersetzung um die AfD tatsächlich ausschließlich um einen „Kulturkampf“?
Wie könnte sich ein sozialen Kampf artikulieren, der den Gordischen Knoten der Alternativen von entfesseltem neoliberalen Imperialismus auf der einen und nationalstaatlichem Egoismus auf der anderen Seite durchschlägt?

„Die Schwarze Sonne“

Szenische Lesung
Freitag, 23.Oktober 2026 um 20 Uhr
Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich-Naumann-Str.27

Tutti insieme!
Alle (lesen) zusammen!
Wer mitlesen will, liest mit und wer zuhören will, hört einfach zu!

Und zwar diesmal…: „Die Schwarze Sonne“ von Friedrich Wolf.

Der Zeitenlauf mal umgekehrt: In einer Felsspalte erwacht nach vielen tausend Jahren der „Urahn“ einer Gesellschaft der „Wilden“: Er war im Jahre 1920 Warenhausabteilungsleiter und hat mitsamt eines gewissen Sortiments an Wäsche den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt.
Über die „Wilden“ herrscht der Priester Wumm, der die Menschen mittels des selbst erfundenen Gottes „Weiße Sonne“ beherrscht. Wumm hat beim Auftauchen des Fremden zuerst Angst, aber erkennt blitzschnell seine Chance: Er erklärt den Warenhausangestellten im fremdartigen Anzug zur „Schwarzen Sonne“ und sich selbst zu seinem obersten Priester.
Der jedoch ist höchst irritiert; im Laufe einiger Irrungen und Wirrungen erkennt er sich selbst als Überrest einer militaristischen und von Besitz und Konsum geprägten Gesellschaft.
Soviel sei verraten: „Die Schwarze Sonne“ ist eine grotesk- satirische Komödie mit „Tanz und Gesang“ und hat natürlich ein gutes Ende!

Die Originalausgabe von 1921 kann hier, wer mag, im Internet Archive einsehen: https://archive.org/details/3322836/mode/2up

Friedrich Wolf (1888 – 1953) war ein ziemlich umtriebiger Mensch in einer unruhigen Zeit. Zunächst studierte er Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Truppenarzt und entwickelte sich zum entschiedenen Kriegsgegner und trat während der Revolution in den Arbeiter- und Soldatenrat in Dresden ein. In den 1920er Jahren praktizierte er als Armenarzt, der über die Schulmedizin und die Pharmaindustrie hinausblickte – sein Werk „Die Natur als Arzt und Helfer“ war um 1930 ein gerade in Arbeiterkreisen weit verbreitetes Standardwerk.
Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Theaterstücke, in denen er politisch brisante Themen aufgriff. Sein bekanntestes Drama, „Cyankali“ von 1929, klagte das Abtreibungsverbot des § 218 an.
1933 emigrierte er in die Sowjetunion. 1936 wollte er nach Spanien, um im Bürgerkrieg als Arzt die Internationalen Brigaden zu unterstützen, kam aber nicht durch. Nach seiner Internierung dort konnte er 1941 mit sowjetischer Hilfe nach Moskau zurückkehren. Von dort ging er 1945 zurück nach Deutschland, in die DDR.
Auch seine beiden Söhne Markus („Mischa“) und Konrad waren in der DDR bekannte Persönlichkeiten: Der eine als Literat und Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, der andere als einer der wichtigsten Filmregisseure der DDR.

„Rahmenplan für die Zivile Verteidigung im Bereich der Hamburger Krankenhäuser 1.0″ – was hat das mit uns zu tun?

Informations- und Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 29.September 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann-Str.7

Im Juni 2026 wurde der o.g. Rahmenplan des Landes Hamburg veröffentlicht. In der lokalen Presse blieb es auffallend still, der NDR berichtete kurz am 10.07. In der TAZ erschien am 13.07. ein Artikel, der im Wesentlichen die Kritik der „LINKE“ wiedergab – aber weder die Hamburger Morgenpost, noch das Abendblatt haben den Rahmenplan in einem Artikel thematisiert.

Weil er so uninteressant ist?
Weil er die Hamburger Bevölkerung nicht betrifft?

Zumindest wenn diese beiden Beweggründe die Hauptursache für das Schweigen waren, können diese entkräftet werden.
Wir wollen in unserer kommenden Veranstaltung am 29. September die wesentlichen Auswirkungen dieses Rahmenplans auf die Gesundheitsversorgung der Hamburger Bevölkerung und auf die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter anschauen, um zu analysieren, was da auf uns zukommt. Und vorweg sei schon einmal gesagt: Uninteressant oder gar unbedeutend sind die geplanten Maßnahmen ganz und gar nicht.

Hier schon einmal eine Auswahl vorweg:

• In der Präambel wird zwar beteuert, der Plan würde alle Krisen- und Katastrophenfälle umfassen, allerdings basieren die weiteren Ausführungen auf der Annahme eines Bündnisfalles – auch wenn alternativ von „langanhaltenden Krisenfällen“ die Rede ist. Aber: Welche Krisenfälle außer dem Bündnis- oder Verteidigungsfall könnten einen „langfristigen Ausfall von Teilen der kritischen Infrastruktur“ verursachen (Rahmenplan S. 4)?

• Bei Überlastung der Krankenhäuser ist die Umstellung von Individual– auf Katastrophenmedizin geplant. In diesem Modus werden z.B. so genannte Wahleingriffe verschoben (s. Rahmenplan S. 28). Das hört sich harmlos an, aber: Was ist denn ein „Wahleingriff“? Hier ist nicht von Schönheitsoperationen die Rede, sondern von notwendigen Eingriffen, z.B. Gallensteinentfernungen, Krebsoperationen, Schilddrüsenoperationen, Bypässe am Herz usw. Die betroffenen Patienten werden natürlich nicht sofort sterben, wenn der Operationstermin von heute auf morgen verschoben wird, aber sie werden sehr wohl deutliche Nachteile erleben, wenn es sich bei dieser Verschiebung um Wochen, Monate oder gar Jahre handelt – und dann vielleicht doch sterben. An einer Erkrankung, die unter normalen Bedingungen leicht zu behandeln gewesen wäre.

Die „schöne neue Realität“ wirkt sich natürlich auch auf die Arbeitsbedingungen aus:

• So wird etwa eine Verlagerung der Arbeitszeiten (z.B. Wochenenddienste für Arztpraxen, s. S. 28) oder auch der Arbeitsorte (S. 45) erwogen,

• wie auch die Umsetzung unattraktiver Entscheidungen der Behörden oder der Krisenstäbe, wie z.B. die Entlassung „unfertiger“ Patienten (S. 24) den unteren „Diensträngen“ überlassen wird. Wie das vonstatten gehen wird und was das für Beschäftigte (und natürlich die betroffenen Patienten) bedeutet, kann man sich mit ein bisschen Phantasie lebhaft ausmalen …

Nein, dieser Rahmenplan dient mitnichten zur Sicherung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Er beinhaltet zahlreiche Weichenstellung in eine neue Ära der Gesundheitsversorgung, die Gesundheit zuallererst als Kriegsmedizin versteht und die das gesamt Gesundheitssystem genau darauf ausrichten will – auch in Friedenszeiten.

Wie wir hier sehen können, geht die geforderte „Kriegstüchtigkeit“ der Gesellschaft über abstrakte (Geld-)Zahlen hinaus – sie beinhaltet eine prinzipielle Abkehr vom Anspruch einer sozialstaatlichen Verfassung.
Wir haben einen großen Bedarf, mit euch über diesen politischen Paradigmenwechsel zu diskutieren!

„Verdammter Friede“

Buchvorstellung
Dienstag, 25.August 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Ist Frieden möglich? Ist er überhaupt wünschenswert??

… merkwürdige Fragen, zugegeben. Aber Regierungen stellen sie sich.

1967 wurde in den USA ein geheimer Bericht veröffentlicht: ‚Report from Iron Mountain on the possibility and desirability of peace‘ (‚Bericht aus dem Atombunker ‚Eiserner Berg‘ über die Möglichkeit und Wünschbarkeit von Frieden’). Ein Jahr darauf erschien er unter dem Titel ‚Verdammter Friede‘ auf Deutsch.

Fünf Jahre später bekannte sich ein us-amerikanischer Schriftsteller namens Leonard C. Lewin zur Autorenschaft; der geheime Bericht einer von der US- Regierung zusammengerufenen geheimen Kommission führender Wissenschaftler und Industrieller sei eine Satire gewesen.

Eine Satire – aber so glaubhaft angesichts der Regierungspolitik, dass der Bericht große Aufmerksamkeit erregte und ernst genommen wurde. Auch die US- Regierung sah sich gezwungen, öffentlich zu beteuern, dass das alles ein Scherz sei und rein gar nichts mit ihren Gedanken zu tun habe …

Worum ging es?
Die Zeit der Kriege endete für die USA nicht mit dem Zweiten Weltkrieg: Unabhängigkeitsbewegungen in den ehemaligen europäischen Kolonien wurden bekämpft, kommunistisch beeinflusste Volksbewegungen in Asien und Afrika massakriert, Stellvertreterkriege mit der Sowjetunion ausgefochten. Aber in den 50er und 60er Jahren formierten sich zunehmend Bewegungen gegen die herrschenden und gewalttätigen Verhältnisse. Sie zwangen die Regierungen erst von John F. Kennedy und ab 1963 von Lyndon B. Johnson, sich mit Szenarien von Abrüstung und Frieden auseinanderzusetzen. So setzte Johnson 1963 einen ‚Ausschuss zur Untersuchung der Auswirkung von Rüstung und Abrüstung auf die Wirtschaft‘ ein. Der sollte Szenarien entwickeln, wie die Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion aussehen könnte, ohne dass es zu einem ökonomischen Einbruch kommen würde.

Gleichzeitig rief sie eine geheime Kommission zusammen, die das Problem von der anderen Seite her angehen sollte: Bevor man als Regierung Pläne für Frieden und Verfahren zur globalen Abrüstung entwickelt, müsse man den Krieg untersuchen und seine Funktion, die er für die Stabilität einer in sich ungleichen und damit instabilen Gesellschaft habe. Die Aufgabe der Kommission war also, „sorgfältig und realistisch alle Probleme zu ermitteln, vor denen die Vereinigten Staaten eines Tages im Falle eines ‚permanenten Friedenszustandes‘ stehen würden und ein Programm zu entwerfen, um mit dieser Situation fertig zu werden“.
Kurz gesagt: Krieg erfüllt in unserer kapitalistischen Welt viele Funktionen. Er entsteht nicht aus Unfähigkeit, friedlich zu bleiben, im Gegenteil: er macht für die Herrschenden Sinn. Und: Wenn man als Regierung tatsächlich ohne Militärapparat und Krieg auskommen will, braucht man Ersatz. Was könnte als Ersatz für Krieg dienen? Auch dieser Frage ging die Arbeitsgruppe nach.
Sie entwickelte Kriterien für globale Ersatzinstitutionen, die die wirtschaftlichen, politischen und soziologischen Funktionen des Krieges übernehmen könnten. Eine zentrale Erkenntnis im Bereich der Wirtschaft war etwa: „Ein annehmbarer Ersatz für die wirtschaftliche Funktion des Kriegssystems müßte die Bereitstellung von Geldern für völlig unproduktive Zwecke garantieren“.
Die diskutierten Modelle hörten sich vor einigen Jahren noch völlig verrückt an, aber in Zeiten von Elon Musk, Bill Gates und Peter Thiel sind sie erstaunlich modern: Ein gigantisches sinnloses Raumprogramm etwa, die Initiierung einer globalen Massenbewegung zur Abwendung des Weltuntergangs durch Umweltzerstörung, eine „allgegenwärtige und allgewaltige Polizeistreitmacht“ usw. – alles potenziell miteinander zu kombinieren.

Uns hat die Fragestellung, von welcher der Bericht ausging, gelockt. Wie sieht die Welt aus Sicht der Verfechter des Kapitalismus aus? Welche ihrer Probleme versuchen sie, durch Rüstung und Krieg zu lösen? Wenn „Frieden“ nur ein anderes Wort für „Stabilität“ sein soll, wie im Bericht formuliert wird, „Krieg“ aber auch nur ein weiteres Wort dafür – müssen wir dann nicht die „Stabilität“ aus dem Gleichgewicht kippen, um Frieden für uns zu erreichen?

Wir stellen einige Punkte aus dem kleinen Büchlein vor und freuen uns auf eine angeregte Diskussion!

„Der lange Atem“ – Im Westen immer dasselbe (?)

Filmveranstaltung
Dienstag, 28.Juli 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Demonstration gegen die Wiederbewaffnung, Anfang der 1950er Jahre

Wer hat sich in den letzten Jahren nicht angesichts der politischen Entwicklungen die Haare gerauft – vor allen Dingen, weil es scheinbar so wenige Mitmenschen empört, dass die europäischen Regierungen, Deutschland allen voran, nur noch einen Kurs kennt: Den auf einen offenen Krieg zu. Warum nur, fragen sich viele, folgt kaum jemand den Aufrufen zu Demonstrationen für Frieden und Völkerverständigung, während sich zum Christopher Street Day Abertausende durch die Straßen wälzen?

War es immer so, dass sich in der BRD kaum jemand um die Frage der (Wieder-)Aufrüstung geschert hat?j

Der Dokumentarfilm „Der lange Atem“ (Christoph Boekel / Beate Rose) aus dem Jahr 1982 thematisiert die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen um die Wiederaufrüstung der BRD in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Einführung der Bundeswehr 1955. Er zeichnet für diese Phase einerseits ein anderes und doch wieder dasselbe Bild.

Ein anderes, indem er aufzeigt, wie einhellig und gesellschaftlich fest verankert die Absage an jegliche Wiederaufrüstung unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg war: Kirchen, Gewerkschaften, Parteien wie die SPD, aber auch weite Teile der CDU sprachen sich entschieden gegen eine Remilitarisierung aus und erschwerten so die Umsetzung der Pläne der Alliierten, die BRD zum militärischen Bollwerk gegen den kommunistischen Osten Europas zu machen. Umfragen zufolge lehnten nahezu 90 Prozent der Bevölkerung, eine Remilitarisierung rundheraus ab.

ABER: Der Film zeigt andererseits dieselben Missstände wie heute auf: Eine korrupte Regierung, insbesondere ein Kanzler (Adenauer), der nicht davor zurückschreckt, die Bevölkerung aber auch seine Parteigenossen anzulügen und zu hintergehen, um den von den Alliierten gewünschten Zustand einer militarisierten BRD zu erreichen. Erschreckend dabei ist insbesondere die nachweisliche Zusammenarbeit mit Nazi-Größen, die wundersamerweise keine Gefängnisstrafe abbüßten, sondern stattdessen in Amt und Würden gehoben wurden.
Der Film zeigt weniger den damaligen Protest, als vielmehr die Verflechtungen zwischen Politik, Alt-Nazis und Alliierten. Im Zentrum des Films steht ein Gespräch mit dem KPD-Mitglied Oskar Neumann, der maßgeblich an der Initiierung einer Volksbefragung zur Wiederbewaffnung beteiligt war.
Deutlich wird der unbedingte Wille der Herrschenden, die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik gegen jeden Widerstand durchzusetzen.

Wer hat Angst vor’m Spannungsfall?

Informationsveranstaltung
Dienstag, 26.Mai 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Str.7

Im September 2024 forderte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter angesichts einer angeblichen Bedrohung durch russische Drohnenflüge die Ausrufung des „Spannungsfalls“.

Dieses Instrument geht geschichtlich auf die Auseinandersetzungen um die sogenannte Notstandsverfassung in den 1960er Jahren zurück. Resultat dieser Auseinandersetzungen war – unter anderem – der komplexe Mechanismus des „Spannungsfalls“, der als rechtsstaatlich gebändigter Ausnahmezustand zu verstehen ist.

Bisher blieb Kiesewetters Forderung jedoch ohne Folgen. Wir meinen, dass dies nicht zuletzt daran liegt, dass die heutige Politik diesen Mechanismus als zu kompliziert, zu wenig flexibel und der aktuellen Situation nicht angemessen erachtet.

Auf unterschiedlichen Ebenen wird daher versucht, die Grenzen des „Spannungsfalls“ zu überschreiten. Dies reicht von medialer Entdramatisierung der im Spannungsfall möglichen Maßnahmen über kleine Verschiebungen seiner rechtlichen Grenzen bis hin zu Plänen, das Recht des „Spannungsfalls“ insgesamt zu ändern und Maßnahmen vom Ausnahmezustand, bzw. Notstand in den Normalzustand vorzuverlegen. Die angeblich „versehentlich“ auf Friedenszeiten ausgedehnte Genehmigungspflicht für längere Auslandsaufenthalte von Wehrpflichtigen legt davon Zeugnis ab.

Was erwartet euch an diesem Abend?

Wir werden uns damit beschäftigen, was genau der Spannungsfall ist, wie er historisch einzuordnen ist, woher diese Regelung stammt und beispielhaft aufzeigen, welche Rechtsfolgen die Aktivierung der Sicherstellungsgesetze durch den Spannungsfall nach sich zieht.

Darüber hinaus werden wir kritisch hinterfragen, ob es tatsächlich der Spannungsfall ist, der uns Anlass zur Sorge geben sollte oder nicht vielmehr die Konsequenzen, die daraus resultieren, dass er der Regierung nicht genug Flexibilität gewährt. Es deutet sich unseres Erachtens an, dass sich hieraus weitreichende Veränderungen bereits im Normalzustand ergeben werden, die unseren Alltag maßgeblich nachteilig verändern könnten.

„Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert

Szenische Lesung mit Musik
Samstag, 30.Mai 2026 um 20 Uhr
im Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich- Naumann- Str.27

tutti insieme!
Alle (lesen) zusammen!
Eine Szenische Lesung mit Musik – Wer mitlesen will, liest mit und wer zuhören will, hört einfach zu!

Und zwar diesmal…: „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert

Direktor: Ja, aber Kunst muß reifen. Ihr Vortrag ist noch ohne Eleganz und Erfahrung. Das ist alles zu grau, zu nackt. Sie machen mir ja das Publikum böse. Nein, wir können die Leute nicht mit Schwarzbrot –

Beckmann:(stur vor sich hin): Schwarzbrot.

Direktor; – füttern, wenn sie Biskuit verlangen. Gedulden Sie sich noch. Arbeiten Sie an sich, feilen Sie, reifen Sie. Dies ist schon ganz brav, wie gesagt, aber es ist noch keine Kunst.

Beckmann: Kunst, Kunst! Aber es ist doch Wahrheit!

Direktor: Ja, Wahrheit! Mit der Wahrheit hat die Kunst doch nichts zu tun!

Beckmann(stur vor sich hin): Nein.

Direktor: Mit der Wahrheit kommen Sie nicht weit.

Beckmann(stur vor sich hin): Nein.

Direktor: Damit machen Sie sich nur unbeliebt. Wo kämen wir hin, wenn alle Leute plötzlich die Wahrheit sagen wollten! Wer will denn heute etwas von der Wahrheit wissen? Hm? Wer? Das sind die Tatsachen, die Sie nie vergessen dürfen.

Beckmann(bitter): Ja, ja. Ich verstehe. Danke auch. Langsam verstehe ich schon. Das sind die Tatsachen, die man nie vergessen darf,
(seine Stimme wird immer härter, bis sie beim Kreischen der Tür ganz laut wird) die man nie vergessen darf: mit der Wahrheit kommt man nicht weit. Mit der Wahrheit macht man sich nur unbeliebt. Wer will denn heute etwas von der Wahrheit wissen?
(laut) – Ja, langsam verstehe ich schon, das sind so die Tatsachen – –

Das Drama „Drußen vor der Tür“ schrieb der Hamburger Dichter Wolfgang Borchert im Herbst 1946 in wenigen Tagen. Der Kriegsheimkehrer Beckmann kommt nach Jahren der Kriegsgefangenschaft zurück. Alles liegt in Trümmern, auch sein Leben: Sein Kind im Schutt des zerstörten Hauses begraben; seine Frau tröstet sich mirt einem Anderen; seine Eltern haben sich als Nazis das Leben genommen; ihn quälen die Toten, die er auf dem Gewissen hat – sein ehemaliger Befehlshaber lacht ihn aus. Das Leben der Anderen geht irgendwie weiter, nur seines nicht. Seine Anläufe zu neuem Lebensmut verlaufen im Nichts.

Ein Stück zur neuen Kriegstüchtigkeit!

Wir treten vor die Tür & kucken ma, was da is‘ !

Botanischer Rundgang durch Heimfeld
Sonntag, 10.Mai 2026 um 14 Uhr
vor dem Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Großer wilder Urwald?? Auf die eigene Perspektive kommt es an!

Botanik, gewiss. Sie wird uns einiges sagen können, z.B. auch zum Klimawandel – manchmal ja ein umstrittenes Thema.
Wir werden aber auch gestaltete Stadt sehen – und ihre Änderung über die Zeit. Wer gestaltet da eigentlich was und für wen? Wie wird Verhalten im öffentlichen Raum gesteuert? Damit wird dieser Rundgang auch ein wenig ein verspäteter Jane’s Walk.
Und bestimmt gibts noch allesmögliche andere, worüber wir reden können…

95 Jahre Spanische Republik: Spanische Republikaner gegen Faschismus

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.April 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Vergessene Helden – sie wurden besiegt, aber nicht gebrochen.


In verschiedenen Kulturen, Ländern und Kontinenten sehen wir, dass viele Feierlichkeiten der Linken an Niederlagen erinnern: der 28. Mai 1871 an das Ende der Pariser Kommune, die Frankfurter Nationalversammlung von 1848, der es nicht gelang, ihre Verfassung durchzusetzen, der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939, der im Faschismus endete oder der Militär­putsch in Chile 1973. Diese Daten sind zwar wichtig, hinterlassen aber im Unterbewusst­sein einen Nachgeschmack von Niederlage und Resignation angesichts der Unmöglich­keit einer wirklichen Veränderung.
Wir könnten jedoch dieselben Ereignisse aufgreifen und ihrer positiven Aspekte gedenken: Wäre es nicht besser, Allendes Amtsantritt als Präsident Chiles statt des Militärputsches zu feiern? Oder vielleicht die Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik statt ihrer Niederlage im Krieg?
Anknüpfend an diesen Perspektivenwechsel – und da sich am 14. April die Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik zum 95igsten mal jährt – laden wir Euch ein, diesen Jahrestag gemeinsam mit uns zu begehen.
Der republikanische Idealismus wurden nie besiegt – er lebte trotz der militärischen Niederlage 1936 in den Köpfen und Herzen der Menschen weiter. Wir sollten den unermüdlichen Kampf der spanischen Republikaner nicht nur als historische Gegebenheit betrachten, sondern als ein mögliches Vorbild für die aktuelle Situation. Auch das Verständnis von Antifaschismus in dieser Zeit kann uns möglicherweise dabei helfen, die aktuelle Entwicklung hin zu einer „Radikalisierung der Mitte“ besser zu verstehen.
Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion mit Euch über all diese Punkte.

Wehrkraftzersetzung! Gedanken der Rosa L. aus dem Gefängnis

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 31.März 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Rosa L. sitzt im Gefängnis. Verurteilt wegen einer Rede vor drei Jahren in Frankfurt am Main, in der sie gegen den heraufziehenden Krieg agitierte. Verurteilt und anschließend in Sicherheitsverwahrung genommen. Das Unheil, das seinen Lauf genommen hat, kann sie nur aus dem Zuchthaus kommentieren. Wann hat es seinen Anfang genommen?

Nun es geht um Rosa Luxemburg, den Ersten Weltkrieg, die interationale Arbeiterbewegung und das Jahr 1916; oder geht es doch um uns und das Jahr 2026? Luxemburg schrieb 1916 eine Broschüre unter dem Titel „Die Krise der Sozialdemokratie“. In dieser ging es vordergründig um „ihre“ Partei, die deutsche SPD, aber darüber hinaus um die internationale Arbeiterbewegung, deren Führer sich noch wenige Tage vor dem Kriegsaufbruch feierlich schworen, niemals die Waffe gegen ihre Klassenbrüder in anderen Ländern zu erheben. Mit Kriegsausbruch waren alle diese Schwüre bis auf wenige Ausnahmen vergessen. Das Blutvergießen und Verzicht für die Heimatfront segneten fast alle Arbeiterparteien auf allen Seiten ab.

Dieses Umfallen hat Rosa Luxemburg zwar nicht komplett überrascht, aber tief getroffen. Lange Jahre hatte sie gegen den aufkommenden Militarismus und dessen Akzeptanz in ihrer eigenen Partei gekämpft. Sie versuchte allerdings, den Krieg nicht als persönliches Versagen einzelner Menschen und Politiker oder als entgleisten Konflikt zwischen Staaten zu erklären; statt dessen begriff sie ihn als Ausdruck der gesellschaftlichen Widersprüche im weltweiten Kapitalismus. Dieser Ansatz macht es auf den ersten Blick schwierig, denn er lässt die Illusion verfliegen, mit der Abwahl dieser oder der Wahl jener Regierung werde wieder Frieden einkehren. Auf den zweiten Blick macht er aber auch deutlich, dass es nur an „uns“ als arbeitender Bevölkerung liegt, den Krieg und die dem Krieg zugrunde liegende Ordnung zu beenden. Die Macht liegt letzten Endes nicht bei Frau von der Leyen, Trump, Putin oder Khamenei.

Luxemburgs Bestehen darauf, dass der Krieg, auch wenn er formell zwischen Staaten geführt wird, immer gegen die „eigene“ Bevölkerung gerichtet ist, lässt sie in Widerspruch zu einer linken Politik stehen, die sich darin erschöpft, „Solidarität“ (mit wem auch immer) einzufordern. Diese Politik lenkt davon ab, dass der Krieg primär dazu dient, die arbeitende Bevölkerung politisch und im Alltag zu disziplinieren, ihren Lebensstandard zu senken und die Profitraten zu retten; darum geht’s – ob hier oder in Russland oder den USA…

Ihr Beharren darauf, dass es letztlich die Macht des arbeitenden Volkes in Massenstreiks und sozialem Widerstand ist, die über den weiteren Weg entscheidet, trennt sie von Parteipolitikern, die opportunistisch und taktisch handeln und an die Macht einer straff geführten Partei glauben.

Ihr Standpunkt, dass es durchaus Unterschiede nationaler Kulturen usw. gebe, aber Nationalstaaten historisch nur für die Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften wichtig waren, macht sie unbrauchbar für eine wesentliche Strömung unter Linken, in der nationale „Befreiung“ die einzige Perspektive zu sein scheint (wie z.B. in Kurdistan).

Ihre grundsätzliche Ablehnung des staatlich organisierten Mordens unterscheidet sie von Friedenspolitikern, die von hier nach da springen, um jeweils einen „Separatfrieden“ unter dem Austarieren nationaler Interessen zu vermitteln.

Sie war zwar Humanistin, aber keine Pazifistin; ihr war klar, dass eine Gesellschaft, die auf Gewalt gegründet ist, auch nicht ohne Gewalt verändert werden kann. Ihre Parole gegen die Wehrpflicht und den Kadavergehorsam des Heeres war die Bewaffnung des Volkes. Das unterscheidet sie von religiös- moralischen Haltungen.

Die Welt ist im Detail heute sicherlich anders als 1916. Aber die Grundprobleme sind geblieben. Wir wollen einige zentrale Gedanken von Rosa Luxemburg zum Militarismus, der „Krankheit des Kapitalismus“ vorstellen. Anschließend möchten wir versuchen, diese Gedanken und Fragestellung auf unsere heutige Situation zu übertragen – und zu diskutieren!