„Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert

Szenische Lesung mit Musik
Samstag, 30.Mai 2026 um 20 Uhr
im Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich- Naumann- Str.27

tutti insieme!
Alle (lesen) zusammen!
Eine Szenische Lesung mit Musik – Wer mitlesen will, liest mit und wer zuhören will, hört einfach zu!

Und zwar diesmal…: „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert

Direktor: Ja, aber Kunst muß reifen. Ihr Vortrag ist noch ohne Eleganz und Erfahrung. Das ist alles zu grau, zu nackt. Sie machen mir ja das Publikum böse. Nein, wir können die Leute nicht mit Schwarzbrot –

Beckmann:(stur vor sich hin): Schwarzbrot.

Direktor; – füttern, wenn sie Biskuit verlangen. Gedulden Sie sich noch. Arbeiten Sie an sich, feilen Sie, reifen Sie. Dies ist schon ganz brav, wie gesagt, aber es ist noch keine Kunst.

Beckmann: Kunst, Kunst! Aber es ist doch Wahrheit!

Direktor: Ja, Wahrheit! Mit der Wahrheit hat die Kunst doch nichts zu tun!

Beckmann(stur vor sich hin): Nein.

Direktor: Mit der Wahrheit kommen Sie nicht weit.

Beckmann(stur vor sich hin): Nein.

Direktor: Damit machen Sie sich nur unbeliebt. Wo kämen wir hin, wenn alle Leute plötzlich die Wahrheit sagen wollten! Wer will denn heute etwas von der Wahrheit wissen? Hm? Wer? Das sind die Tatsachen, die Sie nie vergessen dürfen.

Beckmann(bitter): Ja, ja. Ich verstehe. Danke auch. Langsam verstehe ich schon. Das sind die Tatsachen, die man nie vergessen darf,
(seine Stimme wird immer härter, bis sie beim Kreischen der Tür ganz laut wird) die man nie vergessen darf: mit der Wahrheit kommt man nicht weit. Mit der Wahrheit macht man sich nur unbeliebt. Wer will denn heute etwas von der Wahrheit wissen?
(laut) – Ja, langsam verstehe ich schon, das sind so die Tatsachen – –

Das Drama „Drußen vor der Tür“ schrieb der Hamburger Dichter Wolfgang Borchert im Herbst 1946 in wenigen Tagen. Der Kriegsheimkehrer Beckmann kommt nach Jahren der Kriegsgefangenschaft zurück. Alles liegt in Trümmern, auch sein Leben: Sein Kind im Schutt des zerstörten Hauses begraben; seine Frau tröstet sich mirt einem Anderen; seine Eltern haben sich als Nazis das Leben genommen; ihn quälen die Toten, die er auf dem Gewissen hat – sein ehemaliger Befehlshaber lacht ihn aus. Das Leben der Anderen geht irgendwie weiter, nur seines nicht. Seine Anläufe zu neuem Lebensmut verlaufen im Nichts.

Ein Stück zur neuen Kriegstüchtigkeit!

Hinterlasse einen Kommentar