Joachim Wohlgemuth: Egon und das achte Weltwunder

Literaturlesung in der Reihe DDR-Literatur – Ivar Lethi (Contrazt e.V.) liest vor!

Egon ist ein typischer Halbstarker seiner Zeit: Mit Tolle und Blue Jeans ausgestattet und einer Vorliebe für „westlichen“ Rock´n´Roll. Mit seinen Freunden, dem „Borkenheider Musical-Club“ spielen sie gern auf improvisierten Instrumenten ihre „heiße“ Musik. Leider ist oft zu viel Alkohol im Spiel, deshalb musste Egon gerade wegen Körperverletzung „einsitzen“. Er will nun sein Leben von Grund auf ändern – wenn nur sein Club nicht wäre, der für einen geordneten Lebenswandel überhaupt kein Verständnis hat. Als sich der Bauhilfsarbeiter Egon auch noch in die Abiturientin Christine Lange verliebt, steht für ihn fest: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Da bietet es sich an, dass Christine sich für das FDJ-Projekt „Große Wiese“ angemeldet hat, wo gemeinsam ein Moor trockengelegt wird. Hier will Egon sich bewähren und gleichzeitig Christine näherkommen – wenn sie und die anderen nur nichts von seiner Vorstrafe erfahren… 1901_wohlgemuth
„Egon und das achte Weltwunder“, erschienen 1962, ist ein klassischer Jugendroman der DDR und war jahrelang ein Bestseller, da die Jugendlichen ihren Alltag und ihr Lebensgefühl authentisch dargestellt empfanden. Das Buch wurde verfilmt und aufgrund seiner Beliebtheit 2011 sogar erneut aufgelegt.

Freitag, 25.Januar um 19.30 Uhr

MehrWertKultur, Nobléestraße 13 a

Brigitte Reimann: „Ankunft im Alltag“ und „Franziska Linkerhand“

Eine Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 30.November 2018, 19.30 Uhr   —   MehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Brigitte Reimann (1933-1973) zählt trotz ihres vergleichsweise wenig umfangreichen Werkes zu den bedeutendsten Autorinnen der DDR. Ihre schriftstellerischen Anfänge sind vom „Bitterfelder Weg“ geprägt, eine staatliche Initiative, welche das Arbeitsleben mit der Kultur in Verbindung bringen sollte – und umgekehrt.

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Bildrechte beim Dt. Rundfunkarchiv

Infolgedessen arbeitete Reimann ab 1960 neben ihrer Schriftstellerei im Kombinat „Schwarze Pumpe“ in Hoyerswerda, wo sie zu ihrer Erzählung „Ankunft im Alltag“ (1961) inspiriert wurde. Das Buch handelt von einer Abiturientin und zwei Abiturienten, welche sich vor ihrem Studium freiwillig „in der Produktion bewähren“ wollen und auf unterschiedliche Weise mit den ungewohnten Anforderungen umgehen. Während Recha und Nikolaus sich willig in die Brigade einordnen, verachtet Curt im Grunde das Arbeitsleben und versucht sich zu drücken, wo er kann. Sein Vater ist Kommunist und kommt aus einfachen Verhältnissen, ist aber nun der gut verdienende Leiter einer Textilfabrik. Mit Curts Person wird so das Entstehen einer neureichen, unpolitischen „Elite“ in der DDR kritisiert. Privat steht das Mädchen Recha zwischen dem angeberischen Claus und dem eher schüchternen Nikolaus, die beide um ihre Gunst buhlen. Weiterlesen

„Rummelplatz“ von Werner Bräunig

Eine Lesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 28. September 2018, 19:30 Uhr, MehrWertKultur, Nobleestr.13a

Mit dem 1965 erschienenen Roman „Rummelplatz“ wollte Werner Bräunig ein ungeschminktes Bild der DDR-Gesellschaft der Jahre des (Wieder-)Aufbaus zeichnen. Es gibt die Hoffnung auf einen Neuanfang. Es gibt aber auch die Traumatisierungen der Jahre des Faschismus und des Krieges, es gibt praktische Probleme der Industrialisierung eines vorher weitestgehend ländlichen Landes. Die Industrialisierung bringt neue soziale Unterschiede und Widersprüche hervor.

Dem 1934 in Chemnitz als Sohn eines Hilfsarbeiters und einer Näherin geborene Bräunig war die Schriftstellerei nicht in die Wiege gelegt. Nach Kriegsende hielt er sich mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser, begann eine Schlosserlehre und kam mit 16 Jahren in ein Erziehungsheim. Von da aus landete er im Uranbergbau der SADG Wismut im Erzgebirge und kurz darauf im Gefängnis. In den Folgejahren versuchte er sich im Schreiben und wurde 1957 in die Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren der Wismut AG aufgenommen. 1958 bis 1961 studierte er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“. Als „Rummelplatz“ in Auszügen 1965 erschien, wurde er von der SED-Spitze als Beispiel für „zersetzende Tendenzen“ scharf angegriffen. Bräunig brach die Arbeiten daran schließlich ab. Der Konflikt mit der SED hat ihn als überzeugten Sozialisten schwer getroffen. 1976 starb er mit 42 Jahren an Alkoholismus.

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