Christa Wolf: „Der geteilte Himmel“ und „Medea. Stimmen“.

Lesung aus Werken von Christa Wolf

30.August 2019, 19.30 Uhr bei MehrWertKultur, Christa Wolf und Ehemann Gerhard WolfNobleestr.13a

Unbestritten war Christa Wolf (1929 – 2011) eine der prominentesten Schriftstellerinnen der DDR und sie hat unsere Lesungen schon ein paarmal gestreift: Sie gehörte zu den SchrifstellerInnen, die den Appell des sog. Bitterfelder Weges ernstnahm, der forderte, Kultur mit Arbeitern zusammen zu schaffen. So arbeitete sie zeitweise in einer Brigade im Waggonbauwerk Ammendorf, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann auch einen „Zirkel Schreibender Arbeiter“ leitete. Diese Erfahrungen teilte sie u.a. mit Brigitte Reimann, mit der sie bis zu deren Tod 1974 eine enge Freundschaft verband. Und mit Werner Bräunig, dessen zu realistischen Roman „Rummelplatz“ über die Wismut AG und den Uranbergbau sie gegen Vorwürfe der Parteileitung 1965 in Schutz nahm. Und schließlich mit Volker Braun, der 2011 die Abschiedsrede bei ihrer Beerdigung hielt.

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Der geteilte Himmel (1963, ihr zweiter Roman)
1908_Wolf_Himmel„Den Himmel wenigstens, können sie uns nicht teilen. – Doch, der Himmel teilt sich zuallererst“.

Dieser Satz war es, der mich mit damals knapp zwanzig Jahren, bewogen hat, das Buch „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf zu lesen. Ich weiß nicht mehr, wie ich den „Rest“ dann gefunden habe, aber die erneute Lektüre, mehr als dreißig Jahre später, lässt mich wieder mit diesem Satz zurück, der aufs Genaueste zusammenfasst, worum es in diesem Buch geht. Ja, worum eigentlich? Man mag es für eine Liebesgeschichte halten, die da präsentiert wird, aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Denn der Hauptfokus liegt darauf, dass nichts, auch nicht die Liebe, im luftleeren Raum stattfindet. Alles, auch unser Fühlen und Denken, ist eingebettet in Zeit und Raum, die Gesellschaft, in der wir leben und in die Wünsche, Hoffnungen und Ideale, die wir haben und nach denen wir streben. Und all dies lässt sich nicht immer in Einklang bringen. Wonach richten wir unser Handeln aus, was sind die Grundlagen, auf denen wir Entscheidungen treffen, und – die wohl wichtigste Frage, die das Buch aufwirft: Sind Entscheidungen gut und richtig, wenn sie sich richtig anfühlen? Es gibt auch eine Antwort, sie lautet: Nein. Es gibt richtige Entscheidungen, die sich schrecklich anfühlen, es kann Gräben geben, die sich auftun, wo wir zuvor sicheren Grund gespürt haben, es gibt im Herzen nicht nur Platz für die Liebe, sondern dort wohnen auch die Ideale, die Hoffnungen und Vorstellungen von einer besseren Welt. Und in dem Augenblick, in dem diese in Widerstreit treten, müssen wir uns entscheiden. Und solche Entscheidungen können einen zerreißen. Es kann schier unerträglich sein, das „Richtige“ zu tun – ebenso wie es einen zerstören kann, nur blind der Liebe zu folgen. Die Protagonistin des Buches tut das Richtige und geht daran fast zugrunde. In vielerlei Hinsicht beschreibt dies eine spezifische Frauenrealität, denn für Männer stellen sich solcherart Entscheidungen viel seltener. Aber der Konflikt, den Wolf ins Zentrum des Buches stellt, stellt auch eine Realität dar, die es in dieser Form nur in der DDR, nicht aber der BRD gegeben hat. Gehen oder bleiben, das waren für lange Jahre existentielle Entscheidungen, die den Bruch mit allem Gewesenen nach sich zogen. Was dies auf der ganz persönlichen Ebene bedeutete, wird hier gleichermaßen brutal, wie auch einfühlsam dargestellt.
Aus diesem vielschichtigen, klug und emotional, aber niemals larmoyant geschriebenen Büchlein wollen wir einige Etappen lesen.

„Medea. Stimmen“1908_Wolf_Medea

Medea ist 1996, also nach der „Wende“, erschienen. Wolf nahm den antiken Mythos um Jason und Medea auf und interpretierte ihn radikal neu. In der klassische Version sind die Themen die Jagd des griechischen Helden nach dem Goldenen Vlies (ein Schaffell) im sagenhaften Goldland „Kolchis“ mit seinen archaischen Bewohnern, die den Wert des Goldes nicht zu schätzen wissen; der Verrat der kolchischen Prinzessin Medea an ihrem Vater um der Liebe zum Helden Jason willen; dessen Verrat an Medea und ihre blutige Rache. Bei Christa Wolf schimmert ihre Auseinandersetzung um den Untergang der DDR und ihre Übernahme durch die kapitalistischen Gesellschaft durch, ihre Erfahrungen der Treibjagd der 90er Jahre gegen sie aufgrund des Fehlens der geforderten Distanz zur DDR und grundsätzlich einer patriarchalen Deutungshoheit geschichtlicher Prozesse. Sie hat allerdings keine simple Fabel vorgelegt, sondern ein vielschichtiges Werk, das durchaus um „Menschheitsfragen“ kreist.

„Wir leben verkehrt“. Ein Interview mit Christa Wolf über „Medea“ in: DIE ZEIT vom 25.10.2007 – Link

Edward Bernays: Pionier der Meinungsmanipulation

(Film-)Veranstaltung

Dienstag, 30.April 2019 um 19.30 Uhr

Mieterpavillon Heimfeld – Friedrich-Naumann-Str.7

Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson stand 1917 vor einem Problem: Er war gerade erst mit dem Versprechen wiedergewählt worden, die USA aus dem Weltkrieg herauszuhalten. Nun hatte jedoch die us-amerikanische Industrie durch den Krieg in Europa einen ungeheuren Boom erlebt. Dummerweise schien sich der Krieg jedoch zu erschöpfen: Im Februar 1917 brach die zaristische Regierung in Russland unter der Losung „Brot und Frieden“ zusammen, zehntausende französische Soldaten meuterten, in Deutschland streikten tausende Arbeiterinnen u.a.m. Der Krieg sollte aber unbedingt weitergehen – was also tun??
Wilson schuf kurzerhand Fakten und erklärte dem Deutschen Reich den Krieg. Um im 1904_bruteNachhinein die Gesellschaft auf seinen Kurs einzuschwören, gründete er das „Committee on Public Information“ (CPI). Diese baute im ganzen Land einen Apparat auf, in dem Prominente (z.B. Schauspieler) und lokale große und kleine Kriegsprofiteure ehrenhalber die Massen auf Krieg einstimmen sollten. Neben aktiver Werbung für den Krieg, war das Ziel der Aktivitäten des CPI vor allem der „enemy within“, der Feind im Inneren: Kriegsgegner, Schwarze, die Arbeiterbewegung sowie deutsche Einwanderer, die zu diesem Zeitpunkt die größte Gruppe innerhalb der (politisch sehr aktiven und gegen den Krieg eingestellten) Arbeiterschaft stellten. Staatlich legitimiert begann eine Hatz auf vermeintliche deutsche Spione und allgemein „Feinde“. Das CPI koordinierte entsprechende Aktionen und stellte das notwendige Propagandamaterial (z.B. fertig formulierte Reden) zur Verfügung. Hier tauchte dann zum ersten Mal ein junger Mann auf, der in den folgenden Jahrzehnten zum Pionier der Propaganda aufsteigen sollte: Edward Bernays (1891 bis 1995).
Während des Krieges hatte sich in den amerikanischen Fabriken die Massenproduktion als Herstellungsmethode von Kriegsgütern (z.B. Munition) durchgesetzt. Diese Fertigungsweise wurde nach dem Krieg auf zivile Güter übertragen. Für die nun massenhaft produzierten Dinge waren jedoch auch Konsumenten notwendig. So widmete sich Bernays nach Friedensschluss diesem „Problem“ und brachte seine Fertigkeiten in die Werbung ein. Er lernte viel von seinem Onkel, dem Psychoanalytiker Sigmund Freud, und entwickelte Strategien, die zu verkaufenden Waren mit einer spezifischen Mentalität zu verknüpfen. Er wollte nicht konkrete Bedürfnisse erfüllen helfen, sondern die Waren als Attribute der Selbstdarstellung inszenieren.
1904_LuckyEin bekanntes Beispiel ist seine Kampagne für die American Tobacco Company im Jahre 1929. Diese wollte Frauen, denen bis Ende der 20er Jahre das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten war, als neue Zielgruppe erreichen. Bernays überredete dazu zunächst die Modeindustrie, den spezifischen Grünton der Lucky-Strike-Packungen zur Farbe der Saison zu machen. Dann bezahlte er eine Gruppe von Frauen, die sich bei der traditionellen Osterparade als Suffragetten (Frauenrechtlerinnen) verkleideten. Als beauftragte Journalisten sie fotografierten, zündeten sie Zigaretten an und proklamierten diese als „torches of freedom“ (Fackeln der Freiheit) – mit großem Erfolg. Rauchen wurde zum Symbol für die emanzipierte, unabhängige, moderne Frau. Edward Bernays wurde in den darauf folgenden Jahren zum „Vater“ der Public Relation – nicht nur, weil er diesen Begriff erfand, sondern weil es ihm in vielen Situationen und zu zahlreichen Anlässen gelang, zuverlässig die Reaktion in der jeweiligen Zielgruppe seiner Werbestrategie hervorzurufen, die er hervorrufen wollte.
Heute sind die Methoden der „public relation“ wichtiger denn je und nicht mehr nur in der Werbung verbreitet, sondern zunehmend bedient sich ihrer auch die Politik, die mittlerweile ganz selbstverständlich auf große PR-Agenturen zurückgreift, wenn Wahlen anstehen. Es geht eben nicht mehr darum, die Wähler mit Argumenten zu überzeugen, sondern um „Meinungsmache“ ganz im Sinne von Bernayes.
Wir zeigen eine französische Fernsehdokumentation von 2017, in der Bernays‘ Werdegang nachgezeichnet und die Wirkungsweise von Public Relations deutlich gemacht wird.

Volker Braun: »Hinze-Kunze-Roman« und »Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer«

1903_Braun_IFreitag, 29.März 2019, 19.30 Uhr
MehrWertKultur,
Nobléestraße 13a in Heimfeld

 

Der im Mai 1939 in Dresden geborene Schriftsteller Volker Braun hat Gedichte, Theaterstücke und Romane geschrieben; neben Peter Hacks und Heiner Müller zählt er zu den bedeutendsten Dramatikern der DDR. Heute lebt er in Berlin.

 

Im Rahmen unserer Reihe mit Literatur aus der DDR wollen wir aus zwei Romanen von ihm lesen:

Der 1983 erschienen »Hinze-Kunze-Roman« hat die Widersprüchlichkeit der DDR-Gesellschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zum Thema:

»Wer sind Hinze und Kunze? Wie die Redensart es will und der real existierende Sozialismus, sollten sie Gleiche sein; um so auffälliger, dass sie es nicht sind. Kunze ist Funktionär, Hinze ist sein Fahrer. Kunze sagt wohin und Hinze fährt den schwarzen Tatra durch die Republik. Vorwärts, das ist ihre Richtung.« (aus der Beschreibung des Suhrkamp-Verlages)

»Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer« erschien 2008. Eine Art Schelmenroman?

Der Meister Flick aus Lauchhammer war zu DDR – Zeiten in der Braunkohle der Lausitz der Held der Havarien und Katastrophen: Wenn er in seiner Kluft, mit rotem Helm und Karabinerhaken am Koppel auftauchte, wurde es ruhig. Doch nach der Wende schickte man ihn zum Arbeitsamt, man brauchte ihn nicht mehr. In der Folge zieht der an seiner Arbeit Hängende mit seinem »faulen und gerechten« Enkel Luten durch die Lande. Das ungleiche Paar aus alter und neuer Zeit erlebt allerhand z.T. groteske Abenteuer zwischen Arbeitsamt, 1€-Job, Abrisskolonnen, Theatermachern, polnischen Tagelöhnern, Prostituierten, Streikenden und vielen anderen.

Zum Autor:
Sein Vater war ein Kunst liebender Buchprüfer. Nach dem Abitur arbeitete er vier Jahre in einer Druckerei, als Tiefbauarbeiter im Kombinat Schwarze Pumpe in Hoyerswerder und als Maschinist im Tagebau Burghammer. 1960 fand er sich in einem „Zirkel schreibender Arbeiter“ ein, der von Brigitte Reimann geleitet wurde; sie notierte in ihrem Tagebuch:
„Vorige Woche hat sich der Zirkel schreibender Arbeiter konstituiert. Von 20 Eingeladenen waren 4 erschienen; keine Potenzen nehme ich an. Nur der kleine Volker Braun, Abiturient und seit 4 Jahren in der Produktion, scheint begabt zu sein.“
Im selben Jahr begann er an der Universität Leipzig ein Studium der Philosophie. Ein paar Jahre später arbeitete er auf Einladung von Helene Weigel als Dramaturg am Berliner Ensemble. Der Einmarsch des Militärs der Ostblockstaaten in Prag ließ ihn seinen uneingeschränkten Enthusiasmus für den Aufbau des staatlichen Sozialismus in der DDR kritisch hinterfragen, ohne jedoch die DDR selbst in Frage zu stellen.
Das Umgehen des Staates mit seiner Person schwankte zwischen der intensiven Überwachung durch die Staatssicherheit und öffentlichen Preisverleihungen.
„Während der friedlichen Revolution 1989 gehörte er zu den Befürwortern eines eigenständigen „dritten Weges“ für die DDR und geladener Erstunterzeichner des Aufrufs „Für unser Land“. Nach der Wiedervereinigung beschäftigte er sich kritisch mit den Gründen für das Scheitern der DDR. In diesem Zusammenhang steht auch seine Zusammenarbeit mit der von Wolfgang Fritz Haug herausgegebenen westlich-marxistischen Zeitschrift „Das Argument“.
Volker Braun leitete 2006–2010 an der Akademie der Künste (Berlin) die Sektion Literatur. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.“ (Wikipedia)

Das Gedicht „Das Eigentum“ von 1990:

Das Eigentum
Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen.
KRIEG DEN HÜTTEN FRIEDE DEN PALÄSTEN.
Ich selber habe ihm den Tritt versetzt.
Es wirft sich weg und seine magre Zierde.
Dem Winter folgt der Sommer der Begierde.
Und ich kann bleiben wo der Pfeffer wächst.
Und unverständlich wird mein ganzer Text.
Was ich niemals besaß wird mir entrissen.
Was ich nicht lebte, werd ich ewig missen.
Die Hoffnung lag im Weg wie eine Falle.
Mein Eigentum, jetzt habt ihrs auf der Kralle.
Wann sag ich wieder mein und meine alle.

Manipulation, Desinformation, Fake News – Welche Rolle spielen die Medien?

Diskussion auf der Grundlage eines Beitrages von J. Becker im Sammelwerk „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ von Mies & Wernicke (Hg.)

FassadendemokratieImmer sichtbarer wird die schleichende Transformation demokratischer in autoritäre Staaten. Regierungen unterwerfen sich immer offener den Interessen des Kapitals – wenn nicht die Regierungsvertreter gleich aus den Reihen der Wirtschaft und Industrie rekrutiert werden und man sich so den unnötigen Umweg über Lobbyismus und Schmiergeldzahlungen spart (s. Frankreich, USA usw.). Diese Entwicklung, ihre Ursachen und Möglichkeiten der Intervention möchten wir primär auf der Basis des Buchbeitrages von Jörg Becker zur Rolle der Medien im o.g. Buch diskutieren. Er verweist darauf, dass durch die engen Verbindungen zwischen Regierungen und PR-Agenturen der massive Verfall der Demokratie gezielt befördert wird. Doch Propaganda, Meinungsmanipulationen, Desinformationen und Fake News sind durch Aufklärung und eigene, objektive Meinungsbildung zu verhindern. Damit wollen wir am heutigen Abend beginnen.

Dienstag, 26. Februar 2019, 19:30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Lesung: Peter Hacks – Die Binsen

1902_binsen_iiWir laden zu einer gemeinsamen szenischen Lesung ein – wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach!

Wie die Ente »In die Binsen geht«, um dem Jäger zu entkommen, so zieht sich die Hauptabteilungsleiterin einer Handels- organisation Justine Mencken in die Binsen zurück, als ihr alles zusammenbricht: Eben hat sie noch einen unmöglichen Handel abgeschlossen, nämlich dem argentinischen Staat Rinder zu verkaufen, die dieser braucht (oder auch nicht), um hungernde Viehhirten zu ernähren. Im Gegenzug sollen Schuhe geliefert werden, die in Argentinien niemand tragen mag. In der DDR sind sie zwar auch allen unbequem, aber das ist man gewohnt und diese haben wenigstens ein exotisches Label. Ihren Geliebten hat sie zu ihrem Stellvertreter gemacht. Karl Kadler ist normal-männlich dumm, sieht dafür aber gut aus. Allerdings ist er auch intrigant und denunziert sie bei ihrem Chef, dass sie ein Verhältnis mit dem sagenhaften argentinischen Geschäftsmann gehabt habe. Der Chef ist eh sauer, weil sie mehr Initiative als er selber gezeigt hat und ernennt Karl zu ihrem Nachfolger. Justine kündigt, als sie in den Archivkeller versetzt werden soll.
In der Heide trifft sie den nichtsnutzigen Professor Erdschlipf, der mit Justines Schwester Helma und seiner zweiten Geliebten Molly zusammenlebt. Nun hat er sich entschieden, Helma zu heiraten, da Mollys Mann im Knast sitzt und der Schwiegervater misstrauisch ob ihrer Treue ist. Helma arrangiert sich notgedrungen, denn wer soll für sie sorgen, wenn nicht Molly?? Erdschlipf wiederum will Justine spontan seinem Kartenblatt einverleiben. Nach und nach reisen alle anderen Handelnden hinterher und treffen sich bei Erdschlipf…
Also, eine etwas groteske Komödie um… Liebe? Die Gesellschaft? Geschlechterrollen? Alles gehört zusammen und ist nicht zu trennen.

1902_binsen_hacksPeter Hacks (*1928 – 2003) war einer der bekanntesten Dramatiker in der DDR.

Freitag, 22.Februar 2019 um 19.30 Uhr

Kulturverein »Alles wird schön«

Friedrich-Naumann-Str.27

Geschichtsvortrag und Diskussion: Die Krise der SPD in der Weimarer Zeit und heute, speziell in Harburg

Unsere Januarveranstaltung gestalten Christian Gotthardt und Angela Jansen, die zusammen u.a. die Webseite „Harbuch.de“ (www.harbuch.de) betreiben. Ihr Themenspektrum ist überwiegend historisch, dabei multipolar. Da ist die Stadt Harburg, ihre industrielle Blütezeit in den Jahren 1870 bis 1970. Ferner die industrielle Arbeiterbewegung als solche. Dann die Lebenserfahrungen der Herkunftsfamilien der Autorinnen und Autoren. Und schließlich weitere Assoziationsgeflechte, die sich von diesen Polen verzweigen. Angestrebt ist immer ein subjektiver Blick auf Geschichte, Gegenwart und erinnernswerte Tradition.

SPD in der Krise
DIE GROSSE PARTEIKRISE DER WEIMARER JAHRE UND IHRE JETZIGE NEUAUSGABE

In der Revolution 1918/1919 gewann die SPD Macht, Mitglieder und Bündnispartner. Zugleich schuf sie sich Gegner und Konkurrenten. In den 13 Jahren Republik blieb die SPD im 30%-Turm gefangen, dann stand sie vor einem Scherbenhaufen.

Der Vortrag beleuchtet Grundlagen und Wirkungsfaktoren dieses Prozesses am Beispiel Hamburg- Harburg und stellt die Ähnlichkeiten zur aktuellen Krise zur Diskussion.

Dienstag, 29.01.2019

19.30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Hingehen oder nicht? – (Wann) ist Krankheitsfrüherkennung sinnvoll?

Das Leben soll nicht nur schön, sondern auch schön lang sein. Die Medizin bietet uns dafür eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ in Form von Früherkennungsuntersuchungen an. Die Idee, Krankheiten ein Schnippchen zu schlagen, indem man durch Früherkennung verhindert, dass sie entstehen, ist so bestechend, dass wir uns häufig gar nicht fragen, ob dies tatsächlich so ist. Für Fragen und Zweifel scheint hier kein Ort zu sein und in Medien und Arztpraxen wird häufig wenig bis gar nichts über den konkreten Nutzen der Früherkennung und noch weniger über mögliche „Nebenwirkungen“ vermittelt.
Wir wollen uns an diesem Abend kritisch mit dem Thema beschäftigen und Fragen nachgehen wie: Kann ich durch Früherkennung m1811_Frueherkennungein Erkrankungsrisiko senken? Kann Früherkennung „Nebenwirkungen“ haben? Lebe ich länger, wenn ich solche Untersuchungen machen lasse? Wo kann ich mich darüber informieren und wie kann ich das beurteilen?

Dienstag, 27. November 2018, 19:30 Uhr

Eric Hobsbawm: Klassenbewußtsein in der Geschichte

In unserer Veranstaltung zum Buch »Ethnizität ohne Gruppen« von Roger Brubaker haben wir die Frage gestellt, warum heute kaum noch Bewegungen auftreten, die sich auf eine gemeinsame soziale Identität stützen. Statt dessen spielt eine kulturelle und / oder religiöse Identität eine immer stärkere Rolle. So sind wir auf die Frage nach einer Klassenidentität gekommen, früher »Klassenbewusstsein« genannt. Um der weiter nachzugehen, wollen wir an kommenden zwei Dienstagen gemeinsam einen kurzen Text des Sozialhistorikers Eric Hobsbawm lesen und diskutieren.

1969 hat er im Rahmen einer Vorlesungsreihe über den ungarischen Philosophen Georg Lukacs einen kurzen Text mit dem Titel »Klassenbewußtsein in der Geschichte« veröffentlicht. Er betont, dass die kapitalistische Gesellschaft erstmals in der Geschichte die materiellen Voraussetzungen schafft, dass die Arbeitenden auf der Welt sich auch subjektiv als eine Klasse begreifen. Die Bauern in den »Bauernkriegen« der frühen Neuzeit haben sich entweder als Teil einer lokalen Gemeinschaft oder abstrakt als universale »Menschheit« gesehen, weil sie real nur lokal eingebunden waren.

Wir arbeiten dagegen heute global zusammen, während gleichzeitig die politische Organisation der Gesellschaft die einzelner Nationalstaaten ist. Vor dieser Schranke scheinen wir gerade zu stehen…

Wer Lust hat, mitzulesen, dem schicken wir den Text gerne vorab als pdf zu – er hat acht DIN A4 – Seiten. Schreibt eine kurze Mail an: laiens.club@gmx.de

Dienstag, 2. und 16.Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Das Wellness-Syndrom: Vom Zwang zur Selbstoptimierung

181030_WellnessFür die Organisationssoziologen Carl Cederström und Andre Spicer leidet unsere Gesellschaft am Wellness-Syndrom. Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht regelmäßig Sport treiben oder sich gesund ernähren. Sie reagieren mit Angst, Selbstvorwürfen und Schuldgefühle, wenn sie nicht leistungsfähig und willensstark sind und unablässig danach streben, sich zu optimieren. Während die Verbesserung der Welt kaum noch Gegenstand gesellschaftlicher Debatten ist, sollen wir uns mit Fitnessprogrammen, Diäten, Lifestyle-Fernsehshows und Seminaren für positives Denken auf den eigenen Lebensstil konzentrieren. Wir wollen bei der Veranstaltung darüber sprechen, warum die Wellnessdoktrin heute so erfolgreich ist, wie sie in uns wirkt und wie sie zur Entpolitisierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft beiträgt.

Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 30.Oktober 2018, 19.30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

Brigitte Reimann: „Ankunft im Alltag“ und „Franziska Linkerhand“

Eine Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 30.November 2018, 19.30 Uhr   —   MehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Brigitte Reimann (1933-1973) zählt trotz ihres vergleichsweise wenig umfangreichen Werkes zu den bedeutendsten Autorinnen der DDR. Ihre schriftstellerischen Anfänge sind vom „Bitterfelder Weg“ geprägt, eine staatliche Initiative, welche das Arbeitsleben mit der Kultur in Verbindung bringen sollte – und umgekehrt.

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Bildrechte beim Dt. Rundfunkarchiv

Infolgedessen arbeitete Reimann ab 1960 neben ihrer Schriftstellerei im Kombinat „Schwarze Pumpe“ in Hoyerswerda, wo sie zu ihrer Erzählung „Ankunft im Alltag“ (1961) inspiriert wurde. Das Buch handelt von einer Abiturientin und zwei Abiturienten, welche sich vor ihrem Studium freiwillig „in der Produktion bewähren“ wollen und auf unterschiedliche Weise mit den ungewohnten Anforderungen umgehen. Während Recha und Nikolaus sich willig in die Brigade einordnen, verachtet Curt im Grunde das Arbeitsleben und versucht sich zu drücken, wo er kann. Sein Vater ist Kommunist und kommt aus einfachen Verhältnissen, ist aber nun der gut verdienende Leiter einer Textilfabrik. Mit Curts Person wird so das Entstehen einer neureichen, unpolitischen „Elite“ in der DDR kritisiert. Privat steht das Mädchen Recha zwischen dem angeberischen Claus und dem eher schüchternen Nikolaus, die beide um ihre Gunst buhlen. Weiterlesen