Hingehen oder nicht? – (Wann) ist Krankheitsfrüherkennung sinnvoll?

Das Leben soll nicht nur schön, sondern auch schön lang sein. Die Medizin bietet uns dafür eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ in Form von Früherkennungsuntersuchungen an. Die Idee, Krankheiten ein Schnippchen zu schlagen, indem man durch Früherkennung verhindert, dass sie entstehen, ist so bestechend, dass wir uns häufig gar nicht fragen, ob dies tatsächlich so ist. Für Fragen und Zweifel scheint hier kein Ort zu sein und in Medien und Arztpraxen wird häufig wenig bis gar nichts über den konkreten Nutzen der Früherkennung und noch weniger über mögliche „Nebenwirkungen“ vermittelt.
Wir wollen uns an diesem Abend kritisch mit dem Thema beschäftigen und Fragen nachgehen wie: Kann ich durch Früherkennung m1811_Frueherkennungein Erkrankungsrisiko senken? Kann Früherkennung „Nebenwirkungen“ haben? Lebe ich länger, wenn ich solche Untersuchungen machen lasse? Wo kann ich mich darüber informieren und wie kann ich das beurteilen?

Dienstag, 27. November 2018, 19:30 Uhr

Eric Hobsbawm: Klassenbewußtsein in der Geschichte

In unserer Veranstaltung zum Buch »Ethnizität ohne Gruppen« von Roger Brubaker haben wir die Frage gestellt, warum heute kaum noch Bewegungen auftreten, die sich auf eine gemeinsame soziale Identität stützen. Statt dessen spielt eine kulturelle und / oder religiöse Identität eine immer stärkere Rolle. So sind wir auf die Frage nach einer Klassenidentität gekommen, früher »Klassenbewusstsein« genannt. Um der weiter nachzugehen, wollen wir an kommenden zwei Dienstagen gemeinsam einen kurzen Text des Sozialhistorikers Eric Hobsbawm lesen und diskutieren.

1969 hat er im Rahmen einer Vorlesungsreihe über den ungarischen Philosophen Georg Lukacs einen kurzen Text mit dem Titel »Klassenbewußtsein in der Geschichte« veröffentlicht. Er betont, dass die kapitalistische Gesellschaft erstmals in der Geschichte die materiellen Voraussetzungen schafft, dass die Arbeitenden auf der Welt sich auch subjektiv als eine Klasse begreifen. Die Bauern in den »Bauernkriegen« der frühen Neuzeit haben sich entweder als Teil einer lokalen Gemeinschaft oder abstrakt als universale »Menschheit« gesehen, weil sie real nur lokal eingebunden waren.

Wir arbeiten dagegen heute global zusammen, während gleichzeitig die politische Organisation der Gesellschaft die einzelner Nationalstaaten ist. Vor dieser Schranke scheinen wir gerade zu stehen…

Wer Lust hat, mitzulesen, dem schicken wir den Text gerne vorab als pdf zu – er hat acht DIN A4 – Seiten. Schreibt eine kurze Mail an: laiens.club@gmx.de

Dienstag, 2. und 16.Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Das Wellness-Syndrom: Vom Zwang zur Selbstoptimierung

181030_WellnessFür die Organisationssoziologen Carl Cederström und Andre Spicer leidet unsere Gesellschaft am Wellness-Syndrom. Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht regelmäßig Sport treiben oder sich gesund ernähren. Sie reagieren mit Angst, Selbstvorwürfen und Schuldgefühle, wenn sie nicht leistungsfähig und willensstark sind und unablässig danach streben, sich zu optimieren. Während die Verbesserung der Welt kaum noch Gegenstand gesellschaftlicher Debatten ist, sollen wir uns mit Fitnessprogrammen, Diäten, Lifestyle-Fernsehshows und Seminaren für positives Denken auf den eigenen Lebensstil konzentrieren. Wir wollen bei der Veranstaltung darüber sprechen, warum die Wellnessdoktrin heute so erfolgreich ist, wie sie in uns wirkt und wie sie zur Entpolitisierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft beiträgt.

Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 30.Oktober 2018, 19.30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

Brigitte Reimann: „Ankunft im Alltag“ und „Franziska Linkerhand“

Eine Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 30.November 2018, 19.30 Uhr   —   MehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Brigitte Reimann (1933-1973) zählt trotz ihres vergleichsweise wenig umfangreichen Werkes zu den bedeutendsten Autorinnen der DDR. Ihre schriftstellerischen Anfänge sind vom „Bitterfelder Weg“ geprägt, eine staatliche Initiative, welche das Arbeitsleben mit der Kultur in Verbindung bringen sollte – und umgekehrt.

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Bildrechte beim Dt. Rundfunkarchiv

Infolgedessen arbeitete Reimann ab 1960 neben ihrer Schriftstellerei im Kombinat „Schwarze Pumpe“ in Hoyerswerda, wo sie zu ihrer Erzählung „Ankunft im Alltag“ (1961) inspiriert wurde. Das Buch handelt von einer Abiturientin und zwei Abiturienten, welche sich vor ihrem Studium freiwillig „in der Produktion bewähren“ wollen und auf unterschiedliche Weise mit den ungewohnten Anforderungen umgehen. Während Recha und Nikolaus sich willig in die Brigade einordnen, verachtet Curt im Grunde das Arbeitsleben und versucht sich zu drücken, wo er kann. Sein Vater ist Kommunist und kommt aus einfachen Verhältnissen, ist aber nun der gut verdienende Leiter einer Textilfabrik. Mit Curts Person wird so das Entstehen einer neureichen, unpolitischen „Elite“ in der DDR kritisiert. Privat steht das Mädchen Recha zwischen dem angeberischen Claus und dem eher schüchternen Nikolaus, die beide um ihre Gunst buhlen. Weiterlesen

Die Entgleisung. Ein Roman von Inge von Wangenheim

Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 26.Oktoberber 2018, 19.30 Uhr   —   WangenheimMehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Das thüringische Dorf Groß-Naschhausen ist zwar verschlafen, spürt aber den Puls der Zeit. Es liegt nämlich mitten zwischen Rom und Stockholm. Auf dieser Interzonenstrecke rattern regelmäßig auch Güterzüge über die Gleise. Durch eine winzige Unaufmerksamkeit entgleist eines Nachts der letzte Waggon eines Güterzuges. Der Inhalt purzelt den Bahndamm herunter und wird am nächsten Morgen von den ersten Schulkindern verwundert zur Kenntnis genommen. Es handelt sich um pikante Erzeugnisse der „VEB Graphische Werkstätten“ für den Export nach Schweden. Kinder, Ehemänner und ihre Frauen, die Staatsmacht, die lokale Schule, seriöse Bürger, und nicht zuletzt die Partei bekommen damit zu tun. Nicht zu fassen ist weniger, was gezeigt wird, sondern, dass diese Bilder in der sozialistischen DDR produziert worden sein sollen! Aufrufe zur Wiederbeschaffung des »Verlustgutes« bleiben ebenso folgenlos wie eine Einwohnerversammlung. Weiterlesen

Automatisierung und Ausbeutung – Diskussionsveranstaltung

 

Dienstag, 27. März 2018 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

Wie wird heute von den Unternehmern versucht, „Mehrwert“ zu erzeugen? Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ (oder „internet of things“ etc.) wird eine neue industrielle Revolution verkündet, mit einer neuen Welle der Rationalisierung, Automatisierung, dem Wegfall von Millionen von Jobs und der endgültigen „Herrschaft der Maschine“. Letzten Endes geht es um die Vorstellung von „intelligenten“, lernenden und miteinander vernetzten Robotern.chaplin

Parallel ist der Begriff der „Sharing Economy“ (oder auch „Gig Economy“ oder „crowd work“ oder…) in aller Munde; gemeint sind Unternehmensformen, bei der viele selbstständig Arbeitende von „Plattformfirmen“ gelenkt werden.

Wir laden Menschen aus verschiedenen Betrieben ein, etwa aus Industrie-, Umschlag- und Lagerbetrieben (auch Hafen) und von Lieferdiensten / Kuriere. Das Ziel der Veranstaltung ist es, konkrete Erfahrungen und Beobachtungen in einzelnen Betrieben in einem Zusammenhang zu diskutieren; d.h. es soll nicht so sehr um Details gehen, sondern darum, zu versuchen, die beobachteten Veränderungen auf einer etwas abstrakteren Ebene zu sehen: Wie verändern sich Arbeitsstrukturen insgesamt, über die einzelnen Betriebe hinaus? Wo werden tatsächlich Arbeitsstellen wegrationalisiert? Welche Arbeiten werden möglicherweise automatisiert? Welche Folgen hätte eine Automatisierung für die verbleibenden (oder möglicherweise neuen) Arbeiten? Weiterlesen

»Die Abstiegsgesellschaft«

Zurückliegend: Veranstaltung vom 31. Oktober 2017

Die Feststellung, dass es im Kapitalismus ungerecht zugeht, ist banal. Darüber, dass die Kluft zwischen arm und reich wächst, wird viel geschrieben.

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Und darum geht es auch in dem Buch »Die Abstiegsgesellschaft« des Soziologen Oliver Nachtwey. Einige seiner Thesen über den gegenwärtigen Kapitalismus scheinen uns interessant. Es geht um eine Mittelschicht, die sich vom Abstieg bedroht fühlt. Um die Behauptung, dass eine allgemein zugängliche Bildung Chancengleichheit im Wettbewerb schafft. Nachtwey schaut auf den grassierenden Individualismus, bei dem Armut und Scheitern zur eigenen Niederlage werden, statt als Ausdruck gesellschaftlicher Ungerechtigkeit wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt geht es um die Situation bei der Arbeit, wenn z.B. der Kollege neben mir seine Arbeitskraft zu ganz anderen Bedingungen verkauft, als ich?

Wir möchten euch das Buch kurz vorstellen und laden euch ein, mit uns einige der unten aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.

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Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 2

zurückliegend!              Am 30. Mai 2017

DigiDemenz_1Am zweiten Abend  gehen wir der Frage nach, inwieweit wirklich das »Große Vergessen« auf uns lauert. Beobachten wir selber so etwas wie eine »digitale Demenz«, machen Google und Günther Jauch uns matschig im Kopf? Götz Eisenberg meint, »ja!«.

Wir wollen alles und zwar jetzt!“: Gesellschaftlichkeit stelle sich heute vor allem durch Konsum und Konsumieren her. Ironischerweise habe die 68er-Bewegung zwar die verknöcherte Wirtschaftswunder- und Aufbaugesellschaft mit ihrer Verzichtsmoral überwunden, aber um den Preis einer oberflächlichen Konsumgesellschaft. Der Konsum von Dingen hat aber nur eine Gegenwart, er brauche keine Vergangenheit und keine Zukunft. Deshalb sei Demenz nur eine logische Konsequenz für den einzelnen Menschen.

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Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 1

Zurückliegend: Veranstaltung vom 25. April 2017

Menschen fahren mit ihren Autos in Menschenmengen, Schüler schießen in der Schule um sich, Piloten lassen Flugzeuge abstürzen… scheinbar grundlose Gewalt greift um sich.

Warum, was ist los in dieser Welt??

Ein ehemaliger Knastpsychologe aus Gießen namens Götz Eisenberg hat eine Sammlung von kurzen Texten unter dem Titel »Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus« veröffentlicht. Unsere Gesellschaft bewegt sich heute zwischen den beiden Polen einer ziellosen Aggression und einer Kultur des Vergessens – Demenz als Ausdruck einer völligen Ent-Persönlichung.

Es gelingt ihm, Alltagsbeobachtungen als Ausgangspunkt des Nachdenkens über gesellschaftliche Entwicklungen zu nutzen. Insofern eignet sich das Buch sehr gut als Anregung für eine Diskussion.

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