Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 2

zurückliegend!              Am 30. Mai 2017

DigiDemenz_1Am zweiten Abend  gehen wir der Frage nach, inwieweit wirklich das »Große Vergessen« auf uns lauert. Beobachten wir selber so etwas wie eine »digitale Demenz«, machen Google und Günther Jauch uns matschig im Kopf? Götz Eisenberg meint, »ja!«.

Wir wollen alles und zwar jetzt!“: Gesellschaftlichkeit stelle sich heute vor allem durch Konsum und Konsumieren her. Ironischerweise habe die 68er-Bewegung zwar die verknöcherte Wirtschaftswunder- und Aufbaugesellschaft mit ihrer Verzichtsmoral überwunden, aber um den Preis einer oberflächlichen Konsumgesellschaft. Der Konsum von Dingen hat aber nur eine Gegenwart, er brauche keine Vergangenheit und keine Zukunft. Deshalb sei Demenz nur eine logische Konsequenz für den einzelnen Menschen.

Halbdemenz als Prinzip der sogenannten Wissensgesellschaft“: Computer und Automaten übernehmen immer mehr Funktionen des Alltagslebens. Das erleichtert zwar vieles und eröffnet neue Möglichkeiten, bedeute aber auch, dass mir Wissen und Fähigkeiten insbesondere der mitmenschlichen Kommunikation verlorengehen. Aber auch das Wissen verändert sich: Google bietet einen schnellen Zugriff auf einzelne Fakten und Daten; das Denken und Zusammenhängen geht dabei schnell verloren, weil man sich keine Mühe mehr machen muss, nachzudenken. Wissen a la „Wer wird Millionär“ ist zwar lustig, aber völlig sinnlos.

Bindungslosigkeit: Was für das Wissen gilt, ist auch für menschliche Beziehungen gültig: Bindungslosigkeit ist eine Erfordernis des heutigen flexiblen Menschen. Zu langes Festhalten an anderen Menschen und der eigenen Vergangenheit wird zur psychischen Krankheit erklärt und mit Pillen bekämpft. Zwei Wochen Trauer nach dem Tod der Eltern sind ok, danach heißt es „Anpassungsstörung“ und anschließend „Depression“…

Eisenberg betrachtet den Menschen vor allem in der Welt des Alltags und des Konsums. Wir wollen über seine Beobachtungen und Gedanken diskutieren, den Blick aber auch auf die Welt der Arbeit erweitern. Beide Welten gehören zusammen. Auch auf der Arbeit hat in den letzten Jahren eine ewige und grenzenlose Flexibilität Einzug gehalten, Stress, Überreizung. Wie wirkt das auf unsere Psyche? Nicht umsonst sitzen u.U. wir selber neben einem guter Teil unserer Stuhlnachbarn beim Doktor im Wartezimmer wegen psychischer Erkrankungen.

Hier ein Link zu einem Text, mit dem wir die Diskussion eröffnen möchten (PDF):

In der Angst vor Demenz / Alzheimer drückt sich das Leiden an den Verhältnisse heute aus.

Dienstag, 30. Mai 2017
19:30 Uhr im Mieterpavillon
Friedrich-Naumann-Str. 7
Hamburg-Heimfeld

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