»Die Abstiegsgesellschaft«

Zurückliegend: Veranstaltung vom 31. Oktober 2017

Die Feststellung, dass es im Kapitalismus ungerecht zugeht, ist banal. Darüber, dass die Kluft zwischen arm und reich wächst, wird viel geschrieben.

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Und darum geht es auch in dem Buch »Die Abstiegsgesellschaft« des Soziologen Oliver Nachtwey. Einige seiner Thesen über den gegenwärtigen Kapitalismus scheinen uns interessant. Es geht um eine Mittelschicht, die sich vom Abstieg bedroht fühlt. Um die Behauptung, dass eine allgemein zugängliche Bildung Chancengleichheit im Wettbewerb schafft. Nachtwey schaut auf den grassierenden Individualismus, bei dem Armut und Scheitern zur eigenen Niederlage werden, statt als Ausdruck gesellschaftlicher Ungerechtigkeit wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt geht es um die Situation bei der Arbeit, wenn z.B. der Kollege neben mir seine Arbeitskraft zu ganz anderen Bedingungen verkauft, als ich?

Wir möchten euch das Buch kurz vorstellen und laden euch ein, mit uns einige der unten aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.

Dienstag, 31. Oktober 2017 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

 

Die »Mitte«

Die »Mitte« ist es, wohin man strebt. Sie wird gesehen als Stabilitätsanker Doch diese Stabilität bröckelt im härter werdenden Kampf zwischen oben und unten. Die Angst geht um und mit ihr der Konkurrenzdruck.

Doch wie real ist die Bedrohung?

Müssen wir das Spiel der Abgrenzung mitmachen?

Wie gehen wir mit den zentralen Ideologien der Mittelschicht um: Leistungsprinzip, Selbstoptimierung, Bildungsehrgeiz?

Die »Bildung«

Die Bildung gilt als das Mittel, sich einen besseren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Oder zumindest seinen Status zu halten. Der individuelle Erfolg im Bildungswettbewerb gilt auch als Rechtfertigung für Ungleichheit. Ungebildet und Arm? Also auch kein Job? Selbst schuld!

Doch auch hier steigt die Konkurrenz. Die erworbenen Bildungsabschlüsse verlieren ihren Wert, je breiter sie verteilt werden.

Wie gehen wir damit um, dass schon 20 Jährige auf einen perfekten Lebenslauf achten?

Was, wenn es gar nichts hilft, sich abzustrampeln? Schließlich kann auch ein Architekt oder Anwalt scheitern. Mit wachsender Zahl der Absolventen, sinkt auch die Dividende.

Bildung kann auch den Anspruch auf ein besseres Leben begründen. Wie gehen wir damit um, wenn einer mit dem guten Abschluss argumentiert, dass ihm doch etwas Besseres zustehe? Wurde ein Akademiker, der mit 35 noch Praktika machen muss, betrogen?

Gilt die Bildung mit ihren Titeln und Diplomen nur dem Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt, oder kann sie auch nützen im Streben nach Solidarität und einer besseren Gesellschaft?

Ist Bildung nicht mehr, als nur der Erwerb von Zertifikaten und Abschlüssen?

Können wir uns nicht selber bilden?

Und der »Individualismus«

Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder möglichst kreativ zu sein hat. Man soll „sich ständig neu erfinden“. Nach Nachtwey ist die »Individualität heute ein gesellschaftlicher Imperativ« und so wird Gerechtigkeit eher im Sinne von individueller Chancengleichheit diskutiert.

Das kann ein Emanzipationsgewinn sein, stellt aber nicht grundlegende gesellschaftliche Prinzipien in Frage.

Bin ich schon kreativ, wenn ich nur »mein Ding« machen will? Wie kann eine Individualität aussehen, die sich nicht vermarkten lässt?

Welche Wege können aus der Vereinzelung führen? Und was, wenn ich vor meinen Mitmenschen eher Angst habe als Neugierde?

Im Betrieb

Auch auf der Arbeit wird es schwerer einen gemeinsamen Nenner zu finden. Großbetriebe wurden zergliedert in Sub-Sub-Unternehmen. Die Stammbelegschaft in einem Großbetrieb kann sich vergleichsweise sicher fühlen. Doch um sie herum lauern schon die Abgründe, die dem Einzelnen drohen.

Der eine fühlt, dass die Bedingungen seiner Ausbeutung noch vergleichsweise bessere sind, doch er hat Angst, dies zu verlieren.

Die andere wiederum gibt alles, um endlich auch einmal irgendwo anzukommen. Dafür wird sie dann noch mit Misstrauen betrachtet.

Wie kann man heute noch zusammenhalten, wenn wir zu so unterschiedlichen Bedingungen arbeiten?

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