Szenische Lesung
Freitag, 23.Oktober 2026 um 20 Uhr
Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich-Naumann-Str.27
Tutti insieme!
Alle (lesen) zusammen!
Wer mitlesen will, liest mit und wer zuhören will, hört einfach zu!
Und zwar diesmal…: „Die Schwarze Sonne“ von Friedrich Wolf.
Der Zeitenlauf mal umgekehrt: In einer Felsspalte erwacht nach vielen tausend Jahren der „Urahn“ einer Gesellschaft der „Wilden“: Er war im Jahre 1920 Warenhausabteilungsleiter und hat mitsamt eines gewissen Sortiments an Wäsche den Zusammenbruch der Zivilisation überlebt.
Über die „Wilden“ herrscht der Priester Wumm, der die Menschen mittels des selbst erfundenen Gottes „Weiße Sonne“ beherrscht. Wumm hat beim Auftauchen des Fremden zuerst Angst, aber erkennt blitzschnell seine Chance: Er erklärt den Warenhausangestellten im fremdartigen Anzug zur „Schwarzen Sonne“ und sich selbst zu seinem obersten Priester.
Der jedoch ist höchst irritiert; im Laufe einiger Irrungen und Wirrungen erkennt er sich selbst als Überrest einer militaristischen und von Besitz und Konsum geprägten Gesellschaft.
Soviel sei verraten: „Die Schwarze Sonne“ ist eine grotesk- satirische Komödie mit „Tanz und Gesang“ und hat natürlich ein gutes Ende!
Friedrich Wolf (1888 – 1953) war ein ziemlich umtriebiger Mensch in einer unruhigen Zeit. Zunächst studierte er Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Truppenarzt und entwickelte sich zum entschiedenen Kriegsgegner und trat während der Revolution in den Arbeiter- und Soldatenrat in Dresden ein. In den 1920er Jahren praktizierte er als Armenarzt, der über die Schulmedizin und die Pharmaindustrie hinausblickte – sein Werk „Die Natur als Arzt und Helfer“ war um 1930 ein gerade in Arbeiterkreisen weit verbreitetes Standardwerk.
Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Theaterstücke, in denen er politisch brisante Themen aufgriff. Sein bekanntestes Drama, „Cyankali“ von 1929, klagte das Abtreibungsverbot des § 218 an.
1933 emigrierte er in die Sowjetunion. 1936 wollte er nach Spanien, um im Bürgerkrieg als Arzt die Internationalen Brigaden zu unterstützen, kam aber nicht durch. Nach seiner Internierung dort konnte er 1941 mit sowjetischer Hilfe nach Moskau zurückkehren. Von dort ging er 1945 zurück nach Deutschland, in die DDR.
Auch seine beiden Söhne Markus („Mischa“) und Konrad waren in der DDR bekannte Persönlichkeiten: Der eine als Literat und Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, der andere als einer der wichtigsten Filmregisseure der DDR.
