Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 27.Oktober 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Dieser Frage werden wir in zwei Teilen nachgehen, denn:
- wenn die AfD das Problem ist, muss man sich damit beschäftigen, wie man dieses angeht, aber
- wenn sie nur ein Symptom ist, muss man sich weniger mit der AfD beschäftigen, sondern vielmehr mit den Umständen und Bedingungen, die sie hervorgebracht haben.
Die Idee für eine Diskussion über das Phänomen „AfD“ besteht schon länger denn wir wollen verstehen, was da los ist. Die einen sehen die AFD als Wiedergeburt der NSDAP, während sie für – anscheinend immer mehr – andere als einzige Opposition zu den Altparteien gesehen wird. Eine Opposition, die sich hauptsächlich am Ziel festmachen lässt, das Altparteiensystem durch- und abzuschütteln
Mit den Vertretern der „Nie wieder ist jetzt“- und Brandmauerfraktion ist es schwer, eine Diskussion über die realistischerweise zu erwartenden konkreten Auswirkungen eines Erstarkens der AfD zu führen. Umgekehrt ist genauso: Wenn man auf der Straße auf Menschen trifft, die sich der AfD zuordnen, ist es ebenso wenig möglich, darüber zu sprechen, was sie denn realistisch an konkreten Verbesserungen für ihr Leben erwarten.
Die Ausgangsidee war also, nicht so sehr über irgendwen oder irgendetwas zu diskutieren, das für uns von außen nicht einsehbar ist. Im Gegenteil wollten wir uns selber fragen, wie wir auf die Wahlprogrammatik reagieren. Was lässt uns aufhorchen, was schreckt uns ab und wo müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass sie mit dem, was sie problematisiert, zumindest einen richtigen Punkt trifft, ohne dass die jeweils propagierte Lösung unsere wäre.
Vielleicht lässt sich daraus etwas verallgemeinern, weil es möglicherweise vielen so geht.
Teil 1 – Die AFD als das Problem…?
Wir nehmen uns die 10 Punkte des AfD-Wahlprogramms „100 Tage für Sachsen Anhalt. Was wir tun werden“ vor, mit dem sie die Wahl in Sachsen Anhalt gewonnen hat. Dieses Wahlprogramm kann man unter zwei Gesichtspunkten diskutieren:
a) Welche persönlichen Befürchtungen und Ängste haben wir bezüglich einer erstarkenden AfD? Welche Folgen für unser Leben befürchten wir bspw. bei einer Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages?
b) Welche subtile „Anziehungskraft“ haben die Parolen der AfD ungeachtet ihres gesamten Programmes? Wo müssen wir ihr, wie oben bereits gesagt, einen Punkt zugestehen? Wohlgemerkt nicht für die Lösungen, sehr wohl aber für die aufgeworfene Problematik.

Das wäre der erste Teil, die Frage nach dem „Problem AfD“. Im
Zweiten Teil
wollen wir versuchen, die AfD als Symptom einer jahrzehntelangen verfehlten linken Politik angesichts einer manifesten Gesellschaftskrise zu begreifen. Wir fragen uns, warum so viele Menschen, gerade aus der Arbeiterklasse, angesichts weitgehender Privatisierungen öffentlicher Infrastruktur und Zerschlagung von Sozialsystemen die AFD wählen oder in anderen Ländern entsprechende Parteien und Präsidenten wie Trump (USA), Bolsonaro (Brasilien) oder Milei (Argentinien). Alles Vertreter eines „Turbo- Kapitalismus“, für den sie die letzten Reste sozialstaatlicher Verfassungen und Institutionen mit der Kettensäge kleinmachen wollen. Wie kann es sein, dass solche Programmatiken auf Widerhall in der Arbeiterklasse stoßen? Gibt es da eine Logik??
Umgekehrt stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass Menschen aus bürgerlich- liberalen Milieus massenhaft einen immer autoritäreren Staat herbeirufen – solange er sich bitteschön gegen „die anderen“ richtet! Protest gegen die konkrete Politik in den letzten Jahren – Militarisierung und Krieg, polizeiliche und geheimdienstliche Aufrüstung, Übergabe von Staatsfunktionen an Privatunternehmen (und private Stiftungen und NGO’s), Etablierung sozialer Ächtung, Förderung des Denunziantentums u.v.m. – gibt es dagegen aus diesen Kreisen nicht oder kaum. Eine „Brandmauer“ gegen die Vertreter dieser offensiv unsozialen und gesellschaftszerstörenden Politik fehlt. Das zu verstehen, ist auch eine ziemliche Knacknuss …
Geht es bei der Auseinandersetzung um die AfD tatsächlich ausschließlich um einen „Kulturkampf“?
Wie könnte sich ein sozialen Kampf artikulieren, der den Gordischen Knoten der Alternativen von entfesseltem neoliberalen Imperialismus auf der einen und nationalstaatlichem Egoismus auf der anderen Seite durchschlägt?