Diskussionsveranstaltung Dienstag, den 29.Oktober 2024 um 19.30 Uhr Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Wie können wir uns schützen? Die meisten unter uns sind von digitaler Kommunikation abhängig und bewegen sich viel im Internet. Doch die technischen Fortschritte im Bereich der Überwachung werden gefährlicher: Durch Bundes-Trojaner, Chat-Protokolle, Vorrats-Datenspeicherung, Hintertürchen in der Geräte-Software oder in den Geräten an sich. Daraus folgen effektivere Werbe- und Propaganda-Techniken, wie die „Nudging“-Techniken („Stupsen“ mit leichtem psychologischen Druck), zielgerichtetere Manipulation und K.I.-generierte Nachrichtenfluten, welche abweichende Inhalte in die Unsichtbarkeit drängen. Oder die stille Zensur, bei der bestimmte Seiten, Blogs, Nachrichten … für manche einfach nicht existieren, weil sie nicht angezeigt werden. Nicht zu vernachlässigen sind die Möglichkeiten zur Verfolgung Andersdenkender und von Menschen auf der Flucht. Doch damit das Data-Mining („Daten-Schürfen“) und die digitale Überwachung funktionieren, wird auch unsere Mithilfe gebraucht. Unsere Daten sollen zugänglich und unverschlüsselt sein. Und wir sollen uns sicher fühlen, nichts verbergen und uns an neue Entwicklungen anpassen.
Darauf haben wir aber keine Lust.
Ein kleiner Vortrag mit Tipps zur digitalen Selbst-Verteidigung. Es wird auch um Verschlüsselung gehen. Um unabhängige, kostenfreie Software für Computer und Handy, die uns helfen, weniger Daten zu hinterlassen. Sowie Tipps, wie wir der digitalen Abhängigkeit dort trotzen können, wo sie uns am stärksten begrenzt.
Buchvorstellung und Diskussion Dienstag, 30.Juli 2024 um 19.30 Uhr Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Seit Jahren geistern phantastische Begriffe durch die politische Debatte, die sich seit der Corona- Ära zunehmend aufgeheizt hat: Die einen versprechen mit einem „Green New Deal“ eine Zukunft, in der…
…mittels Digitalisierung und Sensoren um und im Menschen jede Bewegung kontrolliert und für „uns“ und die Umwelt optimal gesteuert wird. Die Umwelt wird damit grün erstrahlen und „wir“ von beschwerlichen Tätigkeiten befreit werden. Auch Streitereien und Auseinandersetzungen werden der Vergangenheit angehören – der Algorithmus kann zwischen richtig und falsch unterscheiden,
…mittels Gentechnik die Ernährung für uns optimiert wird (und Tiere nicht mehr leiden müssen), Krankheiten durch Impfung und Gentherapie besiegt und der einzelne Mensch sich (und seine Nachkommen) so modellieren kann, wie es ihm oder ihr gefällt,
…das private Eigentum verschwindet und durch Nutzungrechte ersetzt wird,
…letztlich sogar Unsterblichkeit durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine erreichbar wird.
Erreicht werde diese Herkulesaufgabe durch einen „Großen Umbruch“, so Klaus Schwab, bis vor kurzen Leiter und Propagandist des World Economic Forum. Das, was für ihn und politische Akteure wie die EU- Kommissionschefin von der Leyen eine verheißungsvolle Utopie darstellt, ist als Spiegelbild für viele andere eine grauenvolle Dystopie, in der…
…durch die digitale Auswertung und Steuerung all unserer Lebensäußerungen eine umfassende technokratische Diktatur entstehe ein „digitaler Feudalismus“ oder auch „digitaler Faschismus“,
…gesunde Menschen massenhaft und präventiv mit Pharmaprodukten behandelt und Tiere und Pflanzen willkürlich manipuliert werden,
…menschliches Wissen und Erfahrung von den Maschinen aufgesaugt wird und verschwindet – wie etwa das Handwerk. Darüber hinaus wird der soziale Kontakt auf der Arbeit und sonst im Leben eliminiert,
…als Endziel der Mensch überflüssig gemacht und durch einen Cyborg ersetzt wird.
Die Visionen der Silicon Valley – Milliardäre und ihrer politischen Sachwalter transportieren ihre eigene Allmachtsphantasien. Sie stellen sich als Philantropen dar, die ihre unangreifbare Macht einsetzen, um den Planeten und die Menschheit zu retten. Die offiziell Verschwörungstheorien genannten Dystopien sind lediglich das negative Spiegelbild dieser Visionen.
Was aber, wenn beide, Positiv wie Negativ, falsch liegen? Das Zurschaustellen absoluter Macht verdeckt, dass das Eis, auf dem die Eliten tanzen, in den letzten Jahren immer dünner geworden ist. Erinnern wir uns an die immer irrwitzigeren Finanzjonglagen und Pyramidenspiele und den (Beinah-)Zusammenbruch dieser Finanzwelt 2008. Erinnern wir uns an den laufenden Zusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur, an die Halbwertzeit der technologischen Versprechen – von der Wirksamkeit gentherapeutischer Impfstoffe bis zum jämmerlichen Zustand von „KI“ und ChatGPT, nur wenige Jahre nach ihrer Einführung, usw. Erinnern wir uns aber auch an die globale Welle von Protesten seit 2011 (Occupy, Arabischer Frühling, französische Gelbwestenbewegung…- nicht zuletzt wurde 2019 konstatiert, dass es in diesem Jahr auf der Welt so viele Proteste, Aufstände, Streiks und anderen Aufruhr gab, wie noch nie in der neuern Geschichte – auch mehr als 1968 (außerhalb Deutschlands natürlich…). Wir könnten -sollten! – in der jetzigen chaotischen Situation die Schwäche der Eliten sehen. Vielleicht verdeckt Ihr Auftreten als Allmächtige nur ihre Angst, schüchtert ein und erstickt das Gefühl des Aufbruchs, das viele Menschen in den letzten Jahren ergriffen hat. Aus ihrer Angst soll unsere Angst werden – Angst vor dem Weltuntergang, vor dem „Zurückschlagen durch die Natur“, Angst vor den Mitmenschen bis zur Angst vor Krieg. Die Erlösung von diesen Ängsten bieten aberwitzigerweise diejenigen an, die sie hervorgerufen haben.
Wie können wir uns davon lösen? Die o.g. These wird gestützt durch das Buch „Zeitenwende. Corona, Big Data und die kybernetische Zukunft“ der österreichischen Historikerin Andrea Komlosy. In diesem versucht sie als linke Historikerin, die epochale Dimension des versprochenen oder angedrohten Umbruchs zu verstehen. Ein Umbruch, der durch „Corona“ nicht ausgelöst wurde, sondern nur eine Beschleunigung erfahren hat und nun gesellschaftlich durchsetzbar erscheint. Im ersten Teil stellt Komlosy die gesellschaftliche Krise auf drei Ebenen dar: Als „normale“ zyklische kapitalistische Krise; als Krise des Gesellschaftssystems, das wie andere Gesellschaftsformationen in der menschlichen Geschichte nun vor seinem endgültigen Kollaps steht und schließlich als ein gewaltsamer Sprung in der Evolutionsgeschichte. Im zweiten Teil analysiert sie, inwieweit „Corona“ genutzt wurde, um die Entwicklung der Green New World voranzutreiben. Im (kurzen) Schluss versucht sie, die grundsätzliche Nützlichkeit der technologischen Innovationen für eine befreite Weltgesellschaft zu begründen, in der globale soziale Ungleichheiten abgebaut und ein schonenderer Umgang mit den natürlichen Ressourcen unserer Umwelt geübt wird. An dieser Stelle möchte man Komlosy widersprechen, da sie die grundätzliche Notwendigkeit technologischer Lösungen für gesellschaftliche Probleme nicht hinterfragt. Wenn wir dagegen den technokratischen und elitären Hintergrund des berüchtigten Satzes von Klaus Schwab – „Ihr werdet nichts besitzen und dabei glücklich sein!“ – vergessen und ihn umdrehen, dann macht er auf einmal für uns einen Sinn: „Niemand wird etwas besitzen und wir alle werden glücklich sein!“ Wir wollen das Buch vorstellen und Komlosys Skizze der technologischen Trends benutzen, um uns zu fragen, wie diese die Gesellschaft tatsächlich verändern können oder ob sie nicht die gesellschaftliche Sackgasse reproduzieren. Schließlich wollen wir uns fragen, ob wir ihrer These der Unausweichlichkeit eines bestimmten technologischen „Fortschritts“ folgen wollen.
Film- und Diskussionsveranstaltung Dienstag, 28.Mai 2024 um 19.30 Uhr Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Straße 7
Das Portal des Vereins »Patientenrechte und Datenschutz e.V.« schrieb als Rezension des Videos des Journalisten Norbert Häring im September 2023 folgendes:
„Unter diesem Titel hat der Publizist und Blogger Norbert Haering ein Video veröffentlicht, das sich in weiten Teilen mit mit den aktuellen Plänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auseinandersetzt, einen noch stärkeren Zugriff auf die Gesundheits- und Behandlungsdaten der mehr als 73 Mio. Menschen in Deutschland zu erhalten, die gesetzlich krankenversichert sind. In seinem Video greift Haering auch auf Aussagen verschiedener Veranstaltungen zurück, die der Verein Patientenrechte und Datenschutze. V. gemeinsam mit anderen Organisationen in den Jahren 2021 – 2023 zum Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens gemacht hat und die hier als Videos dokumentiert sind. Der Beitrag von Haering pflegt einen weitestgehend unaufgeregten, sachlichen Stil und ist in seinen Aussagen gut durch Quellenangaben belegt. Er ist – bezogen auf das Thema „Patientenrechte und Datenschutz“ – gut recherchiert, gut und verständlich aufgearbeitet und in der Sache korrekt. Die Verknüpfung dieser Thematik mit den Themenfeldern Corona-Pandemie und Impfpflicht im dritten Drittel des Videos ist aus Sicht des Rezensenten aber wenig zielführend und entbehrlich.“
Soweit es um die reine Darstellung der politischen Akteure von Spahn, Lauterbach und Co. geht, können wir den Film nur zustimmend zur Kenntnis nehmen. Zur Diskussion stellen wollen wir dagegen die Interpretation Härings. Er ist in den Corona- Jahren als fundierter Kritiker der staatlichen Politik populär geworden. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass er ein Ökonom ist, der dem bürgerlichen Denken verpflichtet ist. Er studierte Volkswirtschaftslehre, war drei Jahre als Analyst bei der Commerzbank tätig und verdient seit Ende der 90er Jahre sein Geld als Wirtschaftsjournalist – bei der Börsen-Zeitung, später bei der Financial Times Deutschland und beim Handelsblatt.
Neben anderen würden wir gerne vier Punkte mit euch diskutieren:
1) Er sieht in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung die Etablierung eines Kontrollregimes, das nicht etwa die Steigerung des Gesundheitszustandes zum Ziel hat, sondern die weitere Reichtumsanhäufung der Großkonzerne bedient.
2) Er sagt: „Daten sind der neue Rohstoff“: nach der Aneignung der menschlichen Arbeit folge die historische Phase, in der der menschliche Körper durch das Kapital angeeignet werde.
3) Das gipfelt in der dystopischen Vorstellung eines „digitalen Feudalismus“, also einer Gesellschaft, die ihren „Lehnsherren“ ausgeliefert ist, der ihnen Nutzungsrechte zuteilt oder wieder entzieht. Das sei der Kern dessen, was Klaus Schwab als Vision formuliert hat: „Ihr werdet nichts besitzen, aber glücklich sein!“
4) Häring stellt dagegen: „Eigentum ist Freiheit“ und „Bargeld ist Freiheit“
Wir haben da viele Fragen und auch Widerspruch zu und freuen uns, mit euch darüber zu diskutieren!
Buchvorstellung und Diskussion Dienstag, 26. März 2024 um 19.30 Uhr Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Der Philosoph Günther Anders (1902 – 1992) veröffentlichte im Jahre 1956 das Buch: „Die Welt als Phantom und Matrize“ – Philosophische Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen.
Philosophische Betrachtungen zur Bildschirm-Zeit
„Die Welt wird uns ins Haus geliefert“, schrieb Günther Anders im Jahre 1956. Er meinte damit die Verbreitung von Rundfunk und Fernsehen. Diese statten die Konsumierenden mit einem Gefühl der Allmacht und Allgegenwärtigkeit aus, während sie durch selbige Medien im Endeffekt entmündigt und hörig gemacht werden. In seinem Werk „Die Welt als Phantom und Matrize“ beschreibt er, wie die Massenmedien die Welt zum Verschwinden bringen, indem sie diese mit „Phantomen“ besiedeln. Phantome – halb Wirklichkeit und halb Schein – wie wir sie ständig auf Bildschirme und Lautsprecher abrufen, verzerren nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern dienen auch als Vorbilder („Matrizen“) mit denen wir uns vergleichen und nach denen wir handeln.
Wenn „Smartphone-Babies“ keinen Unterschied zwischen einem Display und einer Zeitschrift erkennen und über das Papier wischen, als wäre es ein Touch-Screen; wenn computerbearbeitete Bilder und Videos den „Normalkörper“ zeigen sollen und den Druck der Schönheitsideale erhöhen; dann können wir durchaus von Phantomen sprechen, die uns die Wirklichkeit vorgaukeln, und von Matrizen, die uns vorgeben wollen, wie wir zu handeln haben. Dies wird verstärkt durch die mediale Reizüberflutung im öffentlichen Raum und die Verpflichtung, digital zu sein.
Inzwischen ist Günther Anders (1902-1992), einst ein weitläufig bekannter Philosoph und wichtiger Kritiker der Politik, in Vergessenheit geraten. Doch liegt dies daran, dass seine Kritik inzwischen veraltet ist? Oder daran, dass seine Kritik unseren heutigen Zeitgeist umso treffender hinterfragt?
Es wird viel Raum für Fragen geben…!
Wer sich vorab schonmal ein Bild machen will, kann hier den Text anschauen: