Filmveranstaltung
Dienstag, 28.Juli 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Wer hat sich in den letzten Jahren nicht angesichts der politischen Entwicklungen die Haare gerauft – vor allen Dingen, weil es scheinbar so wenige Mitmenschen empört, dass die europäischen Regierungen, Deutschland allen voran, nur noch einen Kurs kennt: Den auf einen offenen Krieg zu. Warum nur, fragen sich viele, folgt kaum jemand den Aufrufen zu Demonstrationen für Frieden und Völkerverständigung, während sich zum Christopher Street Day Abertausende durch die Straßen wälzen?
War es immer so, dass sich in der BRD kaum jemand um die Frage der (Wieder-)Aufrüstung geschert hat?j
Der Dokumentarfilm „Der lange Atem“ (Christoph Boekel / Beate Rose) aus dem Jahr 1982 thematisiert die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen um die Wiederaufrüstung der BRD in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Einführung der Bundeswehr 1955. Er zeichnet für diese Phase einerseits ein anderes und doch wieder dasselbe Bild.
Ein anderes, indem er aufzeigt, wie einhellig und gesellschaftlich fest verankert die Absage an jegliche Wiederaufrüstung unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg war: Kirchen, Gewerkschaften, Parteien wie die SPD, aber auch weite Teile der CDU sprachen sich entschieden gegen eine Remilitarisierung aus und erschwerten so die Umsetzung der Pläne der Alliierten, die BRD zum militärischen Bollwerk gegen den kommunistischen Osten Europas zu machen. Umfragen zufolge lehnten nahezu 90 Prozent der Bevölkerung, eine Remilitarisierung rundheraus ab.

ABER: Der Film zeigt andererseits dieselben Missstände wie heute auf: Eine korrupte Regierung, insbesondere ein Kanzler (Adenauer), der nicht davor zurückschreckt, die Bevölkerung aber auch seine Parteigenossen anzulügen und zu hintergehen, um den von den Alliierten gewünschten Zustand einer militarisierten BRD zu erreichen. Erschreckend dabei ist insbesondere die nachweisliche Zusammenarbeit mit Nazi-Größen, die wundersamerweise keine Gefängnisstrafe abbüßten, sondern stattdessen in Amt und Würden gehoben wurden.
Der Film zeigt weniger den damaligen Protest, als vielmehr die Verflechtungen zwischen Politik, Alt-Nazis und Alliierten. Im Zentrum des Films steht ein Gespräch mit dem KPD-Mitglied Oskar Neumann, der maßgeblich an der Initiierung einer Volksbefragung zur Wiederbewaffnung beteiligt war.
Deutlich wird der unbedingte Wille der Herrschenden, die Wiederbewaffnung der jungen Bundesrepublik gegen jeden Widerstand durchzusetzen.