„Verdammter Friede“

Buchvorstellung
Dienstag, 25.August 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Ist Frieden möglich? Ist er überhaupt wünschenswert??

… merkwürdige Fragen, zugegeben. Aber Regierungen stellen sie sich.

1967 wurde in den USA ein geheimer Bericht veröffentlicht: ‚Report from Iron Mountain on the possibility and desirability of peace‘ (‚Bericht aus dem Atombunker ‚Eiserner Berg‘ über die Möglichkeit und Wünschbarkeit von Frieden’). Ein Jahr darauf erschien er unter dem Titel ‚Verdammter Friede‘ auf Deutsch.

Fünf Jahre später bekannte sich ein us-amerikanischer Schriftsteller namens Leonard C. Lewin zur Autorenschaft; der geheime Bericht einer von der US- Regierung zusammengerufenen geheimen Kommission führender Wissenschaftler und Industrieller sei eine Satire gewesen.

Eine Satire – aber so glaubhaft angesichts der Regierungspolitik, dass der Bericht große Aufmerksamkeit erregte und ernst genommen wurde. Auch die US- Regierung sah sich gezwungen, öffentlich zu beteuern, dass das alles ein Scherz sei und rein gar nichts mit ihren Gedanken zu tun habe …

Worum ging es?
Die Zeit der Kriege endete für die USA nicht mit dem Zweiten Weltkrieg: Unabhängigkeitsbewegungen in den ehemaligen europäischen Kolonien wurden bekämpft, kommunistisch beeinflusste Volksbewegungen in Asien und Afrika massakriert, Stellvertreterkriege mit der Sowjetunion ausgefochten. Aber in den 50er und 60er Jahren formierten sich zunehmend Bewegungen gegen die herrschenden und gewalttätigen Verhältnisse. Sie zwangen die Regierungen erst von John F. Kennedy und ab 1963 von Lyndon B. Johnson, sich mit Szenarien von Abrüstung und Frieden auseinanderzusetzen. So setzte Johnson 1963 einen ‚Ausschuss zur Untersuchung der Auswirkung von Rüstung und Abrüstung auf die Wirtschaft‘ ein. Der sollte Szenarien entwickeln, wie die Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion aussehen könnte, ohne dass es zu einem ökonomischen Einbruch kommen würde.

Gleichzeitig rief sie eine geheime Kommission zusammen, die das Problem von der anderen Seite her angehen sollte: Bevor man als Regierung Pläne für Frieden und Verfahren zur globalen Abrüstung entwickelt, müsse man den Krieg untersuchen und seine Funktion, die er für die Stabilität einer in sich ungleichen und damit instabilen Gesellschaft habe. Die Aufgabe der Kommission war also, „sorgfältig und realistisch alle Probleme zu ermitteln, vor denen die Vereinigten Staaten eines Tages im Falle eines ‚permanenten Friedenszustandes‘ stehen würden und ein Programm zu entwerfen, um mit dieser Situation fertig zu werden“.
Kurz gesagt: Krieg erfüllt in unserer kapitalistischen Welt viele Funktionen. Er entsteht nicht aus Unfähigkeit, friedlich zu bleiben, im Gegenteil: er macht für die Herrschenden Sinn. Und: Wenn man als Regierung tatsächlich ohne Militärapparat und Krieg auskommen will, braucht man Ersatz. Was könnte als Ersatz für Krieg dienen? Auch dieser Frage ging die Arbeitsgruppe nach.
Sie entwickelte Kriterien für globale Ersatzinstitutionen, die die wirtschaftlichen, politischen und soziologischen Funktionen des Krieges übernehmen könnten. Eine zentrale Erkenntnis im Bereich der Wirtschaft war etwa: „Ein annehmbarer Ersatz für die wirtschaftliche Funktion des Kriegssystems müßte die Bereitstellung von Geldern für völlig unproduktive Zwecke garantieren“.
Die diskutierten Modelle hörten sich vor einigen Jahren noch völlig verrückt an, aber in Zeiten von Elon Musk, Bill Gates und Peter Thiel sind sie erstaunlich modern: Ein gigantisches sinnloses Raumprogramm etwa, die Initiierung einer globalen Massenbewegung zur Abwendung des Weltuntergangs durch Umweltzerstörung, eine „allgegenwärtige und allgewaltige Polizeistreitmacht“ usw. – alles potenziell miteinander zu kombinieren.

Uns hat die Fragestellung, von welcher der Bericht ausging, gelockt. Wie sieht die Welt aus Sicht der Verfechter des Kapitalismus aus? Welche ihrer Probleme versuchen sie, durch Rüstung und Krieg zu lösen? Wenn „Frieden“ nur ein anderes Wort für „Stabilität“ sein soll, wie im Bericht formuliert wird, „Krieg“ aber auch nur ein weiteres Wort dafür – müssen wir dann nicht die „Stabilität“ aus dem Gleichgewicht kippen, um Frieden für uns zu erreichen?

Wir stellen einige Punkte aus dem kleinen Büchlein vor und freuen uns auf eine angeregte Diskussion!

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