Aus dem vollen Leben:
Polemisches und Vergnügliches in einem Versuch,
aus der kurzen Form des Schüttelreims ein
Sprechstück zu machen.
Premiere eines Experimentes…
Samstag, 24.08.2024 um 20 Uhr
Kulturverein »Alles Wird Schön«,
Friedrich-Naumann-Str.27
Schlagwort-Archive: Harburg
Der „Große Grüne Umbruch“: Traum, Alptraum – oder einfach eine Nebelkerze?
Buchvorstellung und Diskussion
Dienstag, 30.Juli 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Seit Jahren geistern phantastische Begriffe durch die politische Debatte, die sich seit der Corona- Ära zunehmend aufgeheizt hat:
Die einen versprechen mit einem „Green New Deal“ eine Zukunft, in der…
…mittels Digitalisierung und Sensoren um und im Menschen jede Bewegung kontrolliert und für „uns“ und die Umwelt optimal gesteuert wird. Die Umwelt wird damit grün erstrahlen und „wir“ von beschwerlichen Tätigkeiten befreit werden. Auch Streitereien und Auseinandersetzungen werden der Vergangenheit angehören – der Algorithmus kann zwischen richtig und falsch unterscheiden,
…mittels Gentechnik die Ernährung für uns optimiert wird (und Tiere nicht mehr leiden müssen), Krankheiten durch Impfung und Gentherapie besiegt und der einzelne Mensch sich (und seine Nachkommen) so modellieren kann, wie es ihm oder ihr gefällt,
…das private Eigentum verschwindet und durch Nutzungrechte ersetzt wird,
…letztlich sogar Unsterblichkeit durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine erreichbar wird.
Erreicht werde diese Herkulesaufgabe durch einen „Großen Umbruch“, so Klaus Schwab, bis vor kurzen Leiter und Propagandist des World Economic Forum.
Das, was für ihn und politische Akteure wie die EU- Kommissionschefin von der Leyen eine verheißungsvolle Utopie darstellt, ist als Spiegelbild für viele andere eine grauenvolle Dystopie, in der…
…durch die digitale Auswertung und Steuerung all unserer Lebensäußerungen eine umfassende technokratische Diktatur entstehe ein „digitaler Feudalismus“ oder auch „digitaler Faschismus“,
…gesunde Menschen massenhaft und präventiv mit Pharmaprodukten behandelt und Tiere und Pflanzen willkürlich manipuliert werden,
…menschliches Wissen und Erfahrung von den Maschinen aufgesaugt wird und verschwindet – wie etwa das Handwerk. Darüber hinaus wird der soziale Kontakt auf der Arbeit und sonst im Leben eliminiert,
…als Endziel der Mensch überflüssig gemacht und durch einen Cyborg ersetzt wird.
Die Visionen der Silicon Valley – Milliardäre und ihrer politischen Sachwalter transportieren ihre eigene Allmachtsphantasien. Sie stellen sich als Philantropen dar, die ihre unangreifbare Macht einsetzen, um den Planeten und die Menschheit zu retten. Die offiziell Verschwörungstheorien genannten Dystopien sind lediglich das negative Spiegelbild dieser Visionen.
Was aber, wenn beide, Positiv wie Negativ, falsch liegen?
Das Zurschaustellen absoluter Macht verdeckt, dass das Eis, auf dem die Eliten tanzen, in den letzten Jahren immer dünner geworden ist. Erinnern wir uns an die immer irrwitzigeren Finanzjonglagen und Pyramidenspiele und den (Beinah-)Zusammenbruch dieser Finanzwelt 2008. Erinnern wir uns an den laufenden Zusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur, an die Halbwertzeit der technologischen Versprechen – von der Wirksamkeit gentherapeutischer Impfstoffe bis zum jämmerlichen Zustand von „KI“ und ChatGPT, nur wenige Jahre nach ihrer Einführung, usw.
Erinnern wir uns aber auch an die globale Welle von Protesten seit 2011 (Occupy, Arabischer Frühling, französische Gelbwestenbewegung…- nicht zuletzt wurde 2019 konstatiert, dass es in diesem Jahr auf der Welt so viele Proteste, Aufstände, Streiks und anderen Aufruhr gab, wie noch nie in der neuern Geschichte – auch mehr als 1968 (außerhalb Deutschlands natürlich…).
Wir könnten -sollten! – in der jetzigen chaotischen Situation die Schwäche der Eliten sehen. Vielleicht verdeckt Ihr Auftreten als Allmächtige nur ihre Angst, schüchtert ein und erstickt das Gefühl des Aufbruchs, das viele Menschen in den letzten Jahren ergriffen hat. Aus ihrer Angst soll unsere Angst werden – Angst vor dem Weltuntergang, vor dem „Zurückschlagen durch die Natur“, Angst vor den Mitmenschen bis zur Angst vor Krieg. Die Erlösung von diesen Ängsten bieten aberwitzigerweise diejenigen an, die sie hervorgerufen haben.
Wie können wir uns davon lösen?
Die o.g. These wird gestützt durch das Buch „Zeitenwende. Corona, Big Data und die kybernetische Zukunft“ der österreichischen Historikerin Andrea Komlosy. In diesem versucht sie als linke Historikerin, die epochale Dimension des versprochenen oder angedrohten Umbruchs zu verstehen. Ein Umbruch, der durch „Corona“ nicht ausgelöst wurde, sondern nur eine Beschleunigung erfahren hat und nun gesellschaftlich durchsetzbar erscheint.
Im ersten Teil stellt Komlosy die gesellschaftliche Krise auf drei Ebenen dar: Als „normale“ zyklische kapitalistische Krise; als Krise des Gesellschaftssystems, das wie andere Gesellschaftsformationen in der menschlichen Geschichte nun vor seinem endgültigen Kollaps steht und schließlich als ein gewaltsamer Sprung in der Evolutionsgeschichte.
Im zweiten Teil analysiert sie, inwieweit „Corona“ genutzt wurde, um die Entwicklung der Green New World voranzutreiben.
Im (kurzen) Schluss versucht sie, die grundsätzliche Nützlichkeit der technologischen Innovationen für eine befreite Weltgesellschaft zu begründen, in der globale soziale Ungleichheiten abgebaut und ein schonenderer Umgang mit den natürlichen Ressourcen unserer Umwelt geübt wird. An dieser Stelle möchte man Komlosy widersprechen, da sie die grundätzliche Notwendigkeit technologischer Lösungen für gesellschaftliche Probleme nicht hinterfragt.
Wenn wir dagegen den technokratischen und elitären Hintergrund des berüchtigten Satzes von Klaus Schwab – „Ihr werdet nichts besitzen und dabei glücklich sein!“ – vergessen und ihn umdrehen, dann macht er auf einmal für uns einen Sinn: „Niemand wird etwas besitzen und wir alle werden glücklich sein!“
Wir wollen das Buch vorstellen und Komlosys Skizze der technologischen Trends benutzen, um uns zu fragen, wie diese die Gesellschaft tatsächlich verändern können oder ob sie nicht die gesellschaftliche Sackgasse reproduzieren. Schließlich wollen wir uns fragen, ob wir ihrer These der Unausweichlichkeit eines bestimmten technologischen „Fortschritts“ folgen wollen.
Rezensionen ihres Buches:
Andrea Komlosy: Staatskapitalismus statt Weltuntergang
Neues Deutschland, 25.07.2023
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1175030.zeitenwende-andrea-komlosy-staatskapitalismus-statt-weltuntergang.html
Walter Kuhl
Buchbesprechungen Andrea Komlosy : Zeitenwende
https://www.walterkuhl.de/rezensionen/203_komlosy_zeitenwende.htm
Nachdenkseiten
„Der Zugriff auf den Körper“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=92492
„Nackt in der Gesundheitscloud“
Film- und Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.Mai 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Straße 7
Das Portal des Vereins »Patientenrechte und Datenschutz e.V.« schrieb als Rezension des Videos des Journalisten Norbert Häring im September 2023 folgendes:

„Unter diesem Titel hat der Publizist und Blogger Norbert Haering ein Video veröffentlicht, das sich in weiten Teilen mit mit den aktuellen Plänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auseinandersetzt, einen noch stärkeren Zugriff auf die Gesundheits- und Behandlungsdaten der mehr als 73 Mio. Menschen in Deutschland zu erhalten, die gesetzlich krankenversichert sind.
In seinem Video greift Haering auch auf Aussagen verschiedener Veranstaltungen zurück, die der Verein Patientenrechte und Datenschutze. V. gemeinsam mit anderen Organisationen in den Jahren 2021 – 2023 zum Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens gemacht hat und die hier als Videos dokumentiert sind.
Der Beitrag von Haering pflegt einen weitestgehend unaufgeregten, sachlichen Stil und ist in seinen Aussagen gut durch Quellenangaben belegt. Er ist – bezogen auf das Thema „Patientenrechte und Datenschutz“ – gut recherchiert, gut und verständlich aufgearbeitet und in der Sache korrekt. Die Verknüpfung dieser Thematik mit den Themenfeldern Corona-Pandemie und Impfpflicht im dritten Drittel des Videos ist aus Sicht des Rezensenten aber wenig zielführend und entbehrlich.“
Soweit es um die reine Darstellung der politischen Akteure von Spahn, Lauterbach und Co. geht, können wir den Film nur zustimmend zur Kenntnis nehmen. Zur Diskussion stellen wollen wir dagegen die Interpretation Härings. Er ist in den Corona- Jahren als fundierter Kritiker der staatlichen Politik populär geworden. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass er ein Ökonom ist, der dem bürgerlichen Denken verpflichtet ist. Er studierte Volkswirtschaftslehre, war drei Jahre als Analyst bei der Commerzbank tätig und verdient seit Ende der 90er Jahre sein Geld als Wirtschaftsjournalist – bei der Börsen-Zeitung, später bei der Financial Times Deutschland und beim Handelsblatt.
Neben anderen würden wir gerne vier Punkte mit euch diskutieren:
1) Er sieht in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung die Etablierung eines Kontrollregimes, das nicht etwa die Steigerung des Gesundheitszustandes zum Ziel hat, sondern die weitere Reichtumsanhäufung der Großkonzerne bedient.
2) Er sagt: „Daten sind der neue Rohstoff“: nach der Aneignung der menschlichen Arbeit folge die historische Phase, in der der menschliche Körper durch das Kapital angeeignet werde.
3) Das gipfelt in der dystopischen Vorstellung eines „digitalen Feudalismus“, also einer Gesellschaft, die ihren „Lehnsherren“ ausgeliefert ist, der ihnen Nutzungsrechte zuteilt oder wieder entzieht. Das sei der Kern dessen, was Klaus Schwab als Vision formuliert hat: „Ihr werdet nichts besitzen, aber glücklich sein!“
4) Häring stellt dagegen: „Eigentum ist Freiheit“ und „Bargeld ist Freiheit“
Wir haben da viele Fragen und auch Widerspruch zu und freuen uns, mit euch darüber zu diskutieren!
„Bezahlt wird nicht!“ Eine Szenische Lesung
tutti insieme! Alle (lesen) zusammen!
Und zwar diesmal…:
Bezahlt wird nicht!
Freitag, 24.Mai 2024 um 20.00 Uhr im Kulturverein „alles wird schön“, Friedrich-Naumann-Str.27

„Bezahlt wird nicht!“ ist eine Farce des italienischen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo, die 1974 in Mailand veröffentlicht wurde.
Italien revoltiert: Die Hausfrauen eines armen Stadtteils plündern den örtlichen Lebensmittelmarkt. Unter ihnen Antonia. Sie ist eine resolute Kommunistin, während ihr Ehemann Giovanni bemüht ist, sozialen Fortschritt über die Wahlurne zu verwirklichen. Mit dem Pöbel in einen Topf geworfen zu werden, widerstrebt ihm. Doch das ist immer schwieriger durchzuhalten: Erst streikt das Personal in seiner Betriebskantine und seine Frau hat abends als Ersatz nur gestohlenes Tierfutter anzubieten. Dann streiken die Angestellten der Eisenbahn, die einen Nulltarif für alle Passagiere durchsetzen wollen. Schließlich soll die Fabrik, in der er arbeitet, geschlossen werden. Unter all diesen Eindrücken ändert er seine Meinung. Es beginnt ein groteskes Verwirrspiel zwischen zwei beteiligten Ehepaaren, einem Wachmann, einem Carabiniere und einem Bestatter.
Aus dem Schlusschor:
„„Eine Welt, in der man merkt, daß es noch einen Himmel gibt … und Pflanzen, die blüh‘n … daß es sogar einen Frühling gibt … und Mädchen, die lachen und singen. Und wenn du eines Tages sterben mußt, stirbt nicht ein alter, ausgepumpter Maulesel, nein, ein Mensch stirbt, ein Mensch, der frei und zufrieden gelebt hat, mit anderen freien Menschen.“
Wer Lust hat, bei der Szenischen Lesung mitzulesen, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach.
Heilen für die Heimatfront
Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 30.April 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str. 7
Das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz und seine Auswirkungen auf das Gesundheitswesen
Die Ampel- Regierung will im Sommer ein sog. Gesundheitssicherstellungsgesetz verabschieden. Es soll die seit 1965 für den „Verteidigungsfall“ für verschiedene Branchen erlassenen Notstandsgesetze ergänzen. Die offiziellen Stichworte heute sind „Gesamtverteidigung“ und „zivil- militärische Zusammenarbeit“.
Bislang gibt es keine öffentlich zugänglichen Entwürfe des Gesundheitssicherstellungsgesetzes, geschweige denn, eine öffentliche Debatte. Aber es ist nicht der erste Versuch, auch für den Gesundheitsbereich eine im Krisenfall greifende Sicherstellung der Arbeitskraft zu erzwingen. 1982 scheiterte der letzte Versuch (siehe den interessanten 10-minütigen Panoramabericht von Mai 1982: https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/1982/-,panorama12862.html )
Es ist davon auszugehen, dass die Struktur des Gesetzes heute ähnlich wie damals sein und die gleiche Zielrichtung verfolgen wird. Allerdings haben sich die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen in den letzten 40 Jahren geändert.
Wir wollen ein paar grundlegende Fragen stellen und diskutieren:

- Welche grundsätzlichen politischen Ziele verfolgt ein Gesundheitssicherstellungsgesetz? Was sind demgegenüber die Bedürfnisse der Bevölkerung hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Versorgung?
- Unterscheidet sich die geforderte „Kriegsfähigkeit“ grundsätzlich vom mittlerweile normalen „Krisenmodus“ des Gesundheitswesens?
- Welche Veränderungen könnten konkret auf uns zukommen? Was bedeuten Sie für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, aber auch für uns als (potenzielle) Patienten?
- Wie fügt sich das Gesundheitssicherstellungsgesetz in den Gesetzeskanon zur Krisenbewältigung ein – auch auf europäischer Ebene?
Wir freuen uns auf Euer Kommen!
Falls jemand die Einladung ausdrucken und weitergeben will, wäre das natürlich toll: als pdf-Datei hier
Schließlich noch ein paar Lesehinweise für Interessierte:
Stimmen und Konzepte für die Militarisierung:
Crisis Prevention („das behördliche Fachmagazin für Gefahrenabwehr, Innere Sicherheit und Katastrophenhilfe“): Gesamtverteidigung akut – Warum sich die zivile Verteidigung weiterentwickeln muss (2024)
https://crisis-prevention.de/sicherheit/gesamtverteidigung-akut-warum-sich-die-zivile-verteidigung-weiterentwickeln-muss.html
Crisis Prevention: Ein Gesundheitssicherstellungsgesetz als Voraussetzung für die ZMZ? (2022)
https://crisis-prevention.de/sicherheit/ein-gesundheitssicherstellungsgesetz-als-voraussetzung-fuer-die-zmz.html
Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages (2020):
Zur Rolle der Bundeswehr(Zentral)krankenhäuser im Rahmen der Re-Fokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung sowie zur Frage unter welchen Voraussetzungen die Bundeswehr im Bedarfsfall auf zivile Krankenhäuser zurückgreifen kann
https://www.bundestag.de/resource/blob/684768/d6992067c7ac9b8e529851134d593e8c/WD-2-154-19-pdf-data.pdf
Deutsche Ärzteblatt: Das Gesundheitswesen muss sich besser auf Krieg, Terror und Katastrophen vorbereiten (2024)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/150014/Das-Gesundheitswesen-muss-sich-besser-auf-Krieg-Terror-und-Katastrophen-vorbereiten
Die Neuausrichtung des Gesundheitswesens als Anforderung der NATO (2023):
Resilience, civil preparedness and Article 3
https://www.nato.int/cps/en/natohq/topics_132722.htm
Institut für Strategie & Vorschau der Bundeswehruni München:
»Die Grundlage für Resilienz ist Bewusstsein für das, was uns bedroht.« (2023)
Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm über Pandemiebewältigung, Resilienz und die Zeitwende
https://metis.unibw.de/de/publications/05-die-grundlage-fuer-resilienz-ist-bewusstsein-fuer-das-was-uns-bedroht
(rare) Stimmen gegen die Militarisierung:
Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW):
Nationale Sicherheitsstrategie und Gesundheitssicherstellungsgesetz: Die Militarisierung der Gesundheitsversorgung (2024)
https://helmutkaess.de/die-militarisierung-der-gesundheitsversorgung-maerz-24
Friedensbündnis Karlsruhe zur Kooperation zwischen örtlicher Klinik und Bundeswehr (2012):
Krankenhaus + Bundeswehr = Handlanger für den nächsten Krieg? Nein zur Militarisierung des Gesundheitswesens!
https://archiv.labournet.de/branchen/dienstleistung/militaer.html
ÖTV gegen Militarisierung des Gesundheitswesens
Seminar der betroffenen Betriebs- und Personalräte in Baden-Württemberg (2000)
https://www.imi-online.de/2000/08/00/oetv-gegen-militaris
Nie wieder Friede. Eine bittere Komödie über Militarismus & Antipazifismus
Szenische Lesung
Freitag, den 26.April 2024 um 20 Uhr
Kulturverein „alles wird schön“, Friedrich-Naumann- Straße 27

Im kleinen Land Dunkelstein ist eine neue Regierung gewählt worden. Als Emblem führt sie die Sonnenblume. In einem großen Fest wird der ewige Frieden beschworen; es sollen keine Waffen produziert und schon gar nicht in Kriegsgebiete exportiert werden. Doch dann trifft ein Telegramm ein: Dunkelstein sei der Krieg erklärt worden. Von wem und warum, weiß niemand. Egal. Von jetzt auf gleich wird die „Zeitenwende“ vollzogen; Friedenslieder werden zu Kriegsliedern umgedichtet. Deserteure werden eingesperrt, die eigenen Felder abgebrannt, damit sich Spione und Fahnenflüchtige dort nicht mehr verstecken können. Unternehmer und Spekulanten freuen sich.
Das Spektakel auf der Erde geht auf eine verhängnisvolle Wette im Himmel zurück: Der heilige Franziskus wollte seinem Gegenpart Napoleon nicht glauben, dass die Menschheit den ewigen Frieden gar nicht will…
So in etwa ist die Ausgangslage des 1934 geschriebenen kurzen Bühnenwerkes von Ernst Toller. Seine Erfahrungen als Kriegsfreiwilliger 1914-16 wandelten den bürgerlichen jungen Mann zum Anarchisten. Als Beteiligter der Münchener Räterepublik entging er nur knapp dem Todesurteil und verbrachte fünf Jahre in Festungshaft. Anschließend veröffentlichte er als Dichter und Bühnenautor eine Vielzahl von Werken über den Krieg und die Hoffnungen der Revolutionsjahre. 1933 ging er ins Exil, seine Werke wurden von den Nazis verbrannt. 1939 nahm er sich angesichts des bevorstehenden zweiten Weltkrieges in New York das Leben.

Wir lesen mit verteilten Rollen: Wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach!
Die Tolstoi- Friedensbibliothek stellt den Text freundlicherweise zur Verfügung – in der Hoffnung, dass dieses Werk gerade heute wieder gelesen, aufgeführt und diskutiert wird!
siehe: https://www.tolstoi-friedensbibliothek.de/wp-content/uploads/2024/03/TFb_X001_Toller.pdf
Günther Anders: Philosophische Betrachtungen zur Bildschirm-Zeit
Buchvorstellung und Diskussion
Dienstag, 26. März 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Der Philosoph Günther Anders (1902 – 1992) veröffentlichte im Jahre 1956 das Buch: „Die Welt als Phantom und Matrize“ – Philosophische Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen.

Philosophische Betrachtungen zur Bildschirm-Zeit
„Die Welt wird uns ins Haus geliefert“, schrieb Günther Anders im Jahre 1956. Er meinte damit die Verbreitung von Rundfunk und Fernsehen. Diese statten die Konsumierenden mit einem Gefühl der Allmacht und Allgegenwärtigkeit aus, während sie durch selbige Medien im Endeffekt entmündigt und hörig gemacht werden.
In seinem Werk „Die Welt als Phantom und Matrize“ beschreibt er, wie die Massenmedien die Welt zum Verschwinden bringen, indem sie diese mit „Phantomen“ besiedeln. Phantome – halb Wirklichkeit und halb Schein – wie wir sie ständig auf Bildschirme und Lautsprecher abrufen, verzerren nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern dienen auch als Vorbilder („Matrizen“) mit denen wir uns vergleichen und nach denen wir handeln.
Wenn „Smartphone-Babies“ keinen Unterschied zwischen einem Display und einer Zeitschrift erkennen und über das Papier wischen, als wäre es ein Touch-Screen; wenn computerbearbeitete Bilder und Videos den „Normalkörper“ zeigen sollen und den Druck der Schönheitsideale erhöhen; dann können wir durchaus von Phantomen sprechen, die uns die Wirklichkeit vorgaukeln, und von Matrizen, die uns vorgeben wollen, wie wir zu handeln haben. Dies wird verstärkt durch die mediale Reizüberflutung im öffentlichen Raum und die Verpflichtung, digital zu sein.
Inzwischen ist Günther Anders (1902-1992), einst ein weitläufig bekannter Philosoph und wichtiger Kritiker der Politik, in Vergessenheit geraten. Doch liegt dies daran, dass seine Kritik inzwischen veraltet ist? Oder daran, dass seine Kritik unseren heutigen Zeitgeist umso treffender hinterfragt?
Es wird viel Raum für Fragen geben…!
Wer sich vorab schonmal ein Bild machen will, kann hier den Text anschauen:
Friedrich Dürrenmatt: „Die Physiker“
Szenische Lesung
Samstag, den 16.März 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Wie kann man eine Erfindung, die zur Vernichtung der gesamten Menschheit führen kann, vor der Entdeckung schützen? Nun, indem man sich als Geisteskranker ausgibt. So verfährt Johann Wilhelm Möbius, und gibt vor, ihm erscheine König Salomo, womit er sich unglaubwürdig machen will und in die Psychiatrie einweisen lässt. Dort stößt er auf zwei weitere geisteskranke Physiker. Diese sind in Wahrheit Agenten rivalisierender Geheimdienste, die an Möbius’ Formel gelangen und diese für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren wollen. Doch die drei Physiker haben nicht mit der Chefärztin des Irrenhauses gerechnet, die als einzig gesund Erscheinende wirklich krank ist und tatsächlich glaubt, sie müsse für König Salomo mit der Formel die Weltherrschaft erringen.
Dürrenmatts 1961 verfasste Groteske geht dabei von der Erkenntnis aus, dass man Dinge, die einmal gedacht oder entdeckt worden sind, nicht rückgängig gemacht werden können. Egal, wie man mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen umgeht, führt dies zwangsläufig ins Negative. Insofern können „Die Physiker“ als Mahnung dienen, den einzigen uns Menschen zur Verfügung stehenden Lebensraum mit dem Instrument der Wissenschaft zu gefährden.
Wir laden zu einer gemeinsamen szenischen Lesung ein – wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach.
Ladet gerne Freunde und Freundinnen ein! Die Einladung als Druckversion:
Postdemokratie – Zustandsbeschreibung oder Demokratie in neuem Gewand?
Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 27.Februar 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7
Wir merken alle, dass „etwas nicht stimmt“ mit unserer „Demokratie“. Vom Mainstream abweichende Meinungen werden diffamiert, ihre Vertreter schikaniert und / oder lächerlich gemacht, der Ton in Zeitungen und Talk-Shows wird rauer und den „Abweichlern“ gegenüber verächtlich, Begriffe aus der Nazi-Zeit werden salonfähig, denn es scheint nichts groß dabei zu sein, Kritiker der Corona-Maßnahmen als „Blinddarm der Gesellschaft“ zu bezeichnen (S.Bosetti), oder Kriegsgegner als „Lumpenpazifisten“ (S.Lobo).
Dass sich etwas unwiderrruflich verändert hat, wird auch von Seiten der Regierenden nicht bestritten: Mit Corona wurden wir auf ein „neues Normal“ eingestimmt, mit dem Krieg in der Ukraine auf eine „Zeitenwende“. Und immer deutlicher wird: Im Zuge dieser Entwicklungen geht (neben vielem anderen) der öffentliche Debattenraum verloren, wie an den eingangs angerissenen Beispielen zu sehen ist.
Dieses Phänomen hat sich aber nicht so überraschend entwickelt, wie es scheint. Dass die Demokratie möglicherweise ausgedient, bzw. eine neue Form angenommen hat, wird bereits seit längerem unter dem Begriff „Postdemokratie“ diskutiert (s. z.B. das Heft Nr. 4 des Forschungsjournals Neue Soziale Bewegung (FNSB) aus dem Jahr 2006 – hier , Titel: „Postdemokratie – ein neuer Diskurs?“ oder Heft 1-2 „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (ApuZ) aus dem Jahr 2011 mit dem Titel: „Postdemokratie?“ – hier)

Die Bezeichnung „Postdemokratie“ wurde von Jaques Rancière (französischer Philosoph) Mitte der 90er Jahre erstmalig in eine breitere Debatte eingebracht, wobei die so bezeichnete Entwicklung auch schon früher thematisiert wurde, allerdings nicht unter der dem Namen „Postdemokratie“.
Wir wollen uns mit dem Zustand unserer Gesellschaft beschäftigen, der durch diesen Begriff charakterisiert wird und diskutieren, inwiefern dies uns dabei helfen kann, die momentan sich immer weiter verhärtenden gesellschaftlichen Fronten aufzuweichen. Vor allem: dem Teil der Gesellschaft, der immer weniger gehört und vor allem akzeptiert wird, wieder zu einer legitimierten Position und Stimme zu verhelfen. Ob dazu eine Re-Demokratisierung das geeignete Mittel ist (wie die Diskussion um „Post“-Demokratie nahelegt)? Auch das wird zu besprechen sein.
Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion mit Euch!
Militarisierung macht Schule – Wer den Krieg nicht verlieren will, muss die Köpfe gewinnen
Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 30.Januar 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumannstr.7

Deutschland soll kriegstauglich werden, sagt unser Noch-Verteidigungs- und vielleicht bald Kriegsminister Pistorius. Die Soldaten seien verweichlicht, die Ausrüstung der Bundeswehr veraltet, die Strukturen modernisierungsbedürftig. Geld soll her und das nicht zu knapp, um die Armee auf neue Herausforderungen vorzubereiten und sie wieder (?) kriegstauglich zu machen. Nach den 100 Milliarden „Sondervermögen“, die der Bundeswehr einmalig im Jahr 2022 zugestanden wurden, soll zukünftig die 2%-Regel eingehalten werden, also jährlich 2% des BIP als Bundeswehretat. Das wären immerhin 67 Milliarden Euro – pro Jahr!
Link zur Bundeszentrale für Politische Bildung
Allein diese Entwicklung ist schlimm genug. Aber: „Welche Rolle (…) Politik und Gesellschaft spielen, um Deutschland wieder wehrbereit zu machen, was geschehen muss, um die politischen Entscheidungsträger und das Volk «kriegswillig» zu machen, damit hat sich die Bundesrepublik bisher kaum beschäftigt“. Fest steht (angeblich): Den Deutschen mangelt es am politischen Willen zum Kampf – so der ehemalige Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa
Link zur Neuen Zürcher Zeitung
Das soll nun anders werden. Neben vielen Bereichen (Zivilschutz, Gesundheitswesen) soll Kriegsvorbereitung auch im Bildungsbereich fester Bestandteil werden und so dafür sorgen, dass zukünftige Generationen lernen, in Feindbildern zu denken. Statt gesellschaftliche Konflikte als solche zu verstehen, werden sie von den Herrschenden moralisiert. Politische Gegner sollen zu Feinden werden, mit denen man nicht mehr verhandelt, sondern die es nur noch zu vernichten gilt. Wie sich das auf die Gesellschaft auswirkt, erleben wir ja bereits seit der Corona-Zeit und zu befürchten steht: „Schlimmer geht immer“.
Selbstredend wird die mental-psychologische Kriegsvorbereitung nicht plump als solche vermarktet. Zu hören bekommen wir beispielsweise: „Die Zukunft braucht weltoffene, politisch kompetente und handlungsfähige Menschen mit Gestaltungskompetenz, die bereit sind, sich für zukunftsfähige Lösungen einzusetzen, mit globaler Perspektive und lokalem Blick.“
„KOOPERATIONSVEREINBARUNG Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein und Landeskommando Schleswig-Holstein“ vom August 2021
Erreicht werden soll dies durch Bildungsarbeit. Unter anderem durch so genannte Jugendoffiziere der Bundeswehr, die ja bereits seit Längerem zwecks „politischer Bildungsarbeit“ in Schulen eingesetzt werden. (Link zur Bundeswehr)
Angeblich bieten „Die Bildungsangebote der Jugendoffiziere (…) die Möglichkeit, komplementär und multiperspektivisch auch soziale, wirtschaftliche, umwelt- und entwicklungspolitische Aspekte eines erweiterten Sicherheitsbegriffes im Kontext der Friedenssicherung [!] zu vermitteln.“
Präambel der „KOOPERATIONSVEREINBARUNG zwischen dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und dem Landeskommando Schleswig-Holstein“ vom August 2021

Ist die Militarisierung des Bildungswesens neu? Oder ist sie die konsequente Weiterführung einer zunehmend auf Kapitalinteressen getrimmten Bildungsauffassung?
Diese Frage wollen wir in unserer Veranstaltung diskutieren. Eine Ahnung, was noch kommen kann, haben wir durch den Umgang mit den Krisen und Kriegen der letzten vier Jahre erleben können. Vielleicht entwickeln wir Ideen, wie wir Menschen in den Schulen den Rücken stärken können, dagegen anzugehen und finden Ansätze dafür, wie eine „Erziehung zum friedlichen Miteinander“ aussehen könnte.
Ein paar Texte zum Hintergrund:
Bernd Schoepe: Cancel Culture macht Schule!
Wie der neoliberale Schulumbau eine institutionalisierte Form von Cancel Culture hervorbringt, die Demokratie und Bildung gleichermaßen abzuwickeln droht
https://www.gew-ansbach.de/data/2021/11/Schoepe_Cancel_Culture_macht_Schule.pdf
Schoepe geht es in diesem Text nicht speziell um die Militarisierung, aber um die Tendenz zum Autoritären in der Bildung, die er als Folge des von der OECD / dem Kapital durchgesetzten Paradigmenwechsels in der Pädagogik betrachtet.
IMI-Studie 2010/02
Die Eroberung der Schulen: Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt
Infomationsstelle Militarisierung. 19. Januar 2010
https://www.imi-online.de/2010/01/19/die-eroberung-der-sc/
Die Eroberung der Köpfe: Wie die Bundeswehr in Bildungseinrichtungen wirbt
https://www.gew-wiesbaden.de/fileadmin/user_upload/Die_Eroberung_der_Koepfe.pdf
