Der Jugend einen Strohhut?? Sind neue „Generationen“ immer Triebkräfte gesellschaftlichen Aufbruchs?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 27.Januar 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

Wir sind die erste Generation, die den Effekt des Klimawandels zu spüren bekommt, und die letzte Generation, die etwas dagegen machen kann.

Auf diese Äußerung von Barack Obama aus dem Jahr 2014 bezog sich die mit großer medialer Resonanz bedachte Organisation „Die letzte Generation“. Um die ist es nach den großen Klima-Klebe-Aktionen still geworden. Dafür wird nun angeblich eine „Generation Z“ laut: Es wird von Protesten berichtet, die von Nepal über Marokko bis Frankreich die Welt in Atem hielten.

Auch früher schon war Allgemeingut, dass junge Menschen tendenziell häufiger die vorgefundene Welt in Frage stellen und neue Wege suchen. Allerdings war dies im 20. Jahrhundert meist noch mit sozialen Klassen verknüpft: Die Arbeiterjugend oder die bürgerliche Jugend. Wenn auch schon die Bewegung der „68er“ erstmal nur ein Sammelbegriff für ein allgemeines gesellschaftliches Aufbegehren darstellte, so gab es doch zum einen eine selbst wahrgenommene Differenzierung in dieser Zeit („Lehrlings-“ neben „Frauen“bewegung etwa), als auch eine differenzierende Analyse von außen.

In den letzten Jahrzehnten wurden jedoch Proteste und Bewegungen immer häufiger bestimmten Generationen zugeordnet – zumindest in ihrer medialen Darstellung. So zum Beispiel die Aufstände des „Arabischen Frühlings“ vor 15 Jahren, die hierzulande allgemein als „Facebook-Revolution“ bezeichnet wurden, da sie einer jungen Generation zugeschrieben wurden, welche die neue Medien zu ganz neuen, nämlich revolutionären Zwecken, zu nutzen weiß. Ob diese Zuschreibung stimmt, das ist unsere erste Frage, denn in Ägypten gab es z.B. auch eine breite soziale Bewegung in den Betrieben, Fabriken und Slums, deren Mitstreiter nicht alle einfach „jung“ waren. Oder die o.g. Gen Z-Proteste, unter denen nur bestimmte Proteste mit medial verwertbaren jugendlichen Führungsgesichtern subsummiert werden, während andere Protestbewegungen – wie etwa die Gelbwesten in Frankreich – nicht darunter gefasst werden.

Zum zweiten fragen wir uns, welchen Wert eine Vorstellung von gesellschaftlichem Wandel hat, die von Marktforschungsfirmen und Medien propagiert wird. Diese versuchen nämlich, sich allmählich wandelnde Generationen-Mentalitäten zu erfassen – besser gesagt: zu konstruieren und für Unternehmen und Politiker nutzbar zu machen. So wurde konstatiert, die Generation X (1970 – 1985) habe „null Bock auf Arbeit“, sie sei „orientierungslos und hedonistisch“; die Generation Y (1985 – 2000) gilt als Generation mit einer großen „Freiheitsorientierung“, während der Generation Z (1995 – 2010) mangelnde Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber attestiert wird sowie der Wunsch einer klaren Trennung zwischen Privatleben und Beruf.

Wem das alles gar nicht so verschieden erscheint, hat ganz Recht damit: Was bitteschön ist der Unterschied zwischen „mangelnder Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber“ (Generation Y) und Freiheitsorientierung bezogen auf den Arbeitsplatz (Generation X)?

Und ein Blick in die wissenschaftliche Literatur zum Thema „Generationen“ bestätigt diesen Eindruck: Die so markig in Szene gesetzten Generationenunterschiede wurden letztendlich nie wissenschaftlich untersucht, geschweige denn belegt. Dennoch werden – quasi wider besseres Wissen – diese behaupteten Generationenunterschiede immer häufiger thematisiert und diffundieren als „gesetzte Größe“ in alle sozialen und auch zunehmend in politische Gruppierungen.

Als größtes Problem hierbei sehen wir, dass dieses Herbeireden von Generationentypisierungen aus Menschen ähnlichen Alters homogene Gruppen macht, denen dann unter Ausklammerung sozialer Unterschiede generationenspezifische Charakteristika, Bedürfnisse, Ziele, Lebenseinstellungen usw. unterstellt werden. So zum Beispiel bei den Protesten gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Dort ist ein verbreiteter Slogan: „Der Jugend eine Zukunft!“ Als wäre den anderen „Generationen“ ihre Zukunft egal, bzw. als hätten diese kein Anrecht darauf, sich auch eine gute Zukunft zu wünschen. Und so richtig gelungen ist eine politische Veranstaltung doch auch erst, wenn auch junge Leute dabeigewesen sind – jedenfalls hört man das immer öfter (oder umgekehrt die Klage, dass ja wieder mal „nur“ alte Leute da waren). Parallel wird die bis dato mit Ehrfurcht bedachte „68er- Generation“ als „Boomer- Generation“ medial verhöhnt, als diejenige, die nicht nur die Umwelt durch ihre materiellen Ansprüche zerstört hätten, sondern nun auch die Rentenkassen auf Kosten der „jungen Generation“ plünderten. Der von Kampagnen propagierte Begriff der Jugend / jungen Generation grenzt sich nicht von einem Herrschaftsdiskurs ab, der die Ansprüche von allgemein jungen Menschen gegen allgemein alte Menschen ungeachtet ihrer sozialen Stellung in Stellung bringt.

Was ist also eine Generation? Taugt sie als Kategorie für die Analyse gesellschaftlicher Entwicklung? Geht es um bestimmte Alterskohorten? Unter welchen Bedingungen macht es Sinn, diese zu konstruieren, wo doch tatsächlich permanent Menschen geboren werden und Menschen sterben? Und vor allem:

Warum wird nicht mehr über Kategorien wie „Klasse“ oder wenigstens „soziale Schicht“ gesprochen, sondern über „Generationen“? Hat das Konstrukt „Generation“ eine größere Erklärungskraft als die Begriffe Klasse oder Schicht? Und falls nicht: warum hält sich die Orientierung auf Generationen nicht nur hartnäckig, sondern wird immer häufiger als Erklärung oder Ursache für ein bestimmtes Verhalten, bestimmte Einstellungen und Haltungen zu gesellschaftspolitischen Fragen, aber auch für die Ableitung von Bedürfnissen herangezogen?

Der Erste, der sich mit dem Begriff „Generation“ wissenschaftlich beschäftigt hat, war der Soziologe und Philosoph Karl Mannheim mit seinem Aufsatz „Das Problem der Generationen“ (1928). Ihm ging es dabei weniger um die Festschreibung von „Generationen“ als „Alterskohorten unter gemeinsamen äußeren Bedingungen“ sondern um Erklärungsansätze für gesellschaftliche Veränderungen. Dennoch verselbständigte sich sein Begriff und sein Konstrukt der Generation, sodass es heute als quasi unhinterfragbare Analysekategorie verwendet wird. Wir wollen seinen Aufsatz zusammenfassen und auf dieser Basis gemeinsam darüber diskutieren, welche Bedeutung wir diesem Begriff zuschreiben und darüber spekulieren, was diesen Begriff so attraktiv macht, dass er sich, obwohl als Analysekategorie eher wider- als belegt, so hartnäckig hält.

„Friede“ von Lion Feuchtwanger

Szenische Lesung
Freitag, 16. Januar 2026 um 20 Uhr
Kulturverein „Alles Wird Schön“
Friedrich-Naumann-Str.27

tutti insieme!
Alle (lesen) zusammen!
Und zwar diesmal…:
„Friede“ von Lion Feuchtwanger aus dem Jahr 1917.

Wir schreiben das Jahr 425 v.Chr. und befinden uns in Athen. Athen ist das Zentrum eines der beiden großen Machtblöcke der griechischen Welt. Alle Stadtstaaten haben sich entweder dem Attischen Seebund (Athen) oder dem Peleponnesischen Bund (Sparta) angeschlossen – und wechseln hin und wieder die Seiten. Seit 30 Jahren herrscht immer wieder Krieg und er wird auch noch 20 Jahre dauern. Nach so vielen Jahren weiß eigentlich niemand mehr, warum eigentlich Krieg geführt wird. Fast alle leiden, aber manche leben vom Krieg.
Dem Bauern Dikapaiopolis reicht es; er will Frieden. Eines Tages kommt Amphiteos, der Gesandte der Götter, auf den Marktplatz Athens, um den Wunsch der Götter nach Frieden vorzutragen. Die Herrscher Athens jagen ihn weg. Doch Dikapaiopolis nutzt die Gelegenheit und bittet Amphiteos, sein Angebot eines Privatfriedens an Sparta zu überbringen. Das wird angenommen und so bereitet er sich inmitten seiner kriegstüchtigen Umgebung auf ein rauschendes Friedensfest vor.

Lion Feuchtwanger hat sein „burleskes Spiel“ nach zwei Komödien des griechischen Dichters Aristophanes entwickelt. Merkmal dessen Komödien sei das „Hanswurstspiel“ gewesen, ein Kasper, der einerseits eine Ethik vertritt, in seinem spontanen Spiel aber unberechenbar und hemdsärmelig komisch auftritt.

Wir laden am Freitag, den 16.Januar 2026 zu einer gemeinsamen szenischen Lesung ein – wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach.

Mit der Kettensäge gegen Staat und Korruption

Wut und Hoffnung in Argentinien

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 25.November 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Weltweit sind wir oft vor die Wahl zwischen zwei Übeln gestellt: Auf der einen Seite Rechte und Nationalisten, die vorgeben, die vermeintlich gute alte Zeit zu verteidigen, aber tatsächlich für Privatisierung und Verarmung stehen. Auf der anderen Seite Linke und „Globalisten“, die die gute neue Zeit versprechen, aber tatsächlich dem selten etwas entgegenzusetzen haben – verarmen und privatisieren können sie auch. Und sie weinen Tränen der Freude, wenn Fleischpreise steigen und die Armen sich auch kein Auto mehr leisten können. Und egal in welchem Land, häufig ist der einzige Grund für viele Menschen, diese noch zu wählen, ein vermeintlich drohender Faschismus: Nie wieder sei jetzt!

In Argentinien hat vor rund zwei Jahren Javier Milei die Wahl zum Präsidenten gewonnen. Er schimpft gegen Korruption, den aufgeblähten Staat und will der Kaste mit der Kettensäge zu Leibe rücken. Die Kaste – das sind für ihn die alten Eliten, vom linken Peronismus bis hin zu konservativen Rechten.

International wird Milei oft mit Trump und anderen Nationalisten und Rechtsradikalen eingeordnet, weil er wie diese einen Kulturkampf mit Linken und Grünen – oder eben dem Peronismus – in Argentinien führt.

Aber was verbindet Chauvinisten wie Trump, seine Fans in Europa und den argentinischen Präsidenten darüber hinaus? Insbesondere, weil etwa Trump mit seinen Schutzzöllen und dem Fokus auf die eigene Industrie eine ganz andere Wirtschaftspolitik als Milei betreibt. Trumps Politik ähnelt eher dem peronistischen Projekt mit dem Fokus auf nationale Wertschöpfung. Das wollen wir uns genauer ansehen.

Es stellt sich ebenfalls die Frage, wie sich die Unterstützung eines rechten Kulturkämpfers wie Javier Milei durch größere Teile der Armen und der Arbeiterklasse erklären lässt. Dafür wollen wir die Entwicklung der argentinischen Gesellschaft über Militärdiktaturen, wiederholte Wirtschaftskrisen, die imperialen Ansprüche der USA in Südamerika und die breite Bewegung des Peronismus betrachten. Nicht zuletzt gibt es eine Tradition der Revolte und Selbstorganisation der Arbeiterklasse in Argentinien, die insbesondere in den 2000er Jahren weltweit Menschen inspiriert hat.

Ab auf’s Töpfchen!

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.Oktober 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

„Der Ossi, das unbekannte Wesen“ – war und ist es nicht so? Während es in der DDR ein großes Interesse an der BRD und dem Leben dort gab, war für die „Wessis“ der Osten doch eher ein Entwicklungsland, milde belächelt, bedauert ob seiner Abhängigkeit vom „großen Bruder“ Sowjetunion, kritisiert wegen seiner Unfreiheit. Die Mauer galt als sichtbares Mahnmal für die schreckliche Realität, in der die erbarmungswürdigen Ostdeutschen leben mussten: Wer seine Bürger einmauern muss, damit sie nicht abhauen, ja, der hat es wohl nötig. Die Care-Pakete, die bis zur „Wende“ in der DDR geschickt wurden, bestätigten das Bild vom „armen Ossi“: Kaffee, Nylonstrümpfe, Schokolade, Südfrüchte …. All das schien es ja in der DDR nicht zu geben und wurde von der „reichen“ Westverwandschaft (mehr oder weniger gerne) geschickt.

Dass dieser „Mangel“ auf gesellschaftlichen Entscheidungen basieren könnte, wie z.B. der Entscheidung, die Länder in denen Südfrüchte und Kaffee, Kakao, Tee wachsen, nicht ausbeuten zu wollen, kam niemandem in den Sinn. Und dass die großzügigen West-Gesten dieser Form eben genau darauf basierten, auch nicht. Das ist nur einer der blinden Flecken in der Wahrnehmung unseres ehemaligen Nachbarlandes.

Wir haben heute Gäste, die aus eigener Erfahrung über ihre Sicht und ihr Erleben der DDR berichten wollen. Ohne den Anspruch, damit die Wahrheit zu verkünden, aber doch mit der Intention, unser Bild dieses „anderen Deutschlands“ zu ergänzen.

„Wie ein Adler, der immer wieder auf deinem Arm landet“

Filmveranstaltung
Dienstag, 30.September 2025, 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

„Wie ein Adler, der immer wieder auf deinem Arm landet“, heißt es in einem Werbeclip der US- amerikanischen Air-Force. In dem Video sieht man eine Drohne geradezu anmutig durch die Lüfte brausen. Der Adler ist das Wappentier der USA – nach dem Wappenvogel ist auch der Dokumentarfilm benannt, den wir zeigen wollen.

Der Adler ist keine Friedenstaube; wenn die Militärs Jugendliche ködern wollen, verpacken sie ihr mörderisches Handwerk in einem Bild, das tödliche (scheinbare) Präzision mit spielerischer Eleganz verbindet. Dieses Bild setzt auch die Bundeswehr ein, wenn sie auf Computerspielmessen junge „Gamer“ umgarnt. Das Leben (und der Tod) sei ein Spiel…

Die Wirklichkeit dahinter ist grausam: Für die Opfer sowieso. Aber auch für die Menschen, die diese Geräte letztendlich doch steuern und das „Ergebnis“ analysieren. Letztere stellt der gut zehn Jahre alte us- amerikanische Dokumentarfilm in den Mittelpunkt: eine „drone imagery“ – Analystin“, die über ihre Tätigkeit seelisch zerbrochen ist. Oder einen Beteiligten, der nach Afghanistan fährt, um sich seinen Opfern zu stellen und so ein wenig Wiedergutmachung zu versuchen.

Diese Wahrheit hinter dem Mythos der Technik gilt es, aufzuzeigen! Jetzt mehr denn je, wo auch schon an Schulen und Spielemessen die Kriegstüchtigkeit gefordert wird!

Hamburg an der „Heimatfront“ – Das Manöver „Red Storm Bravo“

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 26.August 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Str.7

Seit letztem Jahr veranstalten die Bundeswehr und die Hansestadt Hamburg regelmäßig ein Manöver: „Red Storm Alpha“ im Jahr 2024; „Red Storm Bravo“ dieses Jahr; „Red Storm Charlie“ in 2026 und sicher auch „Red Storm Delta“ im Jahr 2027. Vorbereitet werden soll damit ein Krieg zwischen den NATO-Staaten und Russland. Jedes Mal ein bisschen umfassender. Und jedes Mal ein bisschen näher am zivilen Leben platziert. Fand die Übung im vergangenen Jahr ausschließlich im Hafen statt, ist in diesem Jahr u.a. erklärtes Ziel, die Bevölkerung an den Anblick von Soldaten und Militärfahrzeugen zu gewöhnen.

Und als wäre das noch nicht genug, finden zwischen den jährlichen Übung Notstandsübungen „auf dem Trockenen“ statt, d.h., im Hintergrund und innerhalb der öffentlichen und privaten Verwaltungen aber dennoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Oder hat jemand etwas von der diesjährigen Notstandsübung zum Thema „Dürre“ mitbekommen? Sie fand im Rahmen der zweijährlichen LÜKEX- Übungen statt („Länder- und Ressortübergreifendes Krisenmanagement“), durchgeführt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz unter Aufsicht des Bundesministeriums des Inneren und für Heimat. Die LÜKEX- Übungen sind die Fortführungen der bis 1989 durchgeführten NATO- Übungen „Winter Exercises“ (WINTEX) im zivilen Gewand, aber unter Beteiligung der Bundeswehr.

Doch wieder zurück nach Hamburg:

Ende September steht also „Red Storm Bravo“ an. Mittlerweile wird die zunehmende Militar­isierung der Gesellschaft etwas mehr wahrgenommen und das ist gut. Dennoch wissen wir häufig viel zu wenig – vor allem über die mittel- und langfristigen Konsequenzen dieser Entwicklung.

Zu Beginn unserer Veranstaltung wollen wir die Planungen des Manövers (soweit öffentlich bekannt) vorstellen und über die nach unserem Kenntnisstand geplanten Protestaktionen informieren.
Danach wollen wir über die massiv vorangetriebene Militarisierung der Gesellschaft diskutieren, (von der diese Manöver nur einen Teil darstellen) und darüber sprechen, welche Auswirkungen diese auf uns, unser Zusammenleben und die gesellschaftliche Entwicklung haben wird.
Wir freuen uns auf Euer Kommen

Alexa – Übernimm du!

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 29.Juli 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Seit Chat-GPT und ähnliche Programme der „generativen KI“ für den Alltagsgebrauch zur Verfügung stehen, wird uns vermittelt, damit habe sich ein Fenster zu einer neuen Welt aufgetan: Wir können mit Menschen in fremden Sprachen kommunizieren, ohne die Sprache lernen zu müssen, wir können ohne Aufwand Texte oder Reden verfassen lassen, wir können uns Antworten auf die Fragen der Welt geben lassen, ohne uns durch Bücher durchzuarbeiten, wir können Bilder entstehen lassen, ohne selber einen geraden Pinselstrich ziehen zu können … KI – so scheint es – macht also alles ein bisschen besser, auch uns selber.
Doch die Einschätzung von Chat GPT & Co ist sehr unterschiedlich. Was für die einen ein faszinierendes Werkzeug zur Erlangung individueller Kreativität ist, bedeutet für die anderen das Verlernen grundlegender Kulturtechniken, den Verlust zwischenmenschlicher Kommunikation auf allen Ebenen und ein Unterordnen unter eine zentralisierte Überwachungsmaschinerie.

Ohne bislang allzu tief in die Materie eingetaucht zu sein, fragen wir uns, wie sich die breite Nutzung von „KI“ auf uns, unsere unmittelbaren Beziehungen, aber auch auf die gesamte Gesellschaft auswirken wird.

Aus vorangegangenen Veranstaltungen haben wir dazu bereits gelernt, dass Automatisierung / Roboterisierung tatsächlich nicht das Ziel verfolgt, menschenähnliche Maschinen zu konstruieren, sondern den Menschen an die Maschinen anzupassen (s. dazu VA über das Buch von M. Becker „Automatisierung und Ausbeutung“ vom 27.03.2018 – https://laiens.club/2018/01/06/automatisierung-und-ausbeutung-diskussionsveranstaltung/. Diesen und andere Gedanken wollen wir in der Sommerpause weiterverfolgen und mit Euch Ende Juli über Fragen diskutieren wie:

Wie werden wir uns / wie wird sich die Gesellschaft durch den Einsatz von so genannter KI verändern?

Was könnte der Sinn und Zweck des Verfügbarmachens von KI aus einer Herrschaftsperspektive sein?

(Wie) können wir uns mutmaßlich vorhandenen negativen Auswirkungen entziehen?

Vorab schon einmal dies: Die Aussage, dass Computerprogramme „intelligent“ sind, ist mit herkömmlichen – und wissenschaftlichen – Vorstellungen von Intelligenz nicht haltbar. Erinnert sei hier an Damasio (Neurologe) und seine (wissenschaftliche) Feststellung, dass kognitive Kompetenzen ohne Verknüpfung mit Emotionen zu völlig „unintelligenten“ Lösungen und Verhaltensweisen führen (Damsio, Antonio, R. „Descartes‘ Irrtum“, Goldmann 2000 / engl. Erstaufl. 1994).
Und „technisch“ überlegen sind wir auch ganz eindeutig: Selbst wenn wir nur dasitzen und nichts tun, „schleust unser Gehirn in dreißig Sekunden mehr Informationen durch, als das Hubble-Weltraumteleskop in dreißig Jahren verarbeitet hat. Ein Krümel Großhirnrinde ( … ) kann 2.000 Terabyte an Informationen enthalten, genug, um alle jemals gedrehten Filme einschließlich der Trailer zu speichern. ( … ) Schätzungen zufolge kann das Gehirn Informationen speichern, die den gesamten digitalen Inhalten der Welt von heute entsprechen“ (Bill Bryson „Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers“, Goldmann, S. 85).

Na, das lässt doch hoffen 😊

Links – Rechts = Vorfahrt oder Sackgasse?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 27.Mai 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Str.7

Manche glauben: Rinks und lechts, das kann man nicht velwechsern – Werch ein Illtum
(Ernst Jandl)

Töten unter dem Banner der Gleichberechtigung…

Lange vor der Zäsur, die Corona gesetzt hat, haben wir erleben müssen, dass (vermeintlich) linke Politik sich mehr und mehr des Klassenkampfes entledigte. Stattdessen wurden Kämpfe um Chancengleichheit (in einem als unveränderbar „gesetzten“ System) geführt. An die Stelle des Universalismus und der Betonung der Gemeinsamkeiten aller Lohnabhängigen traten Ausgleichsforderungen für die verschiedensten „Opfergruppen“ des Systems Kapitalismus. Es wurde aber eben nicht mehr der Kapitalismus bekämpft, sondern für einen „gerechten“ Platz der „Unterprivilegierten“ innerhalb des Systems gestritten. So wurde ein „Wettbewerb der Opfer“ in Gang gesetzt, der eine Aufsplitterung der Gesellschaft in immer kleinere Gruppierungen provozierte. Gruppierungen, deren Gemeinsamkeit weniger eine gemeinsame soziale Realität, sondern vielmehr eine gemeinsame Identität war. Was dann in der Folge eine Überbetonung der verschiedenen identitätsstiftenden Aspekte mit sich brachte. Je nachdem mit welchem „Ticket“ man sich Zutritt zu den Futtertrögen der Gesellschaft verschaffen wollte, rückte der entsprechende Aspekt in den Fokus und durfte natürlich nicht vernachlässigt werden, denn: Opferrolle weg = Privilegien weg.
In den Corona-Jahren erlebten wir dann, dass „Linke“ forderten, sich aus „Solidarität“ impfen zu lassen, seit Beginn des Krieges in der Ukraine mit Waffen den Frieden sichern wollen oder die AFD hassen, um dem Faschismus entgegenzutreten.
ABER:
Sind solche Forderungen wirklich mit „traditionellen“ linken Werten vereinbar?
Oder sind sie gar eine Weiterentwicklung derselben?
Und wenn nicht: Was genau macht unser Unbehagen aus, wenn wir uns diese Neuauflage linker Politik anschauen?
Was sind überhaupt „traditionell linke Werte“?
Was unterscheidet die „klassische“ Auffassung von links von der heute als links geltenden?

Darüber möchten wir mit Euch diskutieren.

Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge!

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 29.April 2025 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Str.7

März 1999: Der damalige deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping tritt vor die Presse und erzählt von einem „Hufeisenplan“ der serbischen Regierung zur Vertreibung der albanischstämmigen Bevölkerung des Kosovo. Damit wird nachträglich die völkerrechtswidrige Bombardierung Serbiens und des Kosovo durch die NATO legitimiert.
Heute: Eingestandenermaßen war es eine Lüge.

Januar 2003: Der US- Außenminister Colin Powell winkt vor dem UN-Sicherheitsrat mit einem Reagenzglas, in dem sich eine Substanz aus einem Biowaffenprogramm der irakischen Regierung befinde. Damit wurde der völkerrechtswidrige Krieg der „Koalition der Willigen“ gegen den Irak legitimiert.
Heute: Eingestandenermaßen war es eine Lüge; im Gegensatz zu Scharping und Fischer entschuldigte sich Powell später.

So funktioniert es bis heute: Kriege werden mit Begründungen in Gang gesetzt, die später nonchalant als „Irrtum“, als fehlerhafte Interpretation von ominösen Geheimdienstinformationen oder auch auch bewusste Falschinformation eingestanden werden. Die zahllosen Toten können keine Gerichtsverhandlungen mehr anstrengen, die Sieger eines Krieges stellt niemand vor ein Gericht.

Wir erinnern uns z.B. an die kürzliche Sprengung der Nord-Stream- Gaspipeline. Niemand untersucht ernsthaft, wer sie durchgeführt hat. Es fragt auch niemand mehr danach. Trotzdem dient sie irgendwie als Beispiel für hybride Kriegsführung gegen „uns“ und damit als Begründung für eine weitere Aufrüstung gegen Russland… Beschädigte Internetkabel in der Ostsee, niemand weiß Genaues, niemand fragt nach, aber es könnte mit Putin zusammenhängen – jederzeit steht jemand mit einem brennenden Streichholz an der Lunte, aber es gibt keinen öffentlichen Skandal.

Wie und warum funktioniert die Manipulation der herrschenden Meinung?
Wie können wir versuchen, den Durchblick zu behalten und woran erkennt man Verzerrungen und Manipulation?

Wir wollen diesen Fragen nachgehen: zum einen mit einem WDR- Film über die propagandistische Einleitung des Kosovo- Krieges 1999 und zum anderen mit einer Vorstellung des „Kochbuchs“ der Kriegspropaganda des us-amerikanischen Kommunikationstheoretikers Harold Lasswell, der u.a. während des Zweiten Weltkrieges Leiter der Abteilung für die „Study of War Time Communications“ des amerikanischen Kongresses war.

In Zeiten, in denen sich die zur Verfügung stehenden Informationsquellen vervielfacht haben, steht man / frau immer häufiger vor der Frage, ob und wie diesen zu trauen ist – oder eben nicht. Während den offiziellen Medien einer aktuellen Umfrage zufolge etwa 44 Prozent voll und ganz vertrauen* und sogar 64 Prozent insbesondere die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten für sehr oder eher vertrauenswürdig halten, werden alternative Medien und ganz explizit social media eher kritisch gesehen: Laut einer Umfrage der Universität Mainz hielten nur 4 Prozent der Befragten alternative Nachrichtenportale für sehr oder eher vertrauenswürdig**. Nun wird ein Medium aber nicht dadurch vertrauenswürdig, dass Nutzer es – nach intransparenten und vermutlich subjektiven sowie sehr unterschiedlichen Beurteilungskriterien – für vertrauenswürdig halten, sondern es gilt ja zunächst einmal, anhand transparenter und nachvollziehbarer Kriterien zu überprüfen, ob ein Medium dieses Etikett verdient oder nicht.
Dazu wollen wir beispielhaft die Berichterstattung über Serbien vor dem NATO-Einsatz gegen Rest-Jugoslawien in Erinnerung rufen sowie die nachträgliche Aufdeckung der Begründung für die NATO-Bombardierung als Konstrukt (dazu schauen wir uns einen Filmbeitrag des WDR an). Wer nun denkt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ wurde ja schon anhand der eingangs genannten Zahlen eines Besseren belehrt. Daher wollen wir uns mit der Frage beschäftigen: „Wie machen „DIE“ das?“ Wie schaffen es öffentlich-rechtliche Medien, ihre Falschinformationen von gestern vergessen zu machen und das Vertrauen der Menschen immer wieder zu gewinnen um es dann erneut zu hintergehen? Welches sind die Techniken und Strategien der Propaganda, die offenbar so macht- und wirkungsvoll sind, dass wir uns ihnen nicht oder kaum entziehen können? Worauf sollten wir achten, um Propaganda entdecken zu können und wie können wir uns ihrer subtilen Wirkung entziehen? Wie kann man Information von Propaganda unterscheiden? Wenn wir diese Fragen beantworten, können wir Informationen aus öffentlich-rechtlichen UND so genannten alternativen Medien nutzen, da wir ihre Glaubwürdigkeit sehr viel besser beurteilen und einschätzen können. Damit kann es gelingen, ein umfassendes Bild der aktuellen Geschehnisse zu bekommen, das uns letztendlich dabei hilft, uns eine fundierte Meinung bilden zu können.
Wir knüpfen mit dieser Veranstaltung an die filmische Darstellung des unseligen Wirkens eines Edward Bernays an, die wir 2019 gemacht haben. Seine Praktiken und Techniken haben – allgemein akzeptierten – Eingang in die moderne PR gefunden und sind im Laufe der Zeit verfeinert worden.

* https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1285575/umfrage/vertrauen-in-die-medien-in-deutschland/

** Studie der Universität Mainz, s. https://medienvertrauen.uni-mainz.de/forschungsergebnisse-der-welle-2023//

Ernst Toller: „Nie wieder Friede!“

Szenische Lesung zum Mitmachen
Freitag, 25.April 2025 um 19 Uhr
Buchhandlung Horizonte, Bremer Str.6 in Harburg

Was passiert, wenn sich der Heilige Franziskus auf eine Wette mit dem ehemaligen französische Kaiser Napoleon einlässt? Eine Wette darüber, ob die Beteuerungen einer neuen Regierung, nun aber endgültig und für alle Zeiten den Frieden auszurufen, ernstzunehmen sind.

Dieses Stück des Dramatikers Ernst Toller haben wir vor einem Jahr schonmal gemeinsam gelesen. Nun wiederholen wir diese Lesung an einem neuen Ort, zusammen mit der Friedensinitiative Hamburg-Süd. Wir laden euch herzlich ein, vorbeizukommen und mitzulesen!