Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 31.März 2026 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Rosa L. sitzt im Gefängnis. Verurteilt wegen einer Rede vor drei Jahren in Frankfurt am Main, in der sie gegen den heraufziehenden Krieg agitierte. Verurteilt und anschließend in Sicherheitsverwahrung genommen. Das Unheil, das seinen Lauf genommen hat, kann sie nur aus dem Zuchthaus kommentieren. Wann hat es seinen Anfang genommen?
Nun es geht um Rosa Luxemburg, den Ersten Weltkrieg, die interationale Arbeiterbewegung und das Jahr 1916; oder geht es doch um uns und das Jahr 2026? Luxemburg schrieb 1916 eine Broschüre unter dem Titel „Die Krise der Sozialdemokratie“. In dieser ging es vordergründig um „ihre“ Partei, die deutsche SPD, aber darüber hinaus um die internationale Arbeiterbewegung, deren Führer sich noch wenige Tage vor dem Kriegsaufbruch feierlich schworen, niemals die Waffe gegen ihre Klassenbrüder in anderen Ländern zu erheben. Mit Kriegsausbruch waren alle diese Schwüre bis auf wenige Ausnahmen vergessen. Das Blutvergießen und Verzicht für die Heimatfront segneten fast alle Arbeiterparteien auf allen Seiten ab.
Dieses Umfallen hat Rosa Luxemburg zwar nicht komplett überrascht, aber tief getroffen. Lange Jahre hatte sie gegen den aufkommenden Militarismus und dessen Akzeptanz in ihrer eigenen Partei gekämpft. Sie versuchte allerdings, den Krieg nicht als persönliches Versagen einzelner Menschen und Politiker oder als entgleisten Konflikt zwischen Staaten zu erklären; statt dessen begriff sie ihn als Ausdruck der gesellschaftlichen Widersprüche im weltweiten Kapitalismus. Dieser Ansatz macht es auf den ersten Blick schwierig, denn er lässt die Illusion verfliegen, mit der Abwahl dieser oder der Wahl jener Regierung werde wieder Frieden einkehren. Auf den zweiten Blick macht er aber auch deutlich, dass es nur an „uns“ als arbeitender Bevölkerung liegt, den Krieg und die dem Krieg zugrunde liegende Ordnung zu beenden. Die Macht liegt letzten Endes nicht bei Frau von der Leyen, Trump, Putin oder Khamenei.
Luxemburgs Bestehen darauf, dass der Krieg, auch wenn er formell zwischen Staaten geführt wird, immer gegen die „eigene“ Bevölkerung gerichtet ist, lässt sie in Widerspruch zu einer linken Politik stehen, die sich darin erschöpft, „Solidarität“ (mit wem auch immer) einzufordern. Diese Politik lenkt davon ab, dass der Krieg primär dazu dient, die arbeitende Bevölkerung politisch und im Alltag zu disziplinieren, ihren Lebensstandard zu senken und die Profitraten zu retten; darum geht’s – ob hier oder in Russland oder den USA…
Ihr Beharren darauf, dass es letztlich die Macht des arbeitenden Volkes in Massenstreiks und sozialem Widerstand ist, die über den weiteren Weg entscheidet, trennt sie von Parteipolitikern, die opportunistisch und taktisch handeln und an die Macht einer straff geführten Partei glauben.
Ihr Standpunkt, dass es durchaus Unterschiede nationaler Kulturen usw. gebe, aber Nationalstaaten historisch nur für die Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften wichtig waren, macht sie unbrauchbar für eine wesentliche Strömung unter Linken, in der nationale „Befreiung“ die einzige Perspektive zu sein scheint (wie z.B. in Kurdistan).

Ihre grundsätzliche Ablehnung des staatlich organisierten Mordens unterscheidet sie von Friedenspolitikern, die von hier nach da springen, um jeweils einen „Separatfrieden“ unter dem Austarieren nationaler Interessen zu vermitteln.
Sie war zwar Humanistin, aber keine Pazifistin; ihr war klar, dass eine Gesellschaft, die auf Gewalt gegründet ist, auch nicht ohne Gewalt verändert werden kann. Ihre Parole gegen die Wehrpflicht und den Kadavergehorsam des Heeres war die Bewaffnung des Volkes. Das unterscheidet sie von religiös- moralischen Haltungen.
Die Welt ist im Detail heute sicherlich anders als 1916. Aber die Grundprobleme sind geblieben. Wir wollen einige zentrale Gedanken von Rosa Luxemburg zum Militarismus, der „Krankheit des Kapitalismus“ vorstellen. Anschließend möchten wir versuchen, diese Gedanken und Fragestellung auf unsere heutige Situation zu übertragen – und zu diskutieren!












