Die Entgleisung. Ein Roman von Inge von Wangenheim

Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 26.Oktoberber 2018, 19.30 Uhr   —   WangenheimMehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Das thüringische Dorf Groß-Naschhausen ist zwar verschlafen, spürt aber den Puls der Zeit. Es liegt nämlich mitten zwischen Rom und Stockholm. Auf dieser Interzonenstrecke rattern regelmäßig auch Güterzüge über die Gleise. Durch eine winzige Unaufmerksamkeit entgleist eines Nachts der letzte Waggon eines Güterzuges. Der Inhalt purzelt den Bahndamm herunter und wird am nächsten Morgen von den ersten Schulkindern verwundert zur Kenntnis genommen. Es handelt sich um pikante Erzeugnisse der „VEB Graphische Werkstätten“ für den Export nach Schweden. Kinder, Ehemänner und ihre Frauen, die Staatsmacht, die lokale Schule, seriöse Bürger, und nicht zuletzt die Partei bekommen damit zu tun. Nicht zu fassen ist weniger, was gezeigt wird, sondern, dass diese Bilder in der sozialistischen DDR produziert worden sein sollen! Aufrufe zur Wiederbeschaffung des »Verlustgutes« bleiben ebenso folgenlos wie eine Einwohnerversammlung. Weiterlesen

Automatisierung und Ausbeutung – Diskussionsveranstaltung

 

Dienstag, 27. März 2018 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

Wie wird heute von den Unternehmern versucht, „Mehrwert“ zu erzeugen? Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ (oder „internet of things“ etc.) wird eine neue industrielle Revolution verkündet, mit einer neuen Welle der Rationalisierung, Automatisierung, dem Wegfall von Millionen von Jobs und der endgültigen „Herrschaft der Maschine“. Letzten Endes geht es um die Vorstellung von „intelligenten“, lernenden und miteinander vernetzten Robotern.chaplin

Parallel ist der Begriff der „Sharing Economy“ (oder auch „Gig Economy“ oder „crowd work“ oder…) in aller Munde; gemeint sind Unternehmensformen, bei der viele selbstständig Arbeitende von „Plattformfirmen“ gelenkt werden.

Wir laden Menschen aus verschiedenen Betrieben ein, etwa aus Industrie-, Umschlag- und Lagerbetrieben (auch Hafen) und von Lieferdiensten / Kuriere. Das Ziel der Veranstaltung ist es, konkrete Erfahrungen und Beobachtungen in einzelnen Betrieben in einem Zusammenhang zu diskutieren; d.h. es soll nicht so sehr um Details gehen, sondern darum, zu versuchen, die beobachteten Veränderungen auf einer etwas abstrakteren Ebene zu sehen: Wie verändern sich Arbeitsstrukturen insgesamt, über die einzelnen Betriebe hinaus? Wo werden tatsächlich Arbeitsstellen wegrationalisiert? Welche Arbeiten werden möglicherweise automatisiert? Welche Folgen hätte eine Automatisierung für die verbleibenden (oder möglicherweise neuen) Arbeiten? Weiterlesen

»Die Abstiegsgesellschaft«

Zurückliegend: Veranstaltung vom 31. Oktober 2017

Die Feststellung, dass es im Kapitalismus ungerecht zugeht, ist banal. Darüber, dass die Kluft zwischen arm und reich wächst, wird viel geschrieben.

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Und darum geht es auch in dem Buch »Die Abstiegsgesellschaft« des Soziologen Oliver Nachtwey. Einige seiner Thesen über den gegenwärtigen Kapitalismus scheinen uns interessant. Es geht um eine Mittelschicht, die sich vom Abstieg bedroht fühlt. Um die Behauptung, dass eine allgemein zugängliche Bildung Chancengleichheit im Wettbewerb schafft. Nachtwey schaut auf den grassierenden Individualismus, bei dem Armut und Scheitern zur eigenen Niederlage werden, statt als Ausdruck gesellschaftlicher Ungerechtigkeit wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt geht es um die Situation bei der Arbeit, wenn z.B. der Kollege neben mir seine Arbeitskraft zu ganz anderen Bedingungen verkauft, als ich?

Wir möchten euch das Buch kurz vorstellen und laden euch ein, mit uns einige der unten aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.

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Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 2

zurückliegend!              Am 30. Mai 2017

DigiDemenz_1Am zweiten Abend  gehen wir der Frage nach, inwieweit wirklich das »Große Vergessen« auf uns lauert. Beobachten wir selber so etwas wie eine »digitale Demenz«, machen Google und Günther Jauch uns matschig im Kopf? Götz Eisenberg meint, »ja!«.

Wir wollen alles und zwar jetzt!“: Gesellschaftlichkeit stelle sich heute vor allem durch Konsum und Konsumieren her. Ironischerweise habe die 68er-Bewegung zwar die verknöcherte Wirtschaftswunder- und Aufbaugesellschaft mit ihrer Verzichtsmoral überwunden, aber um den Preis einer oberflächlichen Konsumgesellschaft. Der Konsum von Dingen hat aber nur eine Gegenwart, er brauche keine Vergangenheit und keine Zukunft. Deshalb sei Demenz nur eine logische Konsequenz für den einzelnen Menschen.

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Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 1

Zurückliegend: Veranstaltung vom 25. April 2017

Menschen fahren mit ihren Autos in Menschenmengen, Schüler schießen in der Schule um sich, Piloten lassen Flugzeuge abstürzen… scheinbar grundlose Gewalt greift um sich.

Warum, was ist los in dieser Welt??

Ein ehemaliger Knastpsychologe aus Gießen namens Götz Eisenberg hat eine Sammlung von kurzen Texten unter dem Titel »Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus« veröffentlicht. Unsere Gesellschaft bewegt sich heute zwischen den beiden Polen einer ziellosen Aggression und einer Kultur des Vergessens – Demenz als Ausdruck einer völligen Ent-Persönlichung.

Es gelingt ihm, Alltagsbeobachtungen als Ausgangspunkt des Nachdenkens über gesellschaftliche Entwicklungen zu nutzen. Insofern eignet sich das Buch sehr gut als Anregung für eine Diskussion.

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