»Die Abstiegsgesellschaft«

Zurückliegend: Veranstaltung vom 31. Oktober 2017

Die Feststellung, dass es im Kapitalismus ungerecht zugeht, ist banal. Darüber, dass die Kluft zwischen arm und reich wächst, wird viel geschrieben.

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Und darum geht es auch in dem Buch »Die Abstiegsgesellschaft« des Soziologen Oliver Nachtwey. Einige seiner Thesen über den gegenwärtigen Kapitalismus scheinen uns interessant. Es geht um eine Mittelschicht, die sich vom Abstieg bedroht fühlt. Um die Behauptung, dass eine allgemein zugängliche Bildung Chancengleichheit im Wettbewerb schafft. Nachtwey schaut auf den grassierenden Individualismus, bei dem Armut und Scheitern zur eigenen Niederlage werden, statt als Ausdruck gesellschaftlicher Ungerechtigkeit wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt geht es um die Situation bei der Arbeit, wenn z.B. der Kollege neben mir seine Arbeitskraft zu ganz anderen Bedingungen verkauft, als ich?

Wir möchten euch das Buch kurz vorstellen und laden euch ein, mit uns einige der unten aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.

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Zahlen oder nicht? – Wie notwendig sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?

Zurückliegend: Veranstaltung vom 26. September 2017

Sicher kennen Sie das: Sie gehen wegen einer Routineuntersuchung zum Arzt und bekommen bei der Anmeldung ein Informationsblatt, auf dem Ihnen eine oder mehrere Untersuchungen offeriert werden, die Sie selber bezahlen sollen. Untermalt sind diese Angebote häufig mit Hinweisen darauf, dass Studien erwiesen haben, dass die Wahrnehmung dieser Untersuchungen ermöglicht, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und somit besser und sicherer heilen zu können. Die „Arzthelferinnen“ (jetzt „Medizinisch-technische Assistentinnen) haben oft noch eine passende Geschichte parat „Erst letzte Woche w1_Mafalda-e-il-mappamondo-2ar jemand hier, bei dem Krankheit xy entdeckt worden ist“ und schon hat man das Gefühl, vom Irrsinn befallen zu sein, sollte man diese Untersuchung(en) ablehnen.

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Literarische Lesung: Thomas Strittmatter – Die Liebe zu den drei Orangen

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zusammen!

Zurückliegend: Veranstaltung vom 22. August 2017

Thomas Strittmatter – Die Liebe zu den drei Orangen

Prinz Torte ist nicht gerade ein Bilderbuchprinz: Nicht nur ist er hypochondrisch und depressiv, nein, auch fürchterlichen Mund- und Fußgeruch plagen ihn und seine Umgebung. Die Ärzte sehen kaum noch Hoffnung. Sein Vater, der König Käse, ist darüber unglücklich, denn er würde nur zu gerne in Rente gehen. Im Hintergrund lauert schon die intrigante Prinzessin Mortadella, die mit Hilfe des Kammerdieners Suppe den Thron erobern will. Sie suchen die Hilfe der fürchterlich hässlichen und fiesen Seehexe Lotte Langustine. Die „gute“ Seite kann auf die Hilfe des Magiers Sellerie zählen, der zwischendurch als schweizer Bankier Stützli oder als Teufelchen Rösti auftritt. Der teuflische Plan der Bösen, das Ableben des Prinzen durch den reisenden Entertainer Theo Trüffel und dessen tödlich- langweiligen Witze zu beschleunigen, verkehrt sich ins Gegenteil, denn Trüffel erweist sich als treuer Diener des Prinzen. Zusammen reisen sie ins Land Polenta, wo es drei Orangen zu bergen gilt, in die der Prinz unsterblich verliebt ist…

Thomas Strittmatter (1961–1995) hat das 200 Jahre alte Märchen von Carlo Gozzi in ein sehr eigenwilliges und groteskes Drama umgeschrieben.

Wir laden am 25. August zu einer gemeinsamen szenischen Lesung ein – wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach.

19.30 Uhr im Kulturverein „Alles wird schön“, Friedrich-Naumann-Str.27

Wer Spaß hat, kleine Verkleidungen für die Rollen zu basteln, ist am Dienstag, den 22. August um 18 Uhr in den Mieterpavillon eingeladen, Fr.-Naumann-Str.5

Militarisierung und Krieg: Wenn die Ausnahme zum Normalzustand wird

Zurückliegend: Militarisierung unserer Gesellschaft

zwei Veranstaltungen am 20. und am 27.Juni.

Wir fragen uns: Wie passt zusammen, dass auf Seiten der Bevölkerung…

  • eine deutliche Mehrheit bei Umfragen die Kriegs- und Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnt,
  • die Bundeswehr Probleme hat, genügend Soldaten zu finden,
  • Schüler regelmäßig gegen Werber der Bundeswehr an Schulen protestieren,
  • Studierende sich gegen Kooperationen ihrer Unis mit Militärs und Rüstungsindustrie wehren

….während gleichzeitig der Staat unbeeindruckt…

  • die Zahl und den Umfang der Kriegseinsätze der Bundeswehr permanent gesteigert hat,
  • die Bundeswehr nur an der Oberfläche verkleinert wurde,
  • durch Auslagerung und Privatisierung immer mehr ZivilistInnen in den militärischen Apparat einbindet,
  • öffentliche Aufmärsche von Polizei und Militär inszenieren kann,
  • Armee und Polizei in Hinsicht auf Bewaffnung und Kommandostrukturen verschmelzen kann.

Wie ist das alles möglich??

Haben wir alle letztendlich Angst, dass es ohne Krieg im Ausland noch schlimmer werden und das Chaos der Welt hier einbrechen würde? Oder ist die Bundeswehr durch Privatisierungen im Alltag gewissermaßen unsichtbarer geworden?

Oder sind wir alle so »wohlstandsträge« geworden, wie die Rechten behaupten, dass wir uns zwar selber nicht den Unbequemlichkeiten des afghanischen Kriegseinsatzes aussetzen wollen, aber ganz froh sind, wenn es andere für uns tun?

Wir wollen uns an zwei Abenden mit diesen Fragen beschäftigen.

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Militarisierung unserer Gesellschaft

SONY DSCZurückliegend: Veranstaltung vom 27. Juni 2017

Für den zweiten Abend am 27.Juni haben wir einen Vertreter der DFG / VKDeutsche Friedensgesellschaft – Vereinte KriegsdienstgegnerInnen«) eingeladen. Er wird die Entwicklung des Rüstungsetats darstellen und aufzeigen, aus welchen zahlreichen Kanälen die Erhöhung der Rüstungsausgaben gespeist wird. Die in den Medien diskutierte Erhöhung des Rüstungsetats auf zwei Prozent des Bruttoinlands­ produktes würde nochmal eine gute Verdopplung der Ausgaben bedeuten!
Was bedeutet diese Entwicklung für uns? Welche Veränderungen werden sich zwangsläufig aus einer weiteres Stärkung der Bundeswehr ergeben?

  • Wie verschiebt sich z.B. die Grenze zwischen Krieg und Frieden?1706_BW
  • Wird aus Legitimationsgründen für die höheren Ausgaben möglicherweise Einsatzbedarf für die Bundeswehr künstlich geschaffen, indem etwa Konflikte schneller militärisch »gelöst« werden?
  • Welche Auswirkungen haben zunehmende militärische und kriegerische Auseinandersetzungen auf die Zivilgesellschaft?
  • Wird Krieg auf diese Weise (wieder) diskutierbar und salonfähig?

Dies sind einige Fragen, die uns bewegen und über die wir sprechen wollen.
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Dienstag, 27. Juni 2017 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

Film: Deserteure der US-Armee

Zurückliegend: Veranstaltung vom 20. Juni 2017

Am ersten Abend in unserer kl1706_Mejioeinen Reihe „Krieg und Militarisierung“ steht im Vordergrund, dass es auch innerhalb der kriegsführenden Armeen Widerstand gibt: Am 20. Juni zeigen wir einen Film über Deserteure des »War on Terror«. In ihm wird ein für uns wichtiger Punkt deutlich: ein großer Teil der Fußtruppen der NATO-Armeen ist aus finanzieller Not in der Armee gelandet. Ein Lateinamerikaner aus den USA erzählt in der Dokumentation, wie er in der bru
talen Behandlung der Bevölkerung des Irak die soziale Misere von Einwanderern in den USA wiedererkennt. Auch die Bundeswehr rekrutiert ihre unteren Dienstgrade vor allem in von Armut und Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Regionen.
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Dienstag, 20.Juni 2017 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 2

zurückliegend!              Am 30. Mai 2017

DigiDemenz_1Am zweiten Abend  gehen wir der Frage nach, inwieweit wirklich das »Große Vergessen« auf uns lauert. Beobachten wir selber so etwas wie eine »digitale Demenz«, machen Google und Günther Jauch uns matschig im Kopf? Götz Eisenberg meint, »ja!«.

Wir wollen alles und zwar jetzt!“: Gesellschaftlichkeit stelle sich heute vor allem durch Konsum und Konsumieren her. Ironischerweise habe die 68er-Bewegung zwar die verknöcherte Wirtschaftswunder- und Aufbaugesellschaft mit ihrer Verzichtsmoral überwunden, aber um den Preis einer oberflächlichen Konsumgesellschaft. Der Konsum von Dingen hat aber nur eine Gegenwart, er brauche keine Vergangenheit und keine Zukunft. Deshalb sei Demenz nur eine logische Konsequenz für den einzelnen Menschen.

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Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 1

Zurückliegend: Veranstaltung vom 25. April 2017

Menschen fahren mit ihren Autos in Menschenmengen, Schüler schießen in der Schule um sich, Piloten lassen Flugzeuge abstürzen… scheinbar grundlose Gewalt greift um sich.

Warum, was ist los in dieser Welt??

Ein ehemaliger Knastpsychologe aus Gießen namens Götz Eisenberg hat eine Sammlung von kurzen Texten unter dem Titel »Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus« veröffentlicht. Unsere Gesellschaft bewegt sich heute zwischen den beiden Polen einer ziellosen Aggression und einer Kultur des Vergessens – Demenz als Ausdruck einer völligen Ent-Persönlichung.

Es gelingt ihm, Alltagsbeobachtungen als Ausgangspunkt des Nachdenkens über gesellschaftliche Entwicklungen zu nutzen. Insofern eignet sich das Buch sehr gut als Anregung für eine Diskussion.

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Zurückliegend: Veranstaltung vom 28. Februar 2017

„Lasset euer Schwert nit kalt werden, lasset nit verlähmen! Schmiedet pinke-panke auf den Anbossen Nimrods, werfet ihnen den Turm zu Boden!“

Thomas Müntzer – Manifest an die Mansfeldischen Bergknappen, 1525

Die Gesellschaft fällt auseinander. Die Reichen werden immer reicher. Die Institutionen verlieren ihren Sinn und ihre Legitimation. Jahrelange soziale Unruhen, Streiks und lokale Aufstände. Die Herrschenden sind verunsichert – Zugeständnisse wechseln sich mit blutigen Strafaktionen ab.

Eines Tages mündet alles in einen einzigen Aufstand. Die Apokalypse, das Ende der Welt, und der Beginn einer neuen Zeit stehen auf der Tagesordnung. Doch für die revoltierenden Menschen ist die Zeit zu kurz, ein neues Gesellschaftsmodell zu entwickeln. Die Niederlage und die Rache der Herrschenden ist fürchterlich. Sie kaufen sich Söldner, hetzen die Menschen gegeneinander auf; um ihre Pfründe zu sichern, reißen sie die Welt in den Abgrund.

Vormalige Reformer geifern auf einmal, der Staat solle rücksichtslos mit dem revoltierenden Mob aufräumen.

Überlebende Revolutionäre versuchen einen neuen Anlauf. Statt das Land zu kontrollieren, wollen sie nun in den Städten, den Zentren der Macht, die Herrschaft erobern – auch durch eine Strategie des Terrors. Angst vor ′Mordbrennerei′ wird von den Herren weiter geschürt, dient als Begründung für staatlichen Terror, Repression und Abschaffung von individuellen Freiheiten. Das Ergebnis? Ein dreißgjähriger Krieg – und die Geburt der Gesellschaft, wie wir sie kennen.

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Afghanistan – Kriegspolitik und Flucht

Zurückliegend: Veranstaltung vom 21. März 2017

»Wir wollen bleiben! »wir« ist die internationale Völkergemeinschaft, Soldaten und Polizisten, deutsche Soldaten und deutsche Polizisten. Damit die Sicherheit in Afghanistan besser wird. Und wenn wir bleiben, dann können wir auch erwarten, dass die Afghanen in ihrem eigenen Land bleiben« (Thomas de Maizière, 2016)

Seit im Dezember die erste Sammelabschiebung von Geflüchteten aus Afghanistan zurück in ihr von Jahrzehnten des Krieges zerstörtes Heimatland stattfand, ist das Land wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Wir wollen uns an diesem Abend mit der zynischen deutschen Abschiebe- und Kriegspolitik beschäftigen. Wir wollen uns die Geschichte des Krieges in Afganistan noch einmal anzusehen. Beginnen wollen wir in den 70er Jahren, nach dem Ende der Monarchie, mit der gezielten Förderung eines Bürgerkrieges bis hin zu den Taliban und dem Krieg sowie der Besetzung Afghanistans seit 2001.

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