Weiße Lügen, schwarze Wahrheiten

Diskussion entlang des Buches »Erwachsenensprache« von Robert Pfaller.

Dienstag, 24.April um 19.30 Uhr
Mieter-Pavillon, Friedrich-Naumann-Str. 7

Menschen benutzen Sprache, um sich über die Wirklichkeit zu verständigen. Damit wird Sprache zu einem Abbild der menschlichen Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist jedoch nicht immer schön.

Die Mächtigen haben es nicht gern, wenn man die Wahrheit ausspricht. Während sie sich bei der Verschleierung der Wahrheit feiner und beschönigender Begriffe bedienen, erfordert das Aussprechen der Wahrheit häufig die Verwendung unschöner Ausdrucksweisen, um die – ebenfalls unschöne Wahrheit – angemessen wiederzugeben. Genau dies wird nun aber neuerdings massiv sanktioniert: Triggerwarnungen sollen die Zartbesaiteten vor allzu rüden Ausdrucksweisen und deren Auswirkungen auf ihre ebenso zartbesaitete Seele schützen. Problematisiert und sozial abgestraft wird also nicht die brutale Wahrheit, sondern das Aussprechen derselben.

Robert Pfaller kritisiert diese Art der Sprache und der »Political Correctness« in seinem Buch »Erwachsenensprache«. Für ihn ist sie eine hilfreiche Methode, der neoliberalen Ausbeutung und Verarmung ein fortschrittliches Gesicht zu geben. Mit dem Bauchpinseln von Identitäten können sich Parteien modern und weltoffen zeigen während sie gleichzeitig das Rentenalter hochsetzen. Weiterlesen

„Es gibt nichts Praktischeres, als eine gute Theorie“ (Kurt Lewin)

Dienstag, 30. Januar 2018 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon, Hamburg-Heimfeld
Friedrich-Naumann-Str. 7

Charley_BrownVor einem Jahr sendete der Deutschlandfunk anlässlich des Erscheinens des „Kapitals“ vor 150 Jahren eine Reihe, in der verschiedene Autoren zu Wort kamen, „nicht marxologisch, nicht akademisch, sondern um ihre Brauchbarkeit zu untersuchen, und das durchaus subjektiv, essayistisch und mit Gegenwartsbeobachtungen durchsetzt. Ihren Blick richten sie auf die politischen Möglichkeiten der Gegenwart, denn darauf, so Marx, kommt es an: die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie zu verändern.“

Im ersten Text dieser Reihe erläutert und kommentiert Mathias Greffrath die Ausführungen zum Mehrwert: Deutschlandfunk, RE: Das Kapital (1/6). Aktuelle Brisanz der Marxschen Kategorie

Wir wollen an seine persönlichen Ausführungen anknüpfen, indem wir unsere eigenen Fragen formulieren und für den „Notfall“ ein Exemplar des »Kapitals« bereitliegen haben…

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Filmabend: »National Bird. Wohin geht die Reise, Amerika?«

Film von Sonia Kennebeck, 2017

NationalBirdDienstag, 6. Februar 2018 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon, Hamburg-Heimfeld
Friedrich-Naumann-Str.7

Mit Hilfe der Aussagen von drei mutigen Informanten, die am US Drohnenprogramm mitarbeiteten, deckt dieser Dokumentarfilm einige verstörende Wahrheiten über amerikanische Kriegführung auf.“ (The Guardian)

Konnebeck rückt die leidtragenden Menschen ins Bild. Sie zeigt, wie aus Tätern Opfer ihrer Taten werden. Nicht nur die DrohnenpilotInnen und die SensorbedienerInnen begreifen, dass sie Teil der automatisierten Tötung sind, sondern auch die BildauswerterInnen, die im Hintergrund arbeiten.

Der Film blickt aber auch auf die Opfer, tausende Kilometer entfernt von den TäterInnen. Sprechen können nur noch die Überlebenden der Drohnenangriffe. Weiterlesen

Automatisierung und Ausbeutung – Diskussionsveranstaltung

 

Dienstag, 27. März 2018 – 19:30 Uhr
Mieter-Pavillon
Friedrich-Naumann-Str.7

Wie wird heute von den Unternehmern versucht, „Mehrwert“ zu erzeugen? Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ (oder „internet of things“ etc.) wird eine neue industrielle Revolution verkündet, mit einer neuen Welle der Rationalisierung, Automatisierung, dem Wegfall von Millionen von Jobs und der endgültigen „Herrschaft der Maschine“. Letzten Endes geht es um die Vorstellung von „intelligenten“, lernenden und miteinander vernetzten Robotern.chaplin

Parallel ist der Begriff der „Sharing Economy“ (oder auch „Gig Economy“ oder „crowd work“ oder…) in aller Munde; gemeint sind Unternehmensformen, bei der viele selbstständig Arbeitende von „Plattformfirmen“ gelenkt werden.

Wir laden Menschen aus verschiedenen Betrieben ein, etwa aus Industrie-, Umschlag- und Lagerbetrieben (auch Hafen) und von Lieferdiensten / Kuriere. Das Ziel der Veranstaltung ist es, konkrete Erfahrungen und Beobachtungen in einzelnen Betrieben in einem Zusammenhang zu diskutieren; d.h. es soll nicht so sehr um Details gehen, sondern darum, zu versuchen, die beobachteten Veränderungen auf einer etwas abstrakteren Ebene zu sehen: Wie verändern sich Arbeitsstrukturen insgesamt, über die einzelnen Betriebe hinaus? Wo werden tatsächlich Arbeitsstellen wegrationalisiert? Welche Arbeiten werden möglicherweise automatisiert? Welche Folgen hätte eine Automatisierung für die verbleibenden (oder möglicherweise neuen) Arbeiten? Weiterlesen

Marx, Drohnenkrieg und moderne Arbeit – unser Programm im Winter

Vor gut 200 Jahren standen die Menschen vor dem Rätsel, warum ihre Gesellschaft von einer ungeheuren Geschäftigkeit erfasst wurde; sie erlebten nicht nur den Zusammenbruch der alten Ständegesellschaft, sondern gleichzeitig den Beginn einer neuen Epoche, die zwar auf der einen Seite menschliches Massenelend und die Zerstörung natürlicher Grundlagen des Reichtums beinhaltete, auf der anderen Seite aber auch ein enormes Potenzial an gesellschaftlichem Fortschritt versprach. Die scheinbar unaufhaltsam wirkenden Triebkräfte dieser Epoche mussten erst noch entschlüsselt werden. 1818, vor genau 200 Jahren also, wurde Karl Marx geboren, dessen Lebenswerk um die Entschlüsselung dieses Rätsel kreisen sollte. Hinter seinen Gedanken über den „Mehrwert“ steht nichts weiter als die Frage danach, wie es kapitalistische Unternehmer schaffen, so viel mehr Wert aus den Arbeitenden herauszuholen, als sie zu ihrem Unterhalt benötigen. Wert, Geld, Kapital, das sie wieder einsetzen, um noch mehr und größere Maschinen bauen zu lassen, an denen noch mehr produziert wird, so dass sie noch mehr…

Marx analysierte also eine Gesellschaft im Aufbruch und hoffte, durch Verstehen die Möglichkeiten zu ihrer Überwindung zu verbessern. Heute ist es schwierig, dort anzuknüpfen: Wir müssen uns über eine globale Gesellschaftsordnung Gedanken machen, die sich in einer schweren Krise befindet. Es fällt schwer, im Bestehenden Entwicklungen zu entdecken, die in eine bessere Zukunft verweisen könnten: Die Produktivität in der Landwirtschaft und der Industrie geht zurück, politisch stehen die Zeichen auf Sturm, (Bürger-)Kriege und Gesellschaftszerfall. Weiterlesen

Fahren… so ein Kreuz damit aber auch…!

Zurückliegend: Veranstaltungen vom November 2017

Kreuzfahrten boomen wie nix, Reedereien verdienen Unsummen und die Stadt Hamburg tut alles, um sich auch hier als »schönste Stadt der Welt« zu präsentieren und noch mehr Schiffe anzulocken.

Warum lockt mich überhaupt auf eine Kreuzfahrt? Warum arbeite ich auf einem Kreuzfahrtschiff? Warum gibt es immer mehr Proteste gegen (Massen-)tourismus? Warum ist das Geschäft für Unternehmen so attraktiv?

Wir beschäftigen uns mit diesen vier Fragen in zwei Veranstaltungen, einer literarischen am 24.11. unter dem Titel „Auf der Kreuzfahrt ins Glück“ und einer Diskussionsveranstaltung am 28.11. mit dem Titel „Kreuzfahrt: Mallorca – Malta – Marzahn“.

Zur Einstimmung ein paar Beiträge zum Thema aus den Medien:

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Kreuzfahrt: Mallorca – Malta – Marzahn

Zurückliegend: Veranstaltung vom 28.11.2017

Kreuzfahrtschiffe sind heute Kleinstädte mit bis zu annähernd 10 000 Einwohnern und Einwohnerinnen. Ein Drittel arbeitet von ihnen arbeitet und zwei Drittel spannen aus.

Gut, dafür hat man ja auch Urlaub… und dieses Verhältnis ist kein großer Unterschied zu Mallorca: Um 430 000 Betten kümmern sich 130 000 Beschäftigte bei Tourismusfirmen.

Was ist also der Unterschied zwischen einer feststehenden Hotelanlage an Land und einer schwimmenden auf See? Warum sind schon 2015 allein angeblich fast zwei Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt in See gestochen, während klassische Badestrände in der Türkei über Tunesien bis Ägypten hohe Einbußen haben?

♠ Das ein ist sicherlich die Suche nach Sicherheit: Die Angst vor Anschlägen wirkt meist nicht lange nach; der Rückgang der Buchungen in der Türkei und Nordafrika hat eher mit der Angst vor Instabilität zu tun. Störungen im Ablauf, unangenehme Polizeipräsenz, Kriminalität, Durchfall, Streiks der Beschäftigten…

♠ Das andere ist die Suche nach einem Ort, an dem man unter sich ist: Einmal für zwei Wochen nur unter Heavy Metal-, Klassik-, FKK-Fans oder Radrennfahrern, nur unter deutschen oder spanischen Mitreisenden.

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Auf der Kreuzfahrt ins Glück…

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…aus dem Film Zwölf Stühle von Ulrike Ottinger (2004)

Zurückliegend: Veranstaltung vom 24.11.2017

Zogen Kreuzfahrer einst in die Fremde, um dort ihr Glück (sprich: vor allem Beute) zu suchen, so ziehen Kreuzfahrer heute über’s Meer, um… ja, was eigentlich zu finden??

…ein literarischer Abend um das Thema „Kreuzfahrt“.

 

Der Ich- Erzähler des Romans Ocean King. Was einer unter Deck erleben kann will der Tristesse einer Pariser Banlieue entkommen. Mehr aus Jux meldet er sich auf eine Stellenanzeige einer Kreuzfahrtreederei und landet als Handlanger auf einem Kreuzfahrtriesen. Das „Jerusalem“ aller Angestellten im dunklen Bauch des Schiffes ist ein Platz mit Blick auf das Meer. Doch davon gibt es wenige. Der algerisch- französische Autor Slimane Kader hat zum Glück kein Sozialdrama gebastelt, sondern einen sehr lustigen, manchmal skurrilen Roman.

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»Die Abstiegsgesellschaft«

Zurückliegend: Veranstaltung vom 31. Oktober 2017

Die Feststellung, dass es im Kapitalismus ungerecht zugeht, ist banal. Darüber, dass die Kluft zwischen arm und reich wächst, wird viel geschrieben.

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Und darum geht es auch in dem Buch »Die Abstiegsgesellschaft« des Soziologen Oliver Nachtwey. Einige seiner Thesen über den gegenwärtigen Kapitalismus scheinen uns interessant. Es geht um eine Mittelschicht, die sich vom Abstieg bedroht fühlt. Um die Behauptung, dass eine allgemein zugängliche Bildung Chancengleichheit im Wettbewerb schafft. Nachtwey schaut auf den grassierenden Individualismus, bei dem Armut und Scheitern zur eigenen Niederlage werden, statt als Ausdruck gesellschaftlicher Ungerechtigkeit wahrgenommen zu werden. Und nicht zuletzt geht es um die Situation bei der Arbeit, wenn z.B. der Kollege neben mir seine Arbeitskraft zu ganz anderen Bedingungen verkauft, als ich?

Wir möchten euch das Buch kurz vorstellen und laden euch ein, mit uns einige der unten aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.

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Zahlen oder nicht? – Wie notwendig sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?

Zurückliegend: Veranstaltung vom 26. September 2017

Sicher kennen Sie das: Sie gehen wegen einer Routineuntersuchung zum Arzt und bekommen bei der Anmeldung ein Informationsblatt, auf dem Ihnen eine oder mehrere Untersuchungen offeriert werden, die Sie selber bezahlen sollen. Untermalt sind diese Angebote häufig mit Hinweisen darauf, dass Studien erwiesen haben, dass die Wahrnehmung dieser Untersuchungen ermöglicht, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und somit besser und sicherer heilen zu können. Die „Arzthelferinnen“ (jetzt „Medizinisch-technische Assistentinnen) haben oft noch eine passende Geschichte parat „Erst letzte Woche w1_Mafalda-e-il-mappamondo-2ar jemand hier, bei dem Krankheit xy entdeckt worden ist“ und schon hat man das Gefühl, vom Irrsinn befallen zu sein, sollte man diese Untersuchung(en) ablehnen.

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