Gustave Le Bon: Psychologie der Massen

Buchvorstellung und Diskussion
Dienstag, 29.August 2023 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.

Gustave Le Bon, Zitat aus „Psychologie der Massen“

Gustave Le Bon stellt in seinem 1895 erschienenen Werk „Psychologie der Massen“ die Verhaltensweisen von Menschen in Menschenansammlungen dar und gilt als einer der Begründer der Massenpsychologie.

Nach einer Klassifizierung der Massen beschreibt Le Bon das Wesen und die Funktion und Bewertung der Masse, analysiert die Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit sowie die Urteile, Handlungen und Überzeugungen der Masse, bevor er die Funktion und den Charakter von Führungsfiguren in Massen darstellt.

Abschließend wollen wir uns in einer Diskussion der Frage nähern, wie man sich als Individuum wie auch in einer demokratischen Gesellschaft vor diesen Mechanismen schützen kann.


Monatsprogrammen des Laien’s Clubs für August und September 2023 fertig!

Wir wollen in der Zukunft wieder dazu übergehen, etwas langfristiger zu planen.

Daher haben wir jetzt für die Monate August und September 2023 Programme fertiggestellt. Die ausführlicheren Ausführungen zu den Diskussionsveranstaltungen, Lesungen, Filme und Rundgänge könnte ihr weiter unten einsehen.

Zum Anschauen, aber gerne auch zum Ausdrucken und Rumreichen:

August:

Henrik Ibsen: Ein Volksfeind

Szenische Lesung
Freitag, 25.August 2023 um 20 Uhr
Kulturverein Alles Wird Schön, Friedrich-Naumann-Str.27

Welche Rolle spielt die Wahrheit bei der öffentlichen Meinung? Wie wird jemand vom Volksfreund zum Volksfeind? Wie verhalten sich die Menschen in Anbetracht von gesellschaftlichen Konflikten und mangelnder Unterstützung?
Ibsens Drama aus dem Jahr 1882 stellt den Konflikt eines Badearztes und den Bürgern in einem norwegischen Kurort dar. Der Badearzt hatte eklatant mangelnde Wasserqualität festgestellt und möchte dies nun in einem Gutachten veröffentlichen, um die Menschen im Badeort zu schützen. Die Bürger allerdings sehen die wirtschaftlich stark vom Kurbad abhängige Stadt in Gefahr und beginnen, den Badearzt als Volksfeind zu diffamieren.
Ibsen zeigt in seinem Drama die psychologischen Verhaltensweisen der Massen sowie den Kampf eines Einzelnen für das Richtige im Namen der Wahrheit. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sowie Wahrheit und Lüge verschwimmen dabei.

Wir lesen zusammen und mit verteilten Rollen. Wer lieber nur zuhören möchte, hört einfach zu!

Was ist ein gerechter Lohn?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 25. Juli 2023 im Mieterpavillon,
Friedrich-Naumann-Str. 7 in Hamburg-Heimfeld
Beginn um 19:30 Uhr

In den letzten Jahren steigen mit jeder Krise auch die Preise, vor allem die der für das Überleben notwendigen Güter. Damit einher gehen auch vermehrte Auseinandersetzungen um das Einkommen und seine Verteilung. Die Unternehmer und ihre Handlanger nutzen jede Chance, um mehr Profit aus unserer Arbeit zu pressen. Wenn die Wirtschaft brummt, warnen sie davor, dass jede Lohnerhöhung das zarte Pflänzchen des Wachstums ersticken könne. Und wollen wir unsere Löhne gegen die Inflation verteidigen reden sie gleich von einer drohenden Lohn-Preis-Spirale.

Was können wir dem entgegenhalten?

Aus unserem betrieblichen Alltag kennen wir die nie abflauende Diskussion um Lohn und Gerechtigkeit. Häufig geht es dabei nicht nur um die steigenden Managergehälter und Dividenden, sondern um sich vergrößernde Einkommensunterschiede unter Lohnabhängigen:

  • Der Eine argumentiert mit seiner herausragenden Qualifikation und Leistungsbereitschaft. Immerhin habe er sich auf die Zehenspitzen gestellt und ein abgeschlossenes Studium der Kommunikationswissenschaften.
  • Die Andere fordert mehr Geld und Anerkennung für ihre verantwortungsvolle Arbeit. Immerhin arbeite sie mit Kindern und sei gut ausgebildet.
  • Oder wir weisen auf die gefährliche Arbeit hin oder wie sie unseren Körper ruiniert. Das müsse sich auch im Lohn wiederspiegeln.

Aber wohin führen uns diese Debatten? Kann man einen gerechten Lohn herbeiargumentieren, ohne wiederum die Konkurrenz untereinander zu fördern – also die Konkurrenz unter uns Arbeitern? Wie können wir den Kampf um unser Auskommen führen, ohne noch weiter in die Abhängigkeit von Leistungsdruck und Ausbeutung zu geraten?

Diesen Fragestellungen wollen wir uns mit dem Text „Lohn, Preis, Profit“ von Karl Marx annähern.

Geschrieben für einen Kongress 1865 in einer Zeit in der man von einer Epidemie von Streiks für Lohnsteigerungen sprach.

Wir wollen Begriffe aus der Marxistischen Diskussion einführen und versuchen, auf ihren Nutzen für unsere heutige Debatte zu prüfen. Was versteht Marx unter Profit und Mehrwert? Was ist für ihn der Unterschied zwischen dem Wert der Arbeitskraft und dem Wert der Arbeit? Und führen steigende Löhne auch zu steigenden Preisen und Inflation?

Schon damals etwa schrieb Marx über Zeiten der Entwertung des Geldes:

»Alle bisherige Geschichte beweist, daß, wann immer eine solche Entwertung des Geldes vor sich geht, die Kapitalisten sich diese Gelegenheit, den Arbeiter übers Ohr zu hauen, nicht entgehen lassen«

Aber mit Gerechtigkeit im Lohnsystem brauchte man Marx nicht kommen: »Statt des konservativen Mottos „Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!“ sollten sie auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: „Nieder mit dem Lohnsystem!“«

Den Marx-Text könnt ihr euch hier gerne vorher anschauen:
www.mlwerke.de/me/me16/me16_101.htm

Filmabend: „The Navigators“

Freitag, 21. Juli, 20 Uhr
im Kulturverein „Alles wird Schön“,
Friedrich-Naumann-Str. 27

Es ist wieder soweit: die Dok-Film-Abende in diesem Jahr starten in die zweite Jahreshälfte!

Wie schon angekündigt, ist Ken Loach’s „The Navigators“ der erste Film der 2. Halbzeit.

Ken Loach, ein Freund der geplagten, arbeitenden Menschen, zeigt in diesem Film von 2001 mit schwarzem Humor die Verrücktheiten der Bahnprivatisierung in England.

Diese Auswüchse des Neoliberalismus werden in ihrer kompletten Brutalität und deren absurden Auswüchsen gezeigt.

Während hier gerade wieder die Bahn zum Spielball der Politik und Kapitalisten wird, zeigen die jüngsten Bahnkatastrophen in Griechenland und den USA mit Dutzenden Toten, wohin eine solche Wildwestpolitik führt. Einen bleibenden Eindruck erhält heute bereits, wer mit der Bahn unterwegs ist.

Das Kaputtsparen der Bahn muss ein Ende haben!

Warum, das zeigt dieser Film in aller Deutlichkeit.

(K)leben und (K)leben lassen…??!

Wütende Autoliebhaber gegen die Welt rettende Aktivisten?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 30.Mai 2023 – 19.30 Uhr
Mieterpavillon – Friedrich-Naumann-Str.7 in Heimfeld

Die Welle von Protestaktionen der „Letzten Generation“ ist in den letzten Wochen abgeebbt. Einerseits soll die öffentliche Stimmung zu Ungunsten die Aktivisten gekippt sein. Andererseits haben sich Vertreter der Gruppe mit Politikern bis hin zum Bundesverkehrsminister getroffen und sehen ihr Ziel erreicht, sich Gehör bei diesen Politikern zu verschaffen. Sie fordern zweierlei: Zum einen das Ziel, dass „Deutschland bis 2030 die Nutzung fossiler Rohstoffe beendet“. Wie das bereits feststehende Ziel erreicht werden kann, soll ein „Gesellschaftsrat“ entscheiden, da die gewählten Politiker dazu nicht in der Lage gewesen seien. Der Gesellschaftsrat soll sich aus per Los gefundenen Menschen „aus allen Bevölkerungsschichten“ zusammensetzen, die „mithilfe von Expert:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft“ Maßnahmen erarbeiten. Schließlich: „Wir fordern, dass die Regierung öffentlich zusagt, nach Verabschiedung der Gesetze diese in einer beispiellosen Geschwindigkeit und Entschlossenheit umzusetzen“ ( https://letztegeneration.de/forderungen/ )

Um diese Ziele durchzusetzen, haben sie eine Strategie gewählt, die auf die Masse der Bevölkerung zielt, statt auf „Entscheidungsträger“ und Verantwortliche. Durch Straßenblockaden wird der im „Autowahn“ gefangene Mitbürger getroffen und durch dessen provozierte Gegenreaktion die Regierung gezwungen, zu handeln. Funktionieren kann diese Strategie nur, wenn das eigene Ziel mit dem der politischen und wirtschaftlichen Eliten übereinstimmt, diese aber durch die Vorbehalte der Bevölkerungsmehrheit gebremst wird. Stellen wir uns zum Vergleich eine Strategie vor, in der das Handeln einer kleinen Gruppe gegen den Willen der Politik und Wirtschaft gerichtet wäre. Wie würde die Regierung wohl reagieren, wenn eine Gruppe den Zugang zu Gesundheitseinrichtungen blockieren würde, um die die Regierung zu zwingen, die Privatisierungen im Gesundheitswesen zurückzunehmen?

Die „Letzten Generation“ verfolgt also ein technisches Ziel (Ersetzung der fossilen Energieträger durch xy) und ein strategisches (Ersetzung einer repräsentativen Demokratie durch ein technokratisches Regime).

(Zur Diskussion um „Gesellschaftsräte“ etc. ein polemischer Beitrag von Dagmar Henn: „„Bürgerrat“: Ein Moralgremium zur Kochtopfkontrolle“. RTDE, 13.05.2023
https://meinungsfreiheit.rtde.life/meinung/169944-bundestag-moralrat-zur-kochtopfkontrolle/ )

Wir wollen mal versuchen, uns nicht über die Sinnhaftigkeit der Angst vor dem Klimawandel zu streiten; im Alltag müssen wir nicht einen Klimawandel bemühen, um festzustellen, dass auch der Autoverkehr immer unerträglicher wird. Mit Beton und Asphalt zugegossene Landschaften, vollgestellte Lebensräume in der Stadt, Lärm, (giftiger) Gestank u.v.m. reichen schon, um etwas Anderes anzustreben.

Aber ist es so, dass daran vor allem ein allgemeiner Autowahn schuld ist? Ist das Auto heute noch das Symbol für individuelle Freiheit, wie es das es in den 60er und 70er Jahren war?

Vieles spricht dafür, dass es das heute nicht mehr ist. Aber warum hat die Autoflut dann derart zugenommen? Welche Rolle spielen Arbeitsverhältnisse, die Zentralisierung der Öffentlichen und privaten Dienstleistungen? Zentralisierung von Einzelhandel, Handwerk, Post, Krankenversorgung, Bildungseinrichtungen usw.?

Was würde sich durch die angestrebte Elektifizierung und Digitalisierung des Verkehrs ändern? Wir wollen mit Hilfe eines Rollenspieles in eine offene Diskussion eintreten. Die zum Spiel angebotenen Rollen sind beispielhaft für die Lebenssituationen, in denen wir gefangen sind. Das Ziel soll sein, Gedanken zu entwickeln, was sich alles ändern müsste, wenn wir es ernst meinten mit dem „Wandel“!

Biedermann und die Brandstifter

Szenische Lesung
Freitag, 05.Mai 2023, 20.00 Uhr
Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich-Naumann-Str. 27

Biedermann – Plakat des Theaters der Jugend Schauburg

Was tun, wenn die Brandstifter an der eigenen Wohnungstür klingeln?

Herr Biedermann ist knallharter Geschäftsmann, Skrupel sind ihm fremd, wenn es um das »Business« geht. Am Feierabend jedoch will auch er Bürger, Mensch sein.

Die Zeitungen berichten über eine Brandserie, ausgelöst von einer Bande, die sich als Hausierer bei den Bürgern einnisten und dann die Häuser in Brand stecken. Herr Biedermann findet das schlimm, am liebsten würde er diese Bande aufhängen (lassen), teilt er seiner Gasthausrunde mit. Dann klingelt es bei ihm an der Tür und Herr Schmitz, ein ehemaliger Ringer und Hausierer fragt um eine Kleinigkeit zu essen und ein kurzfristiges Dach über dem Kopf – kurz, er weiß, was für einen großherzigen Menschen er in Herr Biedermann vor sich hat. Dieser weiß eigentlich, wen er vor sich hat, aber… Feigheit? Schlechtes Gewissen ob seiner Kaltherzigkeit als Geschäftsmann?

Allen Warnungen zum Trotz nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Das Nachspiel spielt in der Hölle. Der Himmel habe, sagt der Teufel, eine Amnestie für alle hochgestellten Persönlichkeiten ausgesprochen. Wer eine Uniform beim Töten trage, sei gerettet. In die Hölle werden nur die Biedermänner und Intellektuellen, die Kleinkriminellen und Kriegsdienstverweigerer geschickt. Daraufhin tritt die Hölle in den Streik und schickt ihr Personal auf die Erde zurück. Biedermann und seine Frau Babette klammern sich an ihren Glauben und erwarten ihre Rettung.

Biedermann- Plakat der Falken Erfurt, 2020

Das Theaterstück von Max Frisch aus dem Jahre 1958 ist zeitlos – wie wir aktuell sehen.

Wir lesen gemeinsam mit verteilten Rollen.

Wer nur zuhören möchte, hört zu.

Was hat Fjodor Andrejewitsch Sergejew „Artjom“ mit Annalena Baerbock zu tun?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 25.April 2023, 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

George Grosz: Die Stützen der Gesellschaft, 1926

Zu Zeiten Kaiser Wilhelms war der typische deutsche Militarist ein schneidiger Offizier, trug eine Pickelhaube und hatte seinen Schnurrbart akkurat aufgezwirbelt. Heute hat der der typische deutsche Militarist den Wehrdienst verweigert, trägt lange Haare oder einen Irokesenschnitt. Der eine ließ ins „Feld der Ehre“ ziehen, während der andere für „Werte“ sterben lässt.

Sascha Lobo, Spiegel-Kolumnist, Hasser von „Lumpenpazifisten“

Man kann sich über einzelne Figuren aufregen, aber die entscheidende Frage reicht weiter: Warum hat der heutige olivgrüne Militarist den Rückhalt der staatstragenden Mittelschicht? Warum reicht diese Unterstützung bis weit ins linke Lager? Eine Antwort liegt u.E. nach darin, dass diese Mittelschicht an eine sog. Zivilgesellschaft glaubt, die der OlivGrüne gegen ruchlose staatsgläubige Diktatoren zu verteidigen behauptet.

Anton Hofreiter testet vegetarische Verpflegung für deutsche Panzerfahrer

Aber was bedeutet der Begriff „Zivilgesellschaft“ eigentlich? Wo kommt er her? Was bedeutet er in Zeiten des Finanzkapitalismus, wie hängt er damit zusammen? Ist es ein Zufall, dass der Begriff im Deutschen zusammen mit der Debatte um den Abbau des Sozialstaates populär wurde? Welche Rolle kommt den privaten Wohltätigkeitsstiftungen zu, die die zivilgesellschaftlichen Initiativen fördern?

Diese Fragen wollen wir in unserer Diskussionsveranstaltung erörtern.

Anetta Kahane, bis 2022 Vorsitzende der Amadeu-Antonio- Stiftung, findet, dass die Parole „Nie wieder Krieg“ purer Luxus und Ausdruck von Menschenfeindlichkeit sei

Dies ist die dritte Veranstaltung, in der wir uns mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der staatlichen Politik angesichts der seit drei Jahren offen virulenten Krise beschäftigen. Wir knüpfen an verschiedene Veranstaltungen an, die wir vor längerer Zeit gemacht haben, so im Mai 2022: „Der Krieg ist die Fortsetzung der Zivilgesellschaft mit anderen Mitteln“…: Das Dilemma des „Community- Kapitalismus“

Damals haben wir das Buch »Community- Kapitalismus« vorgestellt. In dem beschreiben zwei (links) Soziologinnen die zunehmende Bedeutung der identitären Community innerhalb der sozialen und pflegerischen Arbeit. Der Staat zieht sich aus vielen Bereichen seiner Verantwortung zurück und fördert als Ersatz Ehrenamt und identitätsgetriebenes Engagement – schlecht bis gar nicht bezahlt und mit all den Widersprüchen beladen, die eine ungleiche Gesellschaft so mit sich bringt. Von der beschworenen Community haben wir den Bogen zur aktuellen Welle der Kriegsbegeisterung dieser bürgerlicher Schichten gezogen. Diesen Bogen behalten wir jetzt bei, setzen den Schwerpunkt aber mehr auf die Rolle der Stiftungen und ihren immer breiteren politischen Einfluss.

Im April 2018 haben wir das Buch „Ethnizität ohne Gruppen“ von R.Brubaker diskutiert – dieses knüpft an die Identitätsfalle an, in der sich die Linke in den letzten Jahren verfangen hat. Er fragte sich anhand bspw. des Konfliktes im damaligen Jugoslawien, wie (zerstörerische) gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt werden, in denen sich identitäre „Gruppen“ um individuelle Merkmale herum bilden.

Solche Prozesse sind auch in der Ukraine seit Jahren im Gang; wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Beitrag der ukrainischen Medienwissenschaftlerin Olga Baysha, die in einem Interview feststellte, dass die Eskalation des Konfliktes in dem Moment anfing, als die sozialen Konflikte dort 2013 / 14 nicht als solche artikuliert, sondern von den liberalen Mittelschichten als kulturelle gedeutet wurden. Eine realistische Einschätzung der sozialen Verfassung der Europäischen Union und der Auswirkungen der Integration der Ukraine in die Union gab es nicht, sondern sie wurde als Symbol für „Werte“ überhöht. Opponenten des EU- Beitritts wurden als „Moskowiter“ und kulturell rückständige Barbaren betrachtet. Daraus resultierte die bis heute bestimmende Allianz von liberal- westlichen Kräften und militanten Nationalisten.

Der wahre Zelensky: Vom prominenten Populisten zum unbeliebten Neoliberalen im Stile Pinochets

Hier liegt auch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Die unter den Zaren gegründete und heute erbittert umkämpfte Siedlung Bachmut wurde 1924 nach einem bekannten Revolutionär mit dem Rufnamen „Artjom“ in Artjomowsk umbenannt. Der vermeintlich „ukrainische“ Namen, den Annalena Baerbock als Symbol für soldatischen Heldenmut so gerne im Mund führt, ist der zaristische, während der vermeintlich „russische“ eigentlich der sowjetische ist…Der ukrainisch- sowjetische war Artemiwsk…

Die Ukraine in Flammen

Laien’s Dok- Film- Abend
Freitag, 21. April 2023 – 20 Uhr
Kulturverein „Alles wird schön“
Friedrich-Naumann-Str. 27

„Nicht, wer zuerst zu den Waffen greift, ist der Anstifter des Unheils,
sondern wer dazu nötigt.“ (Niccolo Macciavelli)

In deutschen Kinderzimmern: Deutsche Botschafterin in Kiew…

Die Friedensbewegung ist gespalten: Ein Teil lehnt die deutsche Beteiligung an diesem Krieg ab. Ein anderer Teil meint, dass Russland als unmittelbarer „Aggressor“ zuerst besiegt werden müsse (von wem??). Diese Spaltung der Friedensbewegung konnte gelingen, weil in der westlichen Welt der erste Teil der Geschichte, die zum Krieg in der Ukraine führte, nicht zur Kenntnis genommen oder als irrelevant abgetan wird.

Hinzu kommt, dass die Russen- und Russlandfeindschaft nicht erst seit 2022 fester Bestandteil der „Westlichen Werte“ ist.

Insofern war und ist es einfach, eine einseitige und geschichtsverfälschende Erklärung des – nach den sieben Jahren der Kriege im ehemaligen Jugoslawien – zweiten Krieges in Europa seit 1945 zu verankern.

Um Russland die alleinige Verantwortung zuzuschieben, wird das Völkerrecht bemüht. Zu diesem Völkerrecht gehört aber auch u.a. ein Idealbild zwischenstaatlicher Beziehungen mit einem Mindestmaß an Vertrauen und Bereitschaft zur zivilen Konfliktlösung. Auf die Bedrohung Russlands durch eine über dreißig Jahre expandierende NATO und eine militärisch ausgerichtete EU haben russische Regierungen immer wieder hingewiesen.
Der platte Spruch: „Zu einem Streit gehören immer zwei!“, trifft also auch hier zu.

In dem Film, den wir zeigen wollen, wird diese jahrzehntelange Vorgeschichte anschaulich und ausführlich dargestellt.
Die im Film gezeigten Abläufe der Einmischung durch Geheimdienste, Diplomaten und auch faschistische Killerkommandos, die hier weitgehend unbekannt sind, beweisen die umfangreiche und auch blutige amerikanische Subversion in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion.
Die von dem international bekannten Regisseur geführten Interviews belegen, wie der Regimewechsel in Kiew 2014 geplant und durchgeführt wurde.

Arbeit – Krisen – Notstand – …Lohnstreiks – reicht das??

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.März 2023, 20 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

In vielen Branchen laufen zur Zeit tarifliche Streikkampagnen. Die mittlerweile abgeschlossenen Tarifverträge pendeln sich bei Erhöhungen um die 5% plus vom Staat und den Sozialversicherungen subventionierte Einmalzahlungen ein. Gerade für die wenig Verdienenden ist das zu wenig, um die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Einen „Wohlstandsverlust“ nennt das die Politik…

So wenig, wie explodierende Gewinne von Energie- und Rüstungskonzernen „Zufallsgewinne“ sind, ist Verarmung eine „Zufallsverarmung“. Die Politik will die grundsätzliche Krise der neoliberalen Gesellschaft auf dem Rücken der lohnabhängigen Bevölkerung lösen. Daher sehen wir in den letzten Jahren eine zunehmend autoritäre Politik im Namen immer häufigerer Notstände.

Erklärungsbedürftig ist allerdings, dass keine Streikbewegung sichtbar ist, die sich gegen die politischen Rahmenbedingungen richtet, trotz einer hoch politisierten Stimmung, z.B. gegen die autoritäre Corona- Politik der letzten drei Jahre und die deutsche Kriegsbeteiligung inklusive Energieboykott und sonstige Sanktionen gegen Russland.

Warum ist das so?
Es hat damit zu tun, dass es der deutschen politischen Klasse gelungen ist, ihre Art der Krisenbewältigung in einen hoch moralisierenden Diskurs zu verpacken, der tiefgreifende Auswirkungen auch innerhalb der Belegschaften hinterlassen hat.
Um beizutragen, die Konflikte auf und um die Arbeit wieder mit den Konflikten um die politische Gestaltung der Gesellschaft zusammenzubringen, wollen wir die Auswirkungen der militarisierten Innenpolitik auf die Arbeitswelt diskutieren.
Als Hintergrund stellen wir kurz die rechtlichen und technischen Seiten des „Notstandes“ dar. Anschließend skizzieren wir, welche Tabus in den Arbeitsbeziehungen in den letzten Jahren gebrochen wurden und welche Folgen das für die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen hat(te).

Wir hoffen auf eine Diskussion, wie wir, von unserer Arbeitssituation ausgehend, die beiden Seiten zusammenbringen können: den Widerstand gegen die materielle Verarmung und gegen den politischen Autoritarismus!

Ein paar Links zu den Hintergründen:

Zu den Notstandsgesetzen unser Beitrag: „Hygiene- Demos, der Notstand und das Grundgesetz“ vom 16.05.2020
https://laiens.club/wp-content/uploads/2020/05/200515_lc_militarisierung.pdf

Gesetz zur Sicherstellung von Arbeitsleistungen für Zwecke der Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung (Arbeitssicherstellungsgesetz)“
https://www.gesetze-im-internet.de/asg/BJNR007870968.html

Zur Debatte um das Streikrecht in der „Kritischen Infrastruktur“:

Wen wundert’s: Vor allem Unions- und Grünen-Anhänger für Einschränkung des Streikrechts…
Umfrage: Mehrheit für Einschränkung des Streikrechts
https://www.report-k.de/umfrage-mehrheit-fuer-einschraenkung-des-streikrechts/

Die Debatte läuft schon ein paar Jahre:
Das Streikrecht ist nicht mehr zeitgemäß
Bundeszentrale für politische Bildung, 13.10.2015
https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/netzdebatte/213631/das-streikrecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess/

Einsatz der Bundeswehr im Innern:
Neues Territorialkommando: Truppenaufmarsch, Inlandseinsätze und Reformvorhaben
IMI- Analyse Nr. 32/2022 – 23.6.2022)

Bundeswehr will schnellstens bis zu 12.000 Einsatzkräfte für die fehlenden Stellen in den Kliniken und Gesundheitsämtern mobilisieren – sie stellt zunehmend die Reservearmee von Arbeitskräften für den Öffentlichen Dienstleistungssektor
Beitrag auf der Seite des Gewerkschaftsforums Dortmund, 1.12.2021
https://gewerkschaftsforum.de/bundeswehr-will-kurzfristig-bis-zu-12-000-einsatzkraefte-fuer-die-fehlenden-stellen-in-den-kliniken-und-gesundheitsaemtern-mobilisieren-sie-stellt-zunehmend-die-reservearmee-von-arbeitskraef/

Kriegswirtschaft:

Rutscht Deutschland in die Kriegswirtschaft?
14.03.2023
https://www.telepolis.de/features/Rutscht-Deutschland-in-die-Kriegswirtschaft-7545499.html

Den Binnenmarkt krisenfest machen: ein solides Instrumentarium für
Europa zur Sicherung des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs und
der Verfügbarkeit relevanter Waren und Dienstleistungen

Presserklärung der Europäischen Kommission, 19. September 2022
https://luxembourg.representation.ec.europa.eu/actualites-et-evenements/actualites/un-marche-unique-resistant-aux-crises-leurope-se-dote-dune-serie-doutils-calibres-pour-proteger-la-2022-09-19_de

Chips Act der EU-Kommission und Halbleiter-Paket
Euractiv, 24.09.2022
https://www.euractiv.de/section/innovation/news/leak-chips-act-der-eu-kommission-und-halbleiter-paket/

EDIRPA: Nächster Illegaler EU-Rüstungstopf in der Mache
in: AUSDRUCK – Das IMI-Magazin
Ausgabe März 2023
https://www.imi-online.de/download/Ausdruck-Maerz2023-web.pdf