Aus dem vollen Leben und gegen den Krieg: Ein Versuch im Schüttelreim

Aus dem vollen Leben:
Polemisches und Vergnügliches in einem Versuch,
aus der kurzen Form des Schüttelreims ein
Sprechstück zu machen.

Premiere eines Experimentes…
Samstag, 24.08.2024 um 20 Uhr
Kulturverein »Alles Wird Schön«,
Friedrich-Naumann-Str.27

Heilen für die Heimatfront

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 30.April 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str. 7

Das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz und seine Auswirkungen auf das Gesundheitswesen

Die Ampel- Regierung will im Sommer ein sog. Gesundheitssicherstellungsgesetz verabschieden. Es soll die seit 1965 für den „Verteidigungsfall“ für verschiedene Branchen erlassenen Notstandsgesetze ergänzen. Die offiziellen Stichworte heute sind „Gesamtverteidigung“ und „zivil- militärische Zusammenarbeit“.

Bislang gibt es keine öffentlich zugänglichen Entwürfe des Gesundheitssicherstellungsgesetzes, geschweige denn, eine öffentliche Debatte. Aber es ist nicht der erste Versuch, auch für den Gesundheitsbereich eine im Krisenfall greifende Sicherstellung der Arbeitskraft zu erzwingen. 1982 scheiterte der letzte Versuch (siehe den interessanten 10-minütigen Panoramabericht von Mai 1982: https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/1982/-,panorama12862.html )
Es ist davon auszugehen, dass die Struktur des Gesetzes heute ähnlich wie damals sein und die gleiche Zielrichtung verfolgen wird. Allerdings haben sich die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen in den letzten 40 Jahren geändert.

Wir wollen ein paar grundlegende Fragen stellen und diskutieren:

  • Welche grundsätzlichen politischen Ziele verfolgt ein Gesundheitssicherstellungsgesetz? Was sind demgegenüber die Bedürfnisse der Bevölkerung hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Versorgung?
  • Unterscheidet sich die geforderte „Kriegsfähigkeit“ grundsätzlich vom mittlerweile normalen „Krisenmodus“ des Gesundheitswesens?
  • Welche Veränderungen könnten konkret auf uns zukommen? Was bedeuten Sie für die Beschäftigten im Gesundheitswesen, aber auch für uns als (potenzielle) Patienten?
  • Wie fügt sich das Gesundheitssicherstellungsgesetz in den Gesetzeskanon zur Krisenbewältigung ein – auch auf europäischer Ebene?

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Falls jemand die Einladung ausdrucken und weitergeben will, wäre das natürlich toll: als pdf-Datei hier

Schließlich noch ein paar Lesehinweise für Interessierte:

Stimmen und Konzepte für die Militarisierung:

Crisis Prevention („das behördliche Fachmagazin für Gefahrenabwehr, Innere Sicherheit und Katastrophenhilfe“): Gesamtverteidigung akut – Warum sich die zivile Verteidigung weiterentwickeln muss (2024)
https://crisis-prevention.de/sicherheit/gesamtverteidigung-akut-warum-sich-die-zivile-verteidigung-weiterentwickeln-muss.html

Crisis Prevention: Ein Gesundheitssicherstellungsgesetz als Voraussetzung für die ZMZ? (2022)
https://crisis-prevention.de/sicherheit/ein-gesundheitssicherstellungsgesetz-als-voraussetzung-fuer-die-zmz.html

Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages (2020):
Zur Rolle der Bundeswehr(Zentral)krankenhäuser im Rahmen der Re-Fokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung sowie zur Frage unter welchen Voraussetzungen die Bundeswehr im Bedarfsfall auf zivile Krankenhäuser zurückgreifen kann
https://www.bundestag.de/resource/blob/684768/d6992067c7ac9b8e529851134d593e8c/WD-2-154-19-pdf-data.pdf

Deutsche Ärzteblatt: Das Gesundheitswesen muss sich besser auf Krieg, Terror und Katastrophen vorbereiten (2024)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/150014/Das-Gesundheitswesen-muss-sich-besser-auf-Krieg-Terror-und-Katastrophen-vorbereiten

Die Neuausrichtung des Gesundheitswesens als Anforderung der NATO (2023):
Resilience, civil preparedness and Article 3
https://www.nato.int/cps/en/natohq/topics_132722.htm

Institut für Strategie & Vorschau der Bundeswehruni München:
»Die Grundlage für Resilienz ist Bewusstsein für das, was uns bedroht.« (2023)
Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm über Pandemiebewältigung, Resilienz und die Zeitwende
https://metis.unibw.de/de/publications/05-die-grundlage-fuer-resilienz-ist-bewusstsein-fuer-das-was-uns-bedroht

(rare) Stimmen gegen die Militarisierung:

Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW):
Nationale Sicherheitsstrategie und Gesundheitssicherstellungsgesetz: Die Militarisierung der Gesundheitsversorgung (2024)
https://helmutkaess.de/die-militarisierung-der-gesundheitsversorgung-maerz-24

Friedensbündnis Karlsruhe zur Kooperation zwischen örtlicher Klinik und Bundeswehr (2012):
Krankenhaus + Bundeswehr = Handlanger für den nächsten Krieg? Nein zur Militarisierung des Gesundheitswesens!
https://archiv.labournet.de/branchen/dienstleistung/militaer.html

ÖTV gegen Militarisierung des Gesundheitswesens
Seminar der betroffenen Betriebs- und Personalräte in Baden-Württemberg (2000)
https://www.imi-online.de/2000/08/00/oetv-gegen-militaris

Nie wieder Friede. Eine bittere Komödie über Militarismus & Antipazifismus

Szenische Lesung
Freitag, den 26.April 2024 um 20 Uhr
Kulturverein „alles wird schön“, Friedrich-Naumann- Straße 27

Im kleinen Land Dunkelstein ist eine neue Regierung gewählt worden. Als Emblem führt sie die Sonnenblume. In einem großen Fest wird der ewige Frieden beschworen; es sollen keine Waffen produziert und schon gar nicht in Kriegsgebiete exportiert werden. Doch dann trifft ein Telegramm ein: Dunkelstein sei der Krieg erklärt worden. Von wem und warum, weiß niemand. Egal. Von jetzt auf gleich wird die „Zeitenwende“ vollzogen; Friedenslieder werden zu Kriegsliedern umgedichtet. Deserteure werden eingesperrt, die eigenen Felder abgebrannt, damit sich Spione und Fahnenflüchtige dort nicht mehr verstecken können. Unternehmer und Spekulanten freuen sich.
Das Spektakel auf der Erde geht auf eine verhängnisvolle Wette im Himmel zurück: Der heilige Franziskus wollte seinem Gegenpart Napoleon nicht glauben, dass die Menschheit den ewigen Frieden gar nicht will…
So in etwa ist die Ausgangslage des 1934 geschriebenen kurzen Bühnenwerkes von Ernst Toller. Seine Erfahrungen als Kriegsfreiwilliger 1914-16 wandelten den bürgerlichen jungen Mann zum Anarchisten. Als Beteiligter der Münchener Räterepublik entging er nur knapp dem Todesurteil und verbrachte fünf Jahre in Festungshaft. Anschließend veröffentlichte er als Dichter und Bühnenautor eine Vielzahl von Werken über den Krieg und die Hoffnungen der Revolutionsjahre. 1933 ging er ins Exil, seine Werke wurden von den Nazis verbrannt. 1939 nahm er sich angesichts des bevorstehenden zweiten Weltkrieges in New York das Leben.

Wir lesen mit verteilten Rollen: Wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach!

Die Tolstoi- Friedensbibliothek stellt den Text freundlicherweise zur Verfügung – in der Hoffnung, dass dieses Werk gerade heute wieder gelesen, aufgeführt und diskutiert wird!

siehe: https://www.tolstoi-friedensbibliothek.de/wp-content/uploads/2024/03/TFb_X001_Toller.pdf

Friedrich Dürrenmatt: „Die Physiker“

Szenische Lesung
Samstag, den 16.März 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Wie kann man eine Erfindung, die zur Vernichtung der gesamten Menschheit führen kann, vor der Entdeckung schützen? Nun, indem man sich als Geisteskranker ausgibt. So verfährt Johann Wilhelm Möbius, und gibt vor, ihm erscheine König Salomo, womit er sich unglaubwürdig machen will und in die Psychiatrie einweisen lässt. Dort stößt er auf zwei weitere geisteskranke Physiker. Diese sind in Wahrheit Agenten rivalisierender Geheimdienste, die an Möbius’ Formel gelangen und diese für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren wollen. Doch die drei Physiker haben nicht mit der Chefärztin des Irrenhauses gerechnet, die als einzig gesund Erscheinende wirklich krank ist und tatsächlich glaubt, sie müsse für König Salomo mit der Formel die Weltherrschaft erringen.
Dürrenmatts 1961 verfasste Groteske geht dabei von der Erkenntnis aus, dass man Dinge, die einmal gedacht oder entdeckt worden sind, nicht rückgängig gemacht werden können. Egal, wie man mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen umgeht, führt dies zwangsläufig ins Negative. Insofern können „Die Physiker“ als Mahnung dienen, den einzigen uns Menschen zur Verfügung stehenden Lebensraum mit dem Instrument der Wissenschaft zu gefährden.
Wir laden zu einer gemeinsamen szenischen Lesung ein – wer Lust hat, sucht sich eine Rolle aus, wer nur zuhören will, lauscht einfach.

Ladet gerne Freunde und Freundinnen ein! Die Einladung als Druckversion:

Militarisierung macht Schule – Wer den Krieg nicht verlieren will, muss die Köpfe gewinnen

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 30.Januar 2024 um 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumannstr.7

Deutschland soll kriegstauglich werden, sagt unser Noch-Verteidigungs- und vielleicht bald Kriegsminister Pistorius. Die Soldaten seien verweichlicht, die Ausrüstung der Bundeswehr veraltet, die Strukturen modernisierungsbedürftig. Geld soll her und das nicht zu knapp, um die Armee auf neue Herausforderungen vorzubereiten und sie wieder (?) kriegstauglich zu machen. Nach den 100 Milliarden „Sondervermögen“, die der Bundeswehr einmalig im Jahr 2022 zugestanden wurden, soll zukünftig die 2%-Regel eingehalten werden, also jährlich 2% des BIP als Bundeswehretat. Das wären immerhin 67 Milliarden Euro – pro Jahr!
Link zur Bundeszentrale für Politische Bildung

Allein diese Entwicklung ist schlimm genug. Aber: „Welche Rolle (…) Politik und Gesellschaft spielen, um Deutschland wieder wehrbereit zu machen, was geschehen muss, um die politischen Entscheidungsträger und das Volk «kriegswillig» zu machen, damit hat sich die Bundesrepublik bisher kaum beschäftigt“. Fest steht (angeblich): Den Deutschen mangelt es am politischen Willen zum Kampf – so der ehemalige Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa
Link zur Neuen Zürcher Zeitung

Das soll nun anders werden. Neben vielen Bereichen (Zivilschutz, Gesundheitswesen) soll Kriegsvorbereitung auch im Bildungsbereich fester Bestandteil werden und so dafür sorgen, dass zukünftige Generationen lernen, in Feindbildern zu denken. Statt gesellschaftliche Konflikte als solche zu verstehen, werden sie von den Herrschenden moralisiert. Politische Gegner sollen zu Feinden werden, mit denen man nicht mehr verhandelt, sondern die es nur noch zu vernichten gilt. Wie sich das auf die Gesellschaft auswirkt, erleben wir ja bereits seit der Corona-Zeit und zu befürchten steht: „Schlimmer geht immer“.
Selbstredend wird die mental-psychologische Kriegsvorbereitung nicht plump als solche vermarktet. Zu hören bekommen wir beispielsweise: „Die Zukunft braucht weltoffene, politisch kompetente und handlungsfähige Menschen mit Gestaltungskompetenz, die bereit sind, sich für zukunftsfähige Lösungen einzusetzen, mit globaler Perspektive und lokalem Blick.
„KOOPERATIONSVEREINBARUNG Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein und Landeskommando Schleswig-Holstein“ vom August 2021

Erreicht werden soll dies durch Bildungsarbeit. Unter anderem durch so genannte Jugend­offiziere der Bundeswehr, die ja bereits seit Längerem zwecks „politischer Bildungsarbeit“ in Schulen eingesetzt werden. (Link zur Bundeswehr)

Angeblich bieten „Die Bildungsangebote der Jugendoffiziere (…) die Möglichkeit, komplementär und multiperspektivisch auch soziale, wirtschaftliche, umwelt- und entwicklungspolitische Aspekte eines erweiterten Sicherheitsbegriffes im Kontext der Friedenssicherung [!] zu vermitteln.
Präambel der „KOOPERATIONSVEREINBARUNG zwischen dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein und dem Landeskommando Schleswig-Holstein“ vom August 2021

Ist die Militarisierung des Bildungswesens neu? Oder ist sie die konsequente Weiterführung einer zunehmend auf Kapitalinteressen getrimmten Bildungsauffassung?
Diese Frage wollen wir in unserer Veranstaltung diskutieren. Eine Ahnung, was noch kommen kann, haben wir durch den Umgang mit den Krisen und Kriegen der letzten vier Jahre erleben können. Vielleicht entwickeln wir Ideen, wie wir Menschen in den Schulen den Rücken stärken können, dagegen anzugehen und finden Ansätze dafür, wie eine „Erziehung zum friedlichen Miteinander“ aussehen könnte.

Ein paar Texte zum Hintergrund:

Bernd Schoepe: Cancel Culture macht Schule!
Wie der neoliberale Schulumbau eine institutionalisierte Form von Cancel Culture hervorbringt, die Demokratie und Bildung gleichermaßen abzuwickeln droht

https://www.gew-ansbach.de/data/2021/11/Schoepe_Cancel_Culture_macht_Schule.pdf

Schoepe geht es in diesem Text nicht speziell um die Militarisierung, aber um die Tendenz zum Autoritären in der Bildung, die er als Folge des von der OECD / dem Kapital durchgesetzten Paradigmenwechsels in der Pädagogik betrachtet.

IMI-Studie 2010/02
Die Eroberung der Schulen: Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt
Infomationsstelle Militarisierung. 19. Januar 2010
https://www.imi-online.de/2010/01/19/die-eroberung-der-sc/

Die Eroberung der Köpfe: Wie die Bundeswehr in Bildungseinrichtungen wirbt
https://www.gew-wiesbaden.de/fileadmin/user_upload/Die_Eroberung_der_Koepfe.pdf

So sollte es sein!!

Die Entscheidung: Humanität gegen Autorität…

Laien’s Dok-Film-Abend
Freitag, 08.September 2023 um 20 Uhr
Kulturverein „Alles wird schön“,
Friedrich-Naumann-Str. 27

… ist das Thema unseres nächsten Dokfilm-Abends. In dem Film „Hasenjagd“ geht es um ein kolossales Verbrechen, um einem Massenmord an hunderten russischen Kriegsgefangenen, denen Anfang Februar 1945 ein Ausbruch aus dem KZ Mauthausen gelungen war.
Rund 500 Kriegsgefangene hatten den Ausbruch geplant, um dem sicheren Tod zu entkommen. Die Häftlinge entkamen dem KZ, indem sie den umgebenden elektrischen Zaun durch nasse Wolldecken kurzschlossen, das Wachpersonal überraschten und mit gesammelten Gegenständen bewarfen. Anschließend liefen sie über angrenzende Wiesen in den Wald. Bereits auf diesem Weg gab es viele Opfer. Aber ca. 150 von ihnen blieben am Leben und konnten sich retten. Allerdings nicht lange, weil die SS-Soldaten aus dem KZ die umliegende Bevölkerung aufforderte, die flüchtigen Gefangenen zu suchen und „keine Gefangenen“ zu machen.
Diese Anweisung wurde von der Bevölkerung gründlich befolgt: am Ende der „Hasenjagd“ überlebten nur sieben Häftlinge den Massenmord.
In diesen wenigen Tagen zeigte sich, wer wegschaute oder heimlich half, und wer mit der Masse mitmachte und bei der Menschenjagd dabei war.
Dieses große Verbrechen gegen die Gefangenen ist nicht das einzige gewesen. Auch bei den Todesmärschen, auf die KZ-Gefangene ab März/April 1945 geschickt wurden, starben tausende durch die Kugeln örtlicher ziviler Bewacher oder durch Hunger. Eines dieser Massaker fand nicht weit von Mauthausen, in der Nähe von Eisenerz statt. Dort fanden 200 Menschen durch ortsansässige Männer des Volkssturms den Tod bei einer Massenerschießung.

KZ- Häftlinge auf dem Todesmarsch nach Mauthausen. Aufgenommen in der Ortschaft Hieflau.
Man sieht deutlich, dass die Bewacher keine Soldaten sind. Sie sind aus der örtlichen Bevölkerung.
Die Bild wurde heimlich aus eine Dachluke aufgenommen.

Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen.
Österreichischer Spielfilm von 1994.
Er beschäftigt sich mit den Ereignissen vor, während und nach der Mordaktion Mühlviertler Hasenjagd im Jahr 1945.
Spezialpreis der Jury beim Filmfestival San Sebastian 1994
Publikumspreis bei der Diagonale 1994
Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Filmkunst 1994 für Andreas Gruber
Österreichischer Filmpreis 1995


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Was hat Fjodor Andrejewitsch Sergejew „Artjom“ mit Annalena Baerbock zu tun?

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 25.April 2023, 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

George Grosz: Die Stützen der Gesellschaft, 1926

Zu Zeiten Kaiser Wilhelms war der typische deutsche Militarist ein schneidiger Offizier, trug eine Pickelhaube und hatte seinen Schnurrbart akkurat aufgezwirbelt. Heute hat der der typische deutsche Militarist den Wehrdienst verweigert, trägt lange Haare oder einen Irokesenschnitt. Der eine ließ ins „Feld der Ehre“ ziehen, während der andere für „Werte“ sterben lässt.

Sascha Lobo, Spiegel-Kolumnist, Hasser von „Lumpenpazifisten“

Man kann sich über einzelne Figuren aufregen, aber die entscheidende Frage reicht weiter: Warum hat der heutige olivgrüne Militarist den Rückhalt der staatstragenden Mittelschicht? Warum reicht diese Unterstützung bis weit ins linke Lager? Eine Antwort liegt u.E. nach darin, dass diese Mittelschicht an eine sog. Zivilgesellschaft glaubt, die der OlivGrüne gegen ruchlose staatsgläubige Diktatoren zu verteidigen behauptet.

Anton Hofreiter testet vegetarische Verpflegung für deutsche Panzerfahrer

Aber was bedeutet der Begriff „Zivilgesellschaft“ eigentlich? Wo kommt er her? Was bedeutet er in Zeiten des Finanzkapitalismus, wie hängt er damit zusammen? Ist es ein Zufall, dass der Begriff im Deutschen zusammen mit der Debatte um den Abbau des Sozialstaates populär wurde? Welche Rolle kommt den privaten Wohltätigkeitsstiftungen zu, die die zivilgesellschaftlichen Initiativen fördern?

Diese Fragen wollen wir in unserer Diskussionsveranstaltung erörtern.

Anetta Kahane, bis 2022 Vorsitzende der Amadeu-Antonio- Stiftung, findet, dass die Parole „Nie wieder Krieg“ purer Luxus und Ausdruck von Menschenfeindlichkeit sei

Dies ist die dritte Veranstaltung, in der wir uns mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der staatlichen Politik angesichts der seit drei Jahren offen virulenten Krise beschäftigen. Wir knüpfen an verschiedene Veranstaltungen an, die wir vor längerer Zeit gemacht haben, so im Mai 2022: „Der Krieg ist die Fortsetzung der Zivilgesellschaft mit anderen Mitteln“…: Das Dilemma des „Community- Kapitalismus“

Damals haben wir das Buch »Community- Kapitalismus« vorgestellt. In dem beschreiben zwei (links) Soziologinnen die zunehmende Bedeutung der identitären Community innerhalb der sozialen und pflegerischen Arbeit. Der Staat zieht sich aus vielen Bereichen seiner Verantwortung zurück und fördert als Ersatz Ehrenamt und identitätsgetriebenes Engagement – schlecht bis gar nicht bezahlt und mit all den Widersprüchen beladen, die eine ungleiche Gesellschaft so mit sich bringt. Von der beschworenen Community haben wir den Bogen zur aktuellen Welle der Kriegsbegeisterung dieser bürgerlicher Schichten gezogen. Diesen Bogen behalten wir jetzt bei, setzen den Schwerpunkt aber mehr auf die Rolle der Stiftungen und ihren immer breiteren politischen Einfluss.

Im April 2018 haben wir das Buch „Ethnizität ohne Gruppen“ von R.Brubaker diskutiert – dieses knüpft an die Identitätsfalle an, in der sich die Linke in den letzten Jahren verfangen hat. Er fragte sich anhand bspw. des Konfliktes im damaligen Jugoslawien, wie (zerstörerische) gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt werden, in denen sich identitäre „Gruppen“ um individuelle Merkmale herum bilden.

Solche Prozesse sind auch in der Ukraine seit Jahren im Gang; wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Beitrag der ukrainischen Medienwissenschaftlerin Olga Baysha, die in einem Interview feststellte, dass die Eskalation des Konfliktes in dem Moment anfing, als die sozialen Konflikte dort 2013 / 14 nicht als solche artikuliert, sondern von den liberalen Mittelschichten als kulturelle gedeutet wurden. Eine realistische Einschätzung der sozialen Verfassung der Europäischen Union und der Auswirkungen der Integration der Ukraine in die Union gab es nicht, sondern sie wurde als Symbol für „Werte“ überhöht. Opponenten des EU- Beitritts wurden als „Moskowiter“ und kulturell rückständige Barbaren betrachtet. Daraus resultierte die bis heute bestimmende Allianz von liberal- westlichen Kräften und militanten Nationalisten.

Der wahre Zelensky: Vom prominenten Populisten zum unbeliebten Neoliberalen im Stile Pinochets

Hier liegt auch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Die unter den Zaren gegründete und heute erbittert umkämpfte Siedlung Bachmut wurde 1924 nach einem bekannten Revolutionär mit dem Rufnamen „Artjom“ in Artjomowsk umbenannt. Der vermeintlich „ukrainische“ Namen, den Annalena Baerbock als Symbol für soldatischen Heldenmut so gerne im Mund führt, ist der zaristische, während der vermeintlich „russische“ eigentlich der sowjetische ist…Der ukrainisch- sowjetische war Artemiwsk…

Die Ukraine in Flammen

Laien’s Dok- Film- Abend
Freitag, 21. April 2023 – 20 Uhr
Kulturverein „Alles wird schön“
Friedrich-Naumann-Str. 27

„Nicht, wer zuerst zu den Waffen greift, ist der Anstifter des Unheils,
sondern wer dazu nötigt.“ (Niccolo Macciavelli)

In deutschen Kinderzimmern: Deutsche Botschafterin in Kiew…

Die Friedensbewegung ist gespalten: Ein Teil lehnt die deutsche Beteiligung an diesem Krieg ab. Ein anderer Teil meint, dass Russland als unmittelbarer „Aggressor“ zuerst besiegt werden müsse (von wem??). Diese Spaltung der Friedensbewegung konnte gelingen, weil in der westlichen Welt der erste Teil der Geschichte, die zum Krieg in der Ukraine führte, nicht zur Kenntnis genommen oder als irrelevant abgetan wird.

Hinzu kommt, dass die Russen- und Russlandfeindschaft nicht erst seit 2022 fester Bestandteil der „Westlichen Werte“ ist.

Insofern war und ist es einfach, eine einseitige und geschichtsverfälschende Erklärung des – nach den sieben Jahren der Kriege im ehemaligen Jugoslawien – zweiten Krieges in Europa seit 1945 zu verankern.

Um Russland die alleinige Verantwortung zuzuschieben, wird das Völkerrecht bemüht. Zu diesem Völkerrecht gehört aber auch u.a. ein Idealbild zwischenstaatlicher Beziehungen mit einem Mindestmaß an Vertrauen und Bereitschaft zur zivilen Konfliktlösung. Auf die Bedrohung Russlands durch eine über dreißig Jahre expandierende NATO und eine militärisch ausgerichtete EU haben russische Regierungen immer wieder hingewiesen.
Der platte Spruch: „Zu einem Streit gehören immer zwei!“, trifft also auch hier zu.

In dem Film, den wir zeigen wollen, wird diese jahrzehntelange Vorgeschichte anschaulich und ausführlich dargestellt.
Die im Film gezeigten Abläufe der Einmischung durch Geheimdienste, Diplomaten und auch faschistische Killerkommandos, die hier weitgehend unbekannt sind, beweisen die umfangreiche und auch blutige amerikanische Subversion in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion.
Die von dem international bekannten Regisseur geführten Interviews belegen, wie der Regimewechsel in Kiew 2014 geplant und durchgeführt wurde.

Arbeit – Krisen – Notstand – …Lohnstreiks – reicht das??

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.März 2023, 20 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

In vielen Branchen laufen zur Zeit tarifliche Streikkampagnen. Die mittlerweile abgeschlossenen Tarifverträge pendeln sich bei Erhöhungen um die 5% plus vom Staat und den Sozialversicherungen subventionierte Einmalzahlungen ein. Gerade für die wenig Verdienenden ist das zu wenig, um die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Einen „Wohlstandsverlust“ nennt das die Politik…

So wenig, wie explodierende Gewinne von Energie- und Rüstungskonzernen „Zufallsgewinne“ sind, ist Verarmung eine „Zufallsverarmung“. Die Politik will die grundsätzliche Krise der neoliberalen Gesellschaft auf dem Rücken der lohnabhängigen Bevölkerung lösen. Daher sehen wir in den letzten Jahren eine zunehmend autoritäre Politik im Namen immer häufigerer Notstände.

Erklärungsbedürftig ist allerdings, dass keine Streikbewegung sichtbar ist, die sich gegen die politischen Rahmenbedingungen richtet, trotz einer hoch politisierten Stimmung, z.B. gegen die autoritäre Corona- Politik der letzten drei Jahre und die deutsche Kriegsbeteiligung inklusive Energieboykott und sonstige Sanktionen gegen Russland.

Warum ist das so?
Es hat damit zu tun, dass es der deutschen politischen Klasse gelungen ist, ihre Art der Krisenbewältigung in einen hoch moralisierenden Diskurs zu verpacken, der tiefgreifende Auswirkungen auch innerhalb der Belegschaften hinterlassen hat.
Um beizutragen, die Konflikte auf und um die Arbeit wieder mit den Konflikten um die politische Gestaltung der Gesellschaft zusammenzubringen, wollen wir die Auswirkungen der militarisierten Innenpolitik auf die Arbeitswelt diskutieren.
Als Hintergrund stellen wir kurz die rechtlichen und technischen Seiten des „Notstandes“ dar. Anschließend skizzieren wir, welche Tabus in den Arbeitsbeziehungen in den letzten Jahren gebrochen wurden und welche Folgen das für die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen hat(te).

Wir hoffen auf eine Diskussion, wie wir, von unserer Arbeitssituation ausgehend, die beiden Seiten zusammenbringen können: den Widerstand gegen die materielle Verarmung und gegen den politischen Autoritarismus!

Ein paar Links zu den Hintergründen:

Zu den Notstandsgesetzen unser Beitrag: „Hygiene- Demos, der Notstand und das Grundgesetz“ vom 16.05.2020
https://laiens.club/wp-content/uploads/2020/05/200515_lc_militarisierung.pdf

Gesetz zur Sicherstellung von Arbeitsleistungen für Zwecke der Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung (Arbeitssicherstellungsgesetz)“
https://www.gesetze-im-internet.de/asg/BJNR007870968.html

Zur Debatte um das Streikrecht in der „Kritischen Infrastruktur“:

Wen wundert’s: Vor allem Unions- und Grünen-Anhänger für Einschränkung des Streikrechts…
Umfrage: Mehrheit für Einschränkung des Streikrechts
https://www.report-k.de/umfrage-mehrheit-fuer-einschraenkung-des-streikrechts/

Die Debatte läuft schon ein paar Jahre:
Das Streikrecht ist nicht mehr zeitgemäß
Bundeszentrale für politische Bildung, 13.10.2015
https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/netzdebatte/213631/das-streikrecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess/

Einsatz der Bundeswehr im Innern:
Neues Territorialkommando: Truppenaufmarsch, Inlandseinsätze und Reformvorhaben
IMI- Analyse Nr. 32/2022 – 23.6.2022)

Bundeswehr will schnellstens bis zu 12.000 Einsatzkräfte für die fehlenden Stellen in den Kliniken und Gesundheitsämtern mobilisieren – sie stellt zunehmend die Reservearmee von Arbeitskräften für den Öffentlichen Dienstleistungssektor
Beitrag auf der Seite des Gewerkschaftsforums Dortmund, 1.12.2021
https://gewerkschaftsforum.de/bundeswehr-will-kurzfristig-bis-zu-12-000-einsatzkraefte-fuer-die-fehlenden-stellen-in-den-kliniken-und-gesundheitsaemtern-mobilisieren-sie-stellt-zunehmend-die-reservearmee-von-arbeitskraef/

Kriegswirtschaft:

Rutscht Deutschland in die Kriegswirtschaft?
14.03.2023
https://www.telepolis.de/features/Rutscht-Deutschland-in-die-Kriegswirtschaft-7545499.html

Den Binnenmarkt krisenfest machen: ein solides Instrumentarium für
Europa zur Sicherung des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs und
der Verfügbarkeit relevanter Waren und Dienstleistungen

Presserklärung der Europäischen Kommission, 19. September 2022
https://luxembourg.representation.ec.europa.eu/actualites-et-evenements/actualites/un-marche-unique-resistant-aux-crises-leurope-se-dote-dune-serie-doutils-calibres-pour-proteger-la-2022-09-19_de

Chips Act der EU-Kommission und Halbleiter-Paket
Euractiv, 24.09.2022
https://www.euractiv.de/section/innovation/news/leak-chips-act-der-eu-kommission-und-halbleiter-paket/

EDIRPA: Nächster Illegaler EU-Rüstungstopf in der Mache
in: AUSDRUCK – Das IMI-Magazin
Ausgabe März 2023
https://www.imi-online.de/download/Ausdruck-Maerz2023-web.pdf

Zeitenwende oder Seitenwende? Linke Politik in Krisenzeiten

Diskussionsveranstaltung
Dienstag, 28.Februar 2023, 19.30 Uhr
Mieterpavillon, Friedrich- Naumann- Straße 7

Wir erleben seit drei Jahren eine „Zeitenwende“. Vieles in diese Zeit ist keine Wende im engeren Sinne, sondern eine Verschärfung der Krise der (finanz-) kapitalistischen Gesellschaft. Auch das Führen von Kriegen ist keine Wende. Die Wende findet sich vor allem im völligen Kollaps einer gesellschaftlichen Opposition, die der Gesamtheit der sozialen und politischen Probleme angemessen wäre.

Es haben sich im Laufe der letzten Jahre verschiedene Oppositionsbewegungen gebildet. Die Einschätzung, wer jeweils die soziale Basis gebildet hat und welches die Gründe für das Engagement vieler Menschen war, soll eines unserer Themen sein. Das andere Thema ist die darüber entbrannte Auseinandersetzung. Ab dem Herbst 2021 war der Vorwurf der „Querfront“ virulent gegenüber allen linken Versuchen, sich auf die eine oder andere Art positiv mit der Tatsache einer politischen Opposition auseinanderzusetzen. Vorgebracht wurde der Vorwurf von einer breiten Koalition einer grün- neoliberalen Regierung (ab Dezember 21) und einer lautstarken Fraktion innerhalb der Linkspartei und der linken Szene allgemein. Der Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, über die zu diskutieren wir euch einladen.

Schließlich wollen wir einen Aspekt in den Mittelpunkt stellen: Die staatliche Politik gegenüber Corona und als Partei eines Krieges hat vielfältige Konsequenzen auf die Arbeitsverhältnisse und -beziehungen sowie auf das Gefüge der staatlichen Sozialsysteme. Nicht umsonst wurde von der Politik seit Corona (!) von der Notwendigkeit einer „Kriegswirtschaft“ gesprochen. Damit wollen wir die Frage aufwerfen, in welchem Zusammenhang die staatliche „Politik“ und die „sozial- materiellen“ Bedingungen der lohnabhängigen Klasse stehen und wo Gelegenheiten für ein gemeinsames Agieren hätten liegen können oder heute noch liegen.

Die Stellungnahme des Jour Fixes unter dem Titel „Der Geist ist aus der Flasche“ findet ihr hier:
https://gewerkschaftslinke.hamburg/2023/01/18/stellungnahme-von-jour-fixe-gewerkschaftslinke-auf-anwuerfe-wie-querfront-rechtsoffen-schwurbler/

Einen Tag nach unserer Veranstaltung in Heimfeld wird der Jour Fixe seine Stellungnahme öffentlich diskutieren, und zwar am
Mittwoch, 1.März 2023 um 18.30 Uhr im Curio- Haus, Rothenbaumchaussee 11 (im Hinterhaus)

Falls jemand Lust haben sollte, die Einladung weiterzuverteilen, freuen wir uns sehr!

Eine Fassung zum Ausdrucken findet ihr hier: