Geschichtsvortrag und Diskussion: Die Krise der SPD in der Weimarer Zeit und heute, speziell in Harburg

Unsere Januarveranstaltung gestalten Christian Gotthardt und Angela Jansen, die zusammen u.a. die Webseite „Harbuch.de“ (www.harbuch.de) betreiben. Ihr Themenspektrum ist überwiegend historisch, dabei multipolar. Da ist die Stadt Harburg, ihre industrielle Blütezeit in den Jahren 1870 bis 1970. Ferner die industrielle Arbeiterbewegung als solche. Dann die Lebenserfahrungen der Herkunftsfamilien der Autorinnen und Autoren. Und schließlich weitere Assoziationsgeflechte, die sich von diesen Polen verzweigen. Angestrebt ist immer ein subjektiver Blick auf Geschichte, Gegenwart und erinnernswerte Tradition.

SPD in der Krise
DIE GROSSE PARTEIKRISE DER WEIMARER JAHRE UND IHRE JETZIGE NEUAUSGABE

In der Revolution 1918/1919 gewann die SPD Macht, Mitglieder und Bündnispartner. Zugleich schuf sie sich Gegner und Konkurrenten. In den 13 Jahren Republik blieb die SPD im 30%-Turm gefangen, dann stand sie vor einem Scherbenhaufen.

Der Vortrag beleuchtet Grundlagen und Wirkungsfaktoren dieses Prozesses am Beispiel Hamburg- Harburg und stellt die Ähnlichkeiten zur aktuellen Krise zur Diskussion.

Dienstag, 29.01.2019

19.30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Hingehen oder nicht? – (Wann) ist Krankheitsfrüherkennung sinnvoll?

Das Leben soll nicht nur schön, sondern auch schön lang sein. Die Medizin bietet uns dafür eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ in Form von Früherkennungsuntersuchungen an. Die Idee, Krankheiten ein Schnippchen zu schlagen, indem man durch Früherkennung verhindert, dass sie entstehen, ist so bestechend, dass wir uns häufig gar nicht fragen, ob dies tatsächlich so ist. Für Fragen und Zweifel scheint hier kein Ort zu sein und in Medien und Arztpraxen wird häufig wenig bis gar nichts über den konkreten Nutzen der Früherkennung und noch weniger über mögliche „Nebenwirkungen“ vermittelt.
Wir wollen uns an diesem Abend kritisch mit dem Thema beschäftigen und Fragen nachgehen wie: Kann ich durch Früherkennung m1811_Frueherkennungein Erkrankungsrisiko senken? Kann Früherkennung „Nebenwirkungen“ haben? Lebe ich länger, wenn ich solche Untersuchungen machen lasse? Wo kann ich mich darüber informieren und wie kann ich das beurteilen?

Dienstag, 27. November 2018, 19:30 Uhr

Eric Hobsbawm: Klassenbewußtsein in der Geschichte

In unserer Veranstaltung zum Buch »Ethnizität ohne Gruppen« von Roger Brubaker haben wir die Frage gestellt, warum heute kaum noch Bewegungen auftreten, die sich auf eine gemeinsame soziale Identität stützen. Statt dessen spielt eine kulturelle und / oder religiöse Identität eine immer stärkere Rolle. So sind wir auf die Frage nach einer Klassenidentität gekommen, früher »Klassenbewusstsein« genannt. Um der weiter nachzugehen, wollen wir an kommenden zwei Dienstagen gemeinsam einen kurzen Text des Sozialhistorikers Eric Hobsbawm lesen und diskutieren.

1969 hat er im Rahmen einer Vorlesungsreihe über den ungarischen Philosophen Georg Lukacs einen kurzen Text mit dem Titel »Klassenbewußtsein in der Geschichte« veröffentlicht. Er betont, dass die kapitalistische Gesellschaft erstmals in der Geschichte die materiellen Voraussetzungen schafft, dass die Arbeitenden auf der Welt sich auch subjektiv als eine Klasse begreifen. Die Bauern in den »Bauernkriegen« der frühen Neuzeit haben sich entweder als Teil einer lokalen Gemeinschaft oder abstrakt als universale »Menschheit« gesehen, weil sie real nur lokal eingebunden waren.

Wir arbeiten dagegen heute global zusammen, während gleichzeitig die politische Organisation der Gesellschaft die einzelner Nationalstaaten ist. Vor dieser Schranke scheinen wir gerade zu stehen…

Wer Lust hat, mitzulesen, dem schicken wir den Text gerne vorab als pdf zu – er hat acht DIN A4 – Seiten. Schreibt eine kurze Mail an: laiens.club@gmx.de

Dienstag, 2. und 16.Oktober, jeweils um 19.30 Uhr im Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str.7

Das Wellness-Syndrom: Vom Zwang zur Selbstoptimierung

181030_WellnessFür die Organisationssoziologen Carl Cederström und Andre Spicer leidet unsere Gesellschaft am Wellness-Syndrom. Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht regelmäßig Sport treiben oder sich gesund ernähren. Sie reagieren mit Angst, Selbstvorwürfen und Schuldgefühle, wenn sie nicht leistungsfähig und willensstark sind und unablässig danach streben, sich zu optimieren. Während die Verbesserung der Welt kaum noch Gegenstand gesellschaftlicher Debatten ist, sollen wir uns mit Fitnessprogrammen, Diäten, Lifestyle-Fernsehshows und Seminaren für positives Denken auf den eigenen Lebensstil konzentrieren. Wir wollen bei der Veranstaltung darüber sprechen, warum die Wellnessdoktrin heute so erfolgreich ist, wie sie in uns wirkt und wie sie zur Entpolitisierung und Entsolidarisierung der Gesellschaft beiträgt.

Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 30.Oktober 2018, 19.30 Uhr

Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Straße 7

Brigitte Reimann: „Ankunft im Alltag“ und „Franziska Linkerhand“

Eine Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 30.November 2018, 19.30 Uhr   —   MehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Brigitte Reimann (1933-1973) zählt trotz ihres vergleichsweise wenig umfangreichen Werkes zu den bedeutendsten Autorinnen der DDR. Ihre schriftstellerischen Anfänge sind vom „Bitterfelder Weg“ geprägt, eine staatliche Initiative, welche das Arbeitsleben mit der Kultur in Verbindung bringen sollte – und umgekehrt.

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Bildrechte beim Dt. Rundfunkarchiv

Infolgedessen arbeitete Reimann ab 1960 neben ihrer Schriftstellerei im Kombinat „Schwarze Pumpe“ in Hoyerswerda, wo sie zu ihrer Erzählung „Ankunft im Alltag“ (1961) inspiriert wurde. Das Buch handelt von einer Abiturientin und zwei Abiturienten, welche sich vor ihrem Studium freiwillig „in der Produktion bewähren“ wollen und auf unterschiedliche Weise mit den ungewohnten Anforderungen umgehen. Während Recha und Nikolaus sich willig in die Brigade einordnen, verachtet Curt im Grunde das Arbeitsleben und versucht sich zu drücken, wo er kann. Sein Vater ist Kommunist und kommt aus einfachen Verhältnissen, ist aber nun der gut verdienende Leiter einer Textilfabrik. Mit Curts Person wird so das Entstehen einer neureichen, unpolitischen „Elite“ in der DDR kritisiert. Privat steht das Mädchen Recha zwischen dem angeberischen Claus und dem eher schüchternen Nikolaus, die beide um ihre Gunst buhlen. Weiterlesen

Die Entgleisung. Ein Roman von Inge von Wangenheim

Literaturlesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 26.Oktoberber 2018, 19.30 Uhr   —   WangenheimMehrWertKultur, Nobleestr. 13a

Das thüringische Dorf Groß-Naschhausen ist zwar verschlafen, spürt aber den Puls der Zeit. Es liegt nämlich mitten zwischen Rom und Stockholm. Auf dieser Interzonenstrecke rattern regelmäßig auch Güterzüge über die Gleise. Durch eine winzige Unaufmerksamkeit entgleist eines Nachts der letzte Waggon eines Güterzuges. Der Inhalt purzelt den Bahndamm herunter und wird am nächsten Morgen von den ersten Schulkindern verwundert zur Kenntnis genommen. Es handelt sich um pikante Erzeugnisse der „VEB Graphische Werkstätten“ für den Export nach Schweden. Kinder, Ehemänner und ihre Frauen, die Staatsmacht, die lokale Schule, seriöse Bürger, und nicht zuletzt die Partei bekommen damit zu tun. Nicht zu fassen ist weniger, was gezeigt wird, sondern, dass diese Bilder in der sozialistischen DDR produziert worden sein sollen! Aufrufe zur Wiederbeschaffung des »Verlustgutes« bleiben ebenso folgenlos wie eine Einwohnerversammlung. Weiterlesen

„Ethnizität ohne Gruppen“

Eine Diskussion auf Grundlage des gleichnamigen Buches von R. Brubaker

Dienstag, 25. September 2018, 19:30 Uhr im Mieterpavillon, Friedrich-Naumann-Str. 7

Von „Rassen“ spricht heute kaum noch jemand, dafür hat sich jedoch der Begriff der „Kultur“ (oder eben: Ethnizität) durchgesetzt, um Gruppen von Menschen bestimmte, sozusagen natürliche Eigenschaften zuzuschreiben. Der Gesellschaft drohen Konflikte anhand solcher vermeintlich tiefsitzender Unterschiede. In Europa wurde so in den 90er Jahren der Bürgerkrieg in Jugoslawien erklärt. Aber auch aktuell spaltet die Besinnung auf (vorgebliche) ethnische Wurzeln selbst alte Nationalstaaten wie Spanien. Sogar unter Linken wird der „kurdische“ Unabhängigkeitskampf als Kampf einer ethnischen Gruppe verstanden. Auf diese Weise entstehen plötzlich vermeintlich homogene Gruppen, die ihre spezifischen Gruppenbedürfnisse in den Vordergrund rücken und erfüllt sehen wollen. Brubaker stellt mit seinem Buch die Frage, ob wir es nicht vielmehr mit einer Ethnisierung von Konflikten zu tun haben und nicht, wie ständig postuliert wird, mit ethnischen Konflikten. Dies wollen wir gemeinsam diskutieren.

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„Rummelplatz“ von Werner Bräunig

Eine Lesung in Zusammenarbeit mit Contrazt e.V.

Freitag, 28. September 2018, 19:30 Uhr, MehrWertKultur, Nobleestr.13a

Mit dem 1965 erschienenen Roman „Rummelplatz“ wollte Werner Bräunig ein ungeschminktes Bild der DDR-Gesellschaft der Jahre des (Wieder-)Aufbaus zeichnen. Es gibt die Hoffnung auf einen Neuanfang. Es gibt aber auch die Traumatisierungen der Jahre des Faschismus und des Krieges, es gibt praktische Probleme der Industrialisierung eines vorher weitestgehend ländlichen Landes. Die Industrialisierung bringt neue soziale Unterschiede und Widersprüche hervor.

Dem 1934 in Chemnitz als Sohn eines Hilfsarbeiters und einer Näherin geborene Bräunig war die Schriftstellerei nicht in die Wiege gelegt. Nach Kriegsende hielt er sich mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser, begann eine Schlosserlehre und kam mit 16 Jahren in ein Erziehungsheim. Von da aus landete er im Uranbergbau der SADG Wismut im Erzgebirge und kurz darauf im Gefängnis. In den Folgejahren versuchte er sich im Schreiben und wurde 1957 in die Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren der Wismut AG aufgenommen. 1958 bis 1961 studierte er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“. Als „Rummelplatz“ in Auszügen 1965 erschien, wurde er von der SED-Spitze als Beispiel für „zersetzende Tendenzen“ scharf angegriffen. Bräunig brach die Arbeiten daran schließlich ab. Der Konflikt mit der SED hat ihn als überzeugten Sozialisten schwer getroffen. 1976 starb er mit 42 Jahren an Alkoholismus.

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Hermann Kant: Kurzgeschichten und „Die Aula“

Der 1926 in Hamburg geborene Hermann Kant war einer der bedeutendsten Autoren der DDR. 1962 veröffentlichte er sein erstes Buch, den Erzählungsband „Ein bisschen Südsee“. 1965 erschien sein erster, autobiographisch gefärbter Roman „Die Aula“, der rückblickend das Leben an einer Arbeiter-und Bauern-Fakultät schildert und ihn in Ost und West gleichermaßen bekannt machte. Weitere wichtige Werke Kants sind seine Romane „Das Impressum“ und „Der Aufenthalt“ sowie die Erzählbände „Der dritte Nagel“ und „Bronzezeit“. Kants Erzählstil ist meist von Ironie geprägt, besonders seine Kurzgeschichten sind oft treffende Satiren auf den DDR-Alltag. 1959 trat Kant dem Schriftstellerverband der DDR bei, von dem er ab 1969 Vizepräsident und ab 1978 Präsident war.

Kant war ein grundsätzlicher Befürworter der DDR. Er war auch politisch aktiv und gehörte in den achtziger Jahren der Volkskammer der DDR sowie dem ZK der SED an. Sein Verhältnis zu DDR-kritischen Autoren war unterschiedlich: So befürwortete er 1979 den Ausschluss von neun Kollegen aus dem Schriftstellerverband, darunter Stefan Heym und Klaus Schlesinger. Andererseits kümmerte er sich um eine Neuauflage des Romans „Es geht seinen Gang“ von Erich Loest. Kant hatte Kontakte zur Staatssicherheit, eine Mitarbeit wurde ihm vorgeworfen, er hat sie jedoch stets bestritten. Hermann Kant starb 2016 in Neustrelitz.

31.August 2018 um 19.30 Uhr bei MehrWertKultur, Noblèestr. 13a

„Der Zirkel-Kurs hat mal wieder um 180 Grad gewendet“ – Literatur aus der DDR

Zusammen mit dem Verein Contrazt e.V. veranstalten wir eine kleine Veranstaltungsreihe mit Literatur aus der ehemaligen DDR. Ein paar Termine stehen schon fest, weitere werden im Laufe des Jahres folgen. Wer Interesse hat und seine Lieblingsschriftstellerin aus vergangenen Tagen vorstellen möchte, ist herzlich willkommen! Meldet euch!

Die deutschsprachige Literatur hat nach 1945 in den beiden Staaten BRD und DDR unterschiedliche Wege genommen. Das wundert nicht, schließlich lagen den beiden Staaten unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe zugrunde.

Ein Beispiel für unterschiedliche Bedingungen des literarischen Schaffens war bspw. die staatlicherseits geförderte künstlerische Betätigung von Arbeitern und Arbeiterinnen. Die verstanden manchesmal ihr künstlerisches Schaffen anders als die Politiker, nämlich als Mittel in der Auseinandersetzung mit Werksleitungen und anderen staatlichen Stellen. In ihrem Tagebuch vermerkte die Schriftstellerin Brigitte Reimann, die in den 60er Jahren bei der Schwarzen Pumpe in Hoyerswerder als Zirkelleiterin angestellt war:

„Der Zirkel-Kurs hat mal wieder um 180 Grad gewendet. Bekam fast Vorwürfe, weil unsere Arbeiter gute Geschichten schreiben, weil wir einen Band rausbringen und ein Stück für das Arbeitertheater verfassen – die schreibenden Arbeiter sollen Artikel für die Wandzeitung kritzeln, Missstände im Betrieb aufzeigen etc. Für ernste Missstände sind Partei, Gewerkschaft oder sogar Staatssicherheit zuständig und erzielen ganz andere Wirkung als ein Artikelchen. Pah! Ich bin stinkwütend. Statt dass sich diese Verbandsgreise freuen, dass sie endlich mal wieder frisches Blut in ihre verkalkten Arterien gepumpt bekommen.“

Zu den „Zirkeln schreibender Arbeiter“ ein aufschlussreicher Beitrag des Deutschlandfunkes von 2009:

„Greif zur Feder, Kumpel!“ Vor 50 Jahren: Der Bitterfelder Weg in der DDR-Kulturpolitik

Innerhalb der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Ost und West war die alltägliche Lebensrealität dagegen nicht von verschiedenen Planeten: Hier wie da galt es, sich mit der faschistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen, gab es Bevormundung und Opportunismus, Verschweigen, Traumatisierungen. Die Menschen mussten arbeiten, lebten Familienleben, junge Generationen forderten die alten heraus usw. Das Umfeld und die Versprechungen waren aber unterschiedlich.

Der erste Teil unserer Reihe sieht so aus:

Im Juni zweimal Paul Gratzik; einmal ein Dokumentarfilm und einmal eine Lesung.

Im August Hermann Kant mit Kurzgeschichten und seinem Roman „Die Aula“.

Im September dann Werner Bräunig und sein Roman „Rummelplatz“

Weitere Veranstaltungen werden folgen!