Freitag, 21. Juli, 20 Uhr im Kulturverein „Alles wird Schön“, Friedrich-Naumann-Str. 27
Es ist wieder soweit: die Dok-Film-Abende in diesem Jahr starten in die zweite Jahreshälfte!
Wie schon angekündigt, ist Ken Loach’s „The Navigators“ der erste Film der 2. Halbzeit.
Ken Loach, ein Freund der geplagten, arbeitenden Menschen, zeigt in diesem Film von 2001 mit schwarzem Humor die Verrücktheiten der Bahnprivatisierung in England.
Diese Auswüchse des Neoliberalismus werden in ihrer kompletten Brutalität und deren absurden Auswüchsen gezeigt.
Während hier gerade wieder die Bahn zum Spielball der Politik und Kapitalisten wird, zeigen die jüngsten Bahnkatastrophen in Griechenland und den USA mit Dutzenden Toten, wohin eine solche Wildwestpolitik führt. Einen bleibenden Eindruck erhält heute bereits, wer mit der Bahn unterwegs ist.
Das Kaputtsparen der Bahn muss ein Ende haben!
Warum, das zeigt dieser Film in aller Deutlichkeit.
Die Welle von Protestaktionen der „Letzten Generation“ ist in den letzten Wochen abgeebbt. Einerseits soll die öffentliche Stimmung zu Ungunsten die Aktivisten gekippt sein. Andererseits haben sich Vertreter der Gruppe mit Politikern bis hin zum Bundesverkehrsminister getroffen und sehen ihr Ziel erreicht, sich Gehör bei diesen Politikern zu verschaffen. Sie fordern zweierlei: Zum einen das Ziel, dass „Deutschland bis 2030 die Nutzung fossiler Rohstoffe beendet“. Wie das bereits feststehende Ziel erreicht werden kann, soll ein „Gesellschaftsrat“ entscheiden, da die gewählten Politiker dazu nicht in der Lage gewesen seien. Der Gesellschaftsrat soll sich aus per Los gefundenen Menschen „aus allen Bevölkerungsschichten“ zusammensetzen, die „mithilfe von Expert:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft“ Maßnahmen erarbeiten. Schließlich: „Wir fordern, dass die Regierung öffentlich zusagt, nach Verabschiedung der Gesetze diese in einer beispiellosen Geschwindigkeit und Entschlossenheit umzusetzen“ ( https://letztegeneration.de/forderungen/ )
Um diese Ziele durchzusetzen, haben sie eine Strategie gewählt, die auf die Masse der Bevölkerung zielt, statt auf „Entscheidungsträger“ und Verantwortliche. Durch Straßenblockaden wird der im „Autowahn“ gefangene Mitbürger getroffen und durch dessen provozierte Gegenreaktion die Regierung gezwungen, zu handeln. Funktionieren kann diese Strategie nur, wenn das eigene Ziel mit dem der politischen und wirtschaftlichen Eliten übereinstimmt, diese aber durch die Vorbehalte der Bevölkerungsmehrheit gebremst wird. Stellen wir uns zum Vergleich eine Strategie vor, in der das Handeln einer kleinen Gruppe gegen den Willen der Politik und Wirtschaft gerichtet wäre. Wie würde die Regierung wohl reagieren, wenn eine Gruppe den Zugang zu Gesundheitseinrichtungen blockieren würde, um die die Regierung zu zwingen, die Privatisierungen im Gesundheitswesen zurückzunehmen?
Die „Letzten Generation“ verfolgt also ein technisches Ziel (Ersetzung der fossilen Energieträger durch xy) und ein strategisches (Ersetzung einer repräsentativen Demokratie durch ein technokratisches Regime).
Wir wollen mal versuchen, uns nicht über die Sinnhaftigkeit der Angst vor dem Klimawandel zu streiten; im Alltag müssen wir nicht einen Klimawandel bemühen, um festzustellen, dass auch der Autoverkehr immer unerträglicher wird. Mit Beton und Asphalt zugegossene Landschaften, vollgestellte Lebensräume in der Stadt, Lärm, (giftiger) Gestank u.v.m. reichen schon, um etwas Anderes anzustreben.
Aber ist es so, dass daran vor allem ein allgemeiner Autowahn schuld ist? Ist das Auto heute noch das Symbol für individuelle Freiheit, wie es das es in den 60er und 70er Jahren war?
Vieles spricht dafür, dass es das heute nicht mehr ist. Aber warum hat die Autoflut dann derart zugenommen? Welche Rolle spielen Arbeitsverhältnisse, die Zentralisierung der Öffentlichen und privaten Dienstleistungen? Zentralisierung von Einzelhandel, Handwerk, Post, Krankenversorgung, Bildungseinrichtungen usw.?
Was würde sich durch die angestrebte Elektifizierung und Digitalisierung des Verkehrs ändern? Wir wollen mit Hilfe eines Rollenspieles in eine offene Diskussion eintreten. Die zum Spiel angebotenen Rollen sind beispielhaft für die Lebenssituationen, in denen wir gefangen sind. Das Ziel soll sein, Gedanken zu entwickeln, was sich alles ändern müsste, wenn wir es ernst meinten mit dem „Wandel“!
Biedermann – Plakat des Theaters der Jugend Schauburg
Was tun, wenn die Brandstifter an der eigenen Wohnungstür klingeln?
Herr Biedermann ist knallharter Geschäftsmann, Skrupel sind ihm fremd, wenn es um das »Business« geht. Am Feierabend jedoch will auch er Bürger, Mensch sein.
Die Zeitungen berichten über eine Brandserie, ausgelöst von einer Bande, die sich als Hausierer bei den Bürgern einnisten und dann die Häuser in Brand stecken. Herr Biedermann findet das schlimm, am liebsten würde er diese Bande aufhängen (lassen), teilt er seiner Gasthausrunde mit. Dann klingelt es bei ihm an der Tür und Herr Schmitz, ein ehemaliger Ringer und Hausierer fragt um eine Kleinigkeit zu essen und ein kurzfristiges Dach über dem Kopf – kurz, er weiß, was für einen großherzigen Menschen er in Herr Biedermann vor sich hat. Dieser weiß eigentlich, wen er vor sich hat, aber… Feigheit? Schlechtes Gewissen ob seiner Kaltherzigkeit als Geschäftsmann?
Allen Warnungen zum Trotz nimmt die Katastrophe ihren Lauf.
Das Nachspiel spielt in der Hölle. Der Himmel habe, sagt der Teufel, eine Amnestie für alle hochgestellten Persönlichkeiten ausgesprochen. Wer eine Uniform beim Töten trage, sei gerettet. In die Hölle werden nur die Biedermänner und Intellektuellen, die Kleinkriminellen und Kriegsdienstverweigerer geschickt. Daraufhin tritt die Hölle in den Streik und schickt ihr Personal auf die Erde zurück. Biedermann und seine Frau Babette klammern sich an ihren Glauben und erwarten ihre Rettung.
Biedermann- Plakat der Falken Erfurt, 2020
Das Theaterstück von Max Frisch aus dem Jahre 1958 ist zeitlos – wie wir aktuell sehen.
Zu Zeiten Kaiser Wilhelms war der typische deutsche Militarist ein schneidiger Offizier, trug eine Pickelhaube und hatte seinen Schnurrbart akkurat aufgezwirbelt. Heute hat der der typische deutsche Militarist den Wehrdienst verweigert, trägt lange Haare oder einen Irokesenschnitt. Der eine ließ ins „Feld der Ehre“ ziehen, während der andere für „Werte“ sterben lässt.
Sascha Lobo, Spiegel-Kolumnist, Hasser von „Lumpenpazifisten“
Man kann sich über einzelne Figuren aufregen, aber die entscheidende Frage reicht weiter: Warum hat der heutige olivgrüne Militarist den Rückhalt der staatstragenden Mittelschicht? Warum reicht diese Unterstützung bis weit ins linke Lager? Eine Antwort liegt u.E. nach darin, dass diese Mittelschicht an eine sog. Zivilgesellschaft glaubt, die der OlivGrüne gegen ruchlose staatsgläubige Diktatoren zu verteidigen behauptet.
Anton Hofreiter testet vegetarische Verpflegung für deutsche Panzerfahrer
Aber was bedeutet der Begriff „Zivilgesellschaft“ eigentlich? Wo kommt er her? Was bedeutet er in Zeiten des Finanzkapitalismus, wie hängt er damit zusammen? Ist es ein Zufall, dass der Begriff im Deutschen zusammen mit der Debatte um den Abbau des Sozialstaates populär wurde? Welche Rolle kommt den privaten Wohltätigkeitsstiftungen zu, die die zivilgesellschaftlichen Initiativen fördern?
Diese Fragen wollen wir in unserer Diskussionsveranstaltung erörtern.
Anetta Kahane, bis 2022 Vorsitzende der Amadeu-Antonio- Stiftung, findet, dass die Parole „Nie wieder Krieg“ purer Luxus und Ausdruck von Menschenfeindlichkeit sei
Dies ist die dritte Veranstaltung, in der wir uns mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der staatlichen Politik angesichts der seit drei Jahren offen virulenten Krise beschäftigen. Wir knüpfen an verschiedene Veranstaltungen an, die wir vor längerer Zeit gemacht haben, so im Mai 2022: „Der Krieg ist die Fortsetzung der Zivilgesellschaft mit anderen Mitteln“…: Das Dilemma des „Community- Kapitalismus“
Damals haben wir das Buch »Community- Kapitalismus« vorgestellt. In dem beschreiben zwei (links) Soziologinnen die zunehmende Bedeutung der identitären Community innerhalb der sozialen und pflegerischen Arbeit. Der Staat zieht sich aus vielen Bereichen seiner Verantwortung zurück und fördert als Ersatz Ehrenamt und identitätsgetriebenes Engagement – schlecht bis gar nicht bezahlt und mit all den Widersprüchen beladen, die eine ungleiche Gesellschaft so mit sich bringt. Von der beschworenen Community haben wir den Bogen zur aktuellen Welle der Kriegsbegeisterung dieser bürgerlicher Schichten gezogen. Diesen Bogen behalten wir jetzt bei, setzen den Schwerpunkt aber mehr auf die Rolle der Stiftungen und ihren immer breiteren politischen Einfluss.
Im April 2018 haben wir das Buch „Ethnizität ohne Gruppen“ von R.Brubaker diskutiert – dieses knüpft an die Identitätsfalle an, in der sich die Linke in den letzten Jahren verfangen hat. Er fragte sich anhand bspw. des Konfliktes im damaligen Jugoslawien, wie (zerstörerische) gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt werden, in denen sich identitäre „Gruppen“ um individuelle Merkmale herum bilden.
Solche Prozesse sind auch in der Ukraine seit Jahren im Gang; wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Beitrag der ukrainischen Medienwissenschaftlerin Olga Baysha, die in einem Interview feststellte, dass die Eskalation des Konfliktes in dem Moment anfing, als die sozialen Konflikte dort 2013 / 14 nicht als solche artikuliert, sondern von den liberalen Mittelschichten als kulturelle gedeutet wurden. Eine realistische Einschätzung der sozialen Verfassung der Europäischen Union und der Auswirkungen der Integration der Ukraine in die Union gab es nicht, sondern sie wurde als Symbol für „Werte“ überhöht. Opponenten des EU- Beitritts wurden als „Moskowiter“ und kulturell rückständige Barbaren betrachtet. Daraus resultierte die bis heute bestimmende Allianz von liberal- westlichen Kräften und militanten Nationalisten.
Hier liegt auch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Die unter den Zaren gegründete und heute erbittert umkämpfte Siedlung Bachmut wurde 1924 nach einem bekannten Revolutionär mit dem Rufnamen „Artjom“ in Artjomowsk umbenannt. Der vermeintlich „ukrainische“ Namen, den Annalena Baerbock als Symbol für soldatischen Heldenmut so gerne im Mund führt, ist der zaristische, während der vermeintlich „russische“ eigentlich der sowjetische ist…Der ukrainisch- sowjetische war Artemiwsk…
Laien’s Dok- Film- Abend Freitag, 21. April 2023 – 20 Uhr Kulturverein „Alles wird schön“ Friedrich-Naumann-Str. 27
„Nicht, wer zuerst zu den Waffen greift, ist der Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“ (Niccolo Macciavelli)
In deutschen Kinderzimmern: Deutsche Botschafterin in Kiew…
Die Friedensbewegung ist gespalten: Ein Teil lehnt die deutsche Beteiligung an diesem Krieg ab. Ein anderer Teil meint, dass Russland als unmittelbarer „Aggressor“ zuerst besiegt werden müsse (von wem??). Diese Spaltung der Friedensbewegung konnte gelingen, weil in der westlichen Welt der erste Teil der Geschichte, die zum Krieg in der Ukraine führte, nicht zur Kenntnis genommen oder als irrelevant abgetan wird.
Hinzu kommt, dass die Russen- und Russlandfeindschaft nicht erst seit 2022 fester Bestandteil der „Westlichen Werte“ ist.
Insofern war und ist es einfach, eine einseitige und geschichtsverfälschende Erklärung des – nach den sieben Jahren der Kriege im ehemaligen Jugoslawien – zweiten Krieges in Europa seit 1945 zu verankern.
Um Russland die alleinige Verantwortung zuzuschieben, wird das Völkerrecht bemüht. Zu diesem Völkerrecht gehört aber auch u.a. ein Idealbild zwischenstaatlicher Beziehungen mit einem Mindestmaß an Vertrauen und Bereitschaft zur zivilen Konfliktlösung. Auf die Bedrohung Russlands durch eine über dreißig Jahre expandierende NATO und eine militärisch ausgerichtete EU haben russische Regierungen immer wieder hingewiesen. Der platte Spruch: „Zu einem Streit gehören immer zwei!“, trifft also auch hier zu.
In dem Film, den wir zeigen wollen, wird diese jahrzehntelange Vorgeschichte anschaulich und ausführlich dargestellt. Die im Film gezeigten Abläufe der Einmischung durch Geheimdienste, Diplomaten und auch faschistische Killerkommandos, die hier weitgehend unbekannt sind, beweisen die umfangreiche und auch blutige amerikanische Subversion in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion. Die von dem international bekannten Regisseur geführten Interviews belegen, wie der Regimewechsel in Kiew 2014 geplant und durchgeführt wurde.
In vielen Branchen laufen zur Zeit tarifliche Streikkampagnen. Die mittlerweile abgeschlossenen Tarifverträge pendeln sich bei Erhöhungen um die 5% plus vom Staat und den Sozialversicherungen subventionierte Einmalzahlungen ein. Gerade für die wenig Verdienenden ist das zu wenig, um die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Einen „Wohlstandsverlust“ nennt das die Politik…
So wenig, wie explodierende Gewinne von Energie- und Rüstungskonzernen „Zufallsgewinne“ sind, ist Verarmung eine „Zufallsverarmung“. Die Politik will die grundsätzliche Krise der neoliberalen Gesellschaft auf dem Rücken der lohnabhängigen Bevölkerung lösen. Daher sehen wir in den letzten Jahren eine zunehmend autoritäre Politik im Namen immer häufigerer Notstände.
Erklärungsbedürftig ist allerdings, dass keine Streikbewegung sichtbar ist, die sich gegen die politischen Rahmenbedingungen richtet, trotz einer hoch politisierten Stimmung, z.B. gegen die autoritäre Corona- Politik der letzten drei Jahre und die deutsche Kriegsbeteiligung inklusive Energieboykott und sonstige Sanktionen gegen Russland.
Warum ist das so? Es hat damit zu tun, dass es der deutschen politischen Klasse gelungen ist, ihre Art der Krisenbewältigung in einen hoch moralisierenden Diskurs zu verpacken, der tiefgreifende Auswirkungen auch innerhalb der Belegschaften hinterlassen hat. Um beizutragen, die Konflikte auf und um die Arbeit wieder mit den Konflikten um die politische Gestaltung der Gesellschaft zusammenzubringen, wollen wir die Auswirkungen der militarisierten Innenpolitik auf die Arbeitswelt diskutieren. Als Hintergrund stellen wir kurz die rechtlichen und technischen Seiten des „Notstandes“ dar. Anschließend skizzieren wir, welche Tabus in den Arbeitsbeziehungen in den letzten Jahren gebrochen wurden und welche Folgen das für die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen hat(te).
Wir hoffen auf eine Diskussion, wie wir, von unserer Arbeitssituation ausgehend, die beiden Seiten zusammenbringen können: den Widerstand gegen die materielle Verarmung und gegen den politischen Autoritarismus!
Einsatz der Bundeswehr im Innern: „Neues Territorialkommando: Truppenaufmarsch, Inlandseinsätze und Reformvorhaben„ IMI- Analyse Nr. 32/2022 – 23.6.2022)
Freitag, 17.März 2023 20.00 Uhr Kulturverein „Alles Wird Schön“ Friedrich- Naumann- Straße 27
Howard Zinn: Beispiel für ein anderes Bild über die USA. Eine amerikanische Lebensgeschichte.
Martin Luther King, Angela Davis, Malcolm X, Woodie Guthrie, Sacco und Vanzetti… das sind einige der bei uns bekannten US-amerikanischen Bürgerrechts- Gewerkschafts- oder Friedenskämpfer in den USA. In der Regel erschöpft sich damit das Wissen über die US-amerikanische Linke. Vermutlich ist Howard Zinn den meisten Friedens- oder Gewerkschaftslinken hier nicht bekannt, obwohl er, 1922 geboren und 2010 gestorben, in den USA ein sehr prominenter Historiker, Polit-Aktivist und Hochschullehrer war. Seine „Geschichte eines amerikanischen Volkes“, das eine Millionenauflage erreichte, hat Generationen von Schülern und Studenten beeinflusst und das bis heute aktive „Zinn-Projekt“ begeistert noch immer tausende Studenten und Schüler. Seine Vorlesung zum Zivilen Ungehorsam wurde auf großen Bühnen in den USA vorgetragen: Hier mit Matt Damon als Vortragenden und langjährigen Freund von Zinn. https://www.youtube.com/watch?v=gMScAZPDAxE
Zinns Aufforderung zu zivilem Ungehorsam ist aktueller den je und gilt weltweit.
Seine Filmbiographie „You Can’t Be Neutral On A Moving Train“ zeigt eine packende Lebensgeschicht, die eine andere Sicht auf die USA vermittelt. Dauer: 78 Minuten Sprache: Englisch, Untertitel: deutsch
Wir erleben seit drei Jahren eine „Zeitenwende“. Vieles in diese Zeit ist keine Wende im engeren Sinne, sondern eine Verschärfung der Krise der (finanz-) kapitalistischen Gesellschaft. Auch das Führen von Kriegen ist keine Wende. Die Wende findet sich vor allem im völligen Kollaps einer gesellschaftlichen Opposition, die der Gesamtheit der sozialen und politischen Probleme angemessen wäre.
Es haben sich im Laufe der letzten Jahre verschiedene Oppositionsbewegungen gebildet. Die Einschätzung, wer jeweils die soziale Basis gebildet hat und welches die Gründe für das Engagement vieler Menschen war, soll eines unserer Themen sein. Das andere Thema ist die darüber entbrannte Auseinandersetzung. Ab dem Herbst 2021 war der Vorwurf der „Querfront“ virulent gegenüber allen linken Versuchen, sich auf die eine oder andere Art positiv mit der Tatsache einer politischen Opposition auseinanderzusetzen. Vorgebracht wurde der Vorwurf von einer breiten Koalition einer grün- neoliberalen Regierung (ab Dezember 21) und einer lautstarken Fraktion innerhalb der Linkspartei und der linken Szene allgemein. Der Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, über die zu diskutieren wir euch einladen.
Schließlich wollen wir einen Aspekt in den Mittelpunkt stellen: Die staatliche Politik gegenüber Corona und als Partei eines Krieges hat vielfältige Konsequenzen auf die Arbeitsverhältnisse und -beziehungen sowie auf das Gefüge der staatlichen Sozialsysteme. Nicht umsonst wurde von der Politik seit Corona (!) von der Notwendigkeit einer „Kriegswirtschaft“ gesprochen. Damit wollen wir die Frage aufwerfen, in welchem Zusammenhang die staatliche „Politik“ und die „sozial- materiellen“ Bedingungen der lohnabhängigen Klasse stehen und wo Gelegenheiten für ein gemeinsames Agieren hätten liegen können oder heute noch liegen.
Einen Tag nach unserer Veranstaltung in Heimfeld wird der Jour Fixe seine Stellungnahme öffentlich diskutieren, und zwar am Mittwoch, 1.März 2023 um 18.30 Uhr im Curio- Haus, Rothenbaumchaussee 11 (im Hinterhaus)
Falls jemand Lust haben sollte, die Einladung weiterzuverteilen, freuen wir uns sehr!
Eine Szenische Lesung Freitag, 24.Februar 2023, 19.30 Uhr Kulturverein „Alles Wird Schön“, Friedrich-Naumann-Str.27
Auf einer der fernsten Inseln in Australien residiert Häuptling Abendwind und erwartet den Besuch seines Gegenübers Biberhahn. Dafür soll ein Festmahl angerichtet werden. Allerdings hat den Stamm der Groß-Luluerer in der letzten Zeit das Jagdglück verlassen: Es gibt just keine Gefangenen, die man anbieten könnte. Da trifft es sich gut, dass der Schiffbrüchige Friseur Arthur an das Ufer gespült wird. Er trifft auf die Häuptlingstochter Atala, die beiden verlieben sich ineinander. Sie warnt ihn eindringlich, er möge sich verstecken – allerdings ohne die Ernährungssitten ihres Stammes explizit zu nennen. Doch Arthur vertraut dem freundlich auftretenden Abendwind und verschwindet mit dem Koch Ho-Gu zur Zubereitung eines leckeren Mahles. Als Biberhahn ankommt, begegnen er und Abendwind sich mit freundlichen Worten. Erst im Laufe des Gespräches wird das Misstrauen der beiden deutlich: Es stellt sich raus, dass die beiden sich gegenseitig die Frauen geraubt und verspeist haben. Ihr gemeinsamer Feind ist jedoch die näherrückende westliche Zivilisation. Gegen die wollen sie ihr zukünftiges Bündnis durch die Heirat ihrer beiden Kinder besiegeln – Biberhahn wartet dringend auf die Ankunft seines Sohnes. Das Mahl wird gereicht. Auf einmal erklingt aus dem Inneren des Bratens eine Spieluhr…
Die Werke des Johann Nestroy (1801 – 1862) gelten als Höhepunkt des Alt-Wiener Volkstheaters. Dieses wurde seit Beginn des 18.Jahrhunderts auf primitiven Bühnen, den sogenannten „Pawlatschen“ gespielt. Zunächst lebte es von englischen Komödianten, die Stücke Shakespeares und anderer englischer Dramatiker spielten. Neben den englischen zogen auch italienische Wandertheater durch‘s Land und spielten die Stücke der Commedia dell’arte, in denen der Dialog innerhalb einer feststehenden Szenenfolge als Stegreiftheater improvisiert wurde. Die Aufführungen waren oft mit einer „komischen Figur“ verbunden, die als Dreh- und Identifikationsfigur das Einverständnis zwischen Bühne und Publikum herstellte – der Hanswurst und der Kasperle hatten hier ihre Wurzeln. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Hanswurst und Kasper gemäßigter und sie hörten auf, Zoten und fäkalische Witze von sich zu geben. „Die aufklärerische Politik erlegte ihm Mäßigung auf. Im norddeutsch-protestantischen Raum hatte man zu jener Zeit den Hanswurst schon längst als widernatürliche und unappetitliche Unterhaltungsform abgelegt. Das Beharrungsvermögen des Alt-Wiener Spaßmachers hat mit seinen multikulturellen Bindungen, der Spezifik des Publikums sowie seiner Beliebtheit selbst in den politischen Eliten zu tun. So tölpelhaft der Hanswurst auch war, das Publikum identifizierte sich mit ihm und grölte vor Vergnügen, wenn er auf der Bühne sogar die Polizei verhöhnte.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Alt-Wiener_Volkstheater
Das „Gräuliche Festmahl“ war Nestroys letztes Werk. Dass sein Stück eine Satire auf die Diplomatenwelt und die Machtpolitik der europäischen Mächte darstellte, wurde oft nicht verstanden und das Stück versank in der Vergessenheit. Wer mag, kann sich das Stück schonmal anschauen: https://www.nestroy.at/neu/wp-content/uploads/2019/06/abendwind-sw.pdf
Freitag, 10.Februar 2023 20.00 Uhr Kulturverein Alles Wird Schön Friedrich- Naumann- Straße 27
Europa wird zum Armenhaus
Inflationäre Preissteigerungen, explodierende Mieten, unbezahlbare Energiekosten: das sind die Sorgen, die die meisten Menschen zurzeit umtreiben.
Hauptursache hierfür sind letztlich weder der Krieg in der Ukraine, noch eine sog. Energiewende, sondern der Drang zur Vermögenskonzentration einer Handvoll mächtiger Finanzkonglomerate wie Black Rock und Co. Ohne, dass wir das im Alltag mitbekommen, verdienen diese immer mit. Ihr Vermögen, das sie „verwalten“, beträgt mittlerweile über 8 Billionen Dollar.
Die Zeche zahlen die Menschen, die abhängig beschäftigt sind, ob Festangestellte, kleine Selbstständige, Leiharbeiter, Hartz IV-Bezieher oder Rentner.
Wie war es möglich, in den vergangenen rund 20 Jahren die sozialen Sicherungssysteme dermaßen zu zerschlagen, dass eine so umfangreiche Ausplünderung und Verarmung stattfinden konnte?
Die Voraussetzung für den Umbau der Gesellschaft schaffen die neoliberalen und scheindemokratischen politischen Organe der Europäische Union und der vom „Westen“ dominierten Finanzinstitutionen. Darüber berichtet der Film, den wir dazu ausgesucht haben.
Die Technokraten der drei Institutionen Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und Europäische Kommission bildeten die sog. Troika, den Dreispänner. Seit 2015 heißt die „Troika“ in der Diplomatenwelt: „Die Institutionen„. Die seit den brutalen Spardiktaten bei den Griechen seit Jahren verhassten Kontrolleure der internationalen Geldgeber EU, EZB und IWF (und seit 2015 als viertes ein Vertreter des Euro-Rettungsfonds ESM) agieren ohne parlamentarische Kontrolle. Sie zwingen Staaten im Namen der „Finanzstabilität“ zu Sparmaßnahmen, die das gesamte soziale Gefüge gefährden. Der Filmemacher reiste nach Irland, Griechenland, Portugal, Zypern, Brüssel und in die USA, und befragte Minister, Ökonomen, Anwälte, Bänker, Betroffene. „Wer Geld hat, lebt; wer kein Geld hat, stirbt“, sagt der griechische Arzt Georgios Vichas.